Bezirksgericht Bremgarten
«Gestohlen, als ob es Ihr Beruf gewesen wäre»: Unverbesserlicher Serbe verurteilt

Ein 67-jähriger Serbe muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Bezirksgericht verurteilte ihn, weil er eine Einbruchserie verübt und dabei über 90 000 Franken erbeutet hatte.

Walter Christen
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Elf Diebstähle und fünf Versuche konnten dem Serben nachgewiesen werden. (Symbolbild)

Elf Diebstähle und fünf Versuche konnten dem Serben nachgewiesen werden. (Symbolbild)

Thinkstock

«Es geht mir nicht gut. Ich habe verschiedene Krankheiten, die mir zu schaffen machen», antwortete Strako (Name geändert) mit leiser Stimme auf die Frage von Gerichtspräsident Raimond Corboz, der sich nach dem Gesundheitszustand des Angeklagten erkundigte.

Dieser, ein 67-jährige Serbe, ist von kleiner Statur - sein Sündenregister dagegen gross. Er musste sich vor Bezirksgericht Bremgarten wegen gewerbsmässigem Diebstahl, mehrfachem Hausfriedensbruch, mehrfacher Sachbeschädigung, der Fälschung von Ausweisen, Missachtung einer Einreisesperre und des rechtswidrigen Aufenthalts in der Schweiz verantworten.

Seit 2017 im Gefängnis

Der Angeklagte ist seit einem Jahr in Untersuchungshaft und trat im Juni 2017 den vorzeitigen Strafvollzug an. Das Bezirksgericht Bremgarten verurteilte ihn im abgekürzten Verfahren zu einer dreieinhalbjährigen unbedingten Freiheitsstrafe. Eine vom Gericht des Seebezirks Freiburg im Juni 2015 ausgesprochene, bedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr wurde widerrufen, sodass Strako nun insgesamt viereinhalb Jahre hinter Gitter verbringen muss.

Der Angeklagte mit einem hohen Mass an krimineller Energie ist verheiratet und hat drei Kinder in seiner Heimat. Die Beziehung zwischen ihm und seiner Frau ist immer noch intakt; er telefoniert regelmässig nach Hause. Der Gerichtspräsident stellte fest, dass der Beschuldigte einen Eindruck macht wie ein rüstiger Rentner.

Er fragte ihn, weshalb er sich als Einbrecher betätigte. «Ich musste es tun, weil ich Medikamente für eines meiner schwer kranken Kinder kaufen musste.» Strako bezieht eine AHV-Rente von 180 Euro pro Monat. Dieses Geld setzte er jedoch zur Hauptsache in Alkohol um, vor allen in Sliwowitz, einen Pflaumenschnaps. «Das ist mein Hobby», gab er im April 2017 bei einer polizeilichen Einvernahme zu Protokoll.

92'000 Franken erbeutet

Die Liste der Straftaten, die der serbische Rentner vom 24. Dezember 2016 bis am 18. März 2017 in der Schweiz verübte, ist lang: Elf Diebstähle und fünf Diebstahlversuche konnten ihm nachgewiesen werden. Er erbeutete insgesamt rund 92'000 Franken und richtete einen Sachschaden von 25'000 Franken an. Das Verzeichnis der Zivil- und Strafkläger enthält 18 Namen.

Er habe die Delikte ausgeübt, wie einen Beruf und als Ersatz für ein regelmässiges Erwerbseinkommen seinen Lebensunterhalt durch Konsum, Gebrauch und Verkauf von Diebesgut bestritten, so die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten. Der einschlägig vorbestrafte Täter habe aus keiner Not heraus delinquiert. Ausserdem habe er sich gegenüber staatlichen Sanktionen als resistent erwiesen.

Einbruchserie ab Weihnachten 2016

Seine Einbruchserie bekann der Angeklagte am 24. Dezember 2016 in Jonen, wo er auf dem Balkon eines Hauses versuchte, ein Fenster aufzuwuchten. Dies misslang ihm, weshalb er eine Etage tiefer auf dem Sitzplatz eine mit einem Bewegungsmelder gekoppelte Glühbirne aus der Lampenfassung drehte. Denn dort wollte er mit einem Geissfuss die Terrassentüre aufbrechen.

Er scheiterte erneut mit diesem Flachwerkzeug, worauf er mit einem Stein die Glastüre einwarf. Trotz aller Bemühungen konnte er die Türe nicht öffnen. Der Täter musste ohne Beute abziehen, richtete aber einen Sachschaden von 2000 Franken an. In den folgenden Monaten ging Strako in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Graubünden und Zürich auf Diebestour. Die Einbruchdiebstähle verübte er vor allem in Einfamilienhäusern.

Mit Pass von Bruder eingereist

Der Angeklagte machte sich der Fälschung von Ausweisen schuldig und missachtete eine gegen ihn erlassene Einreisesperre in die Schweiz. Dies war ihm wohl bekannt, sodass er beim Grenzübertritt den Reisepass seines Bruders vorwies.

Das Bezirksgericht Bremgarten sprach gegen den Angeklagten eine unbedingte dreieinhalbjährige Freiheitsstrafe aus, unter Anrechnung der bereits ausgestandenen Untersuchungshaft. Dazu wurde noch eine im Jahr 2015 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von einem Jahr widerrufen. Ausserdem wurde gegen ihn eine zehnjährige Landesverweisung ausgesprochen.

Strako muss für die Verfahrenskosten (Untersuchung und Anklagegebühr) von total 19'600 Franken aufkommen und die Gerichtskosten übernehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Angeklagten übernimmt die Staatskasse, doch der Verurteilte muss das Geld zurückbezahlen, sobald es seine finanziellen Verhältnisse erlauben.

«Strafe ist gerechtfertigt»

«Der Angeklagte weist ein Alter auf, in dem er wissen sollte, dass solche Straftaten, wie er sie verübt hat, nicht toleriert werden. Er hat alles zugegeben, was man ihm nachweisen konnte. Ob noch weitere Einbrüche auf sein Konto gehen, bleibt offen», hielt Gerichtspräsident Corboz in der Urteilsbegründung fest.

«Dreieinhalb Jahre sind eine hohe Freiheitsstrafe, doch ist das Strafmass in diesem Fall aus Sicht des Gerichts gerechtfertigt.» Trotz des bestehenden Verbots sei Strako wieder in die Schweiz gekommen. Er hoffe, dass sich der Angeklagte künftig an das Einreiseverbot halte. Ansonsten müsse er sich nicht wundern, dass er noch härter bestraft würde, wenn man ihn erneut illegal in der Schweiz erwischt.