Die maschinellen Eingriffe im Gebiet Hegnau sind markant. Alles in allem 50 000 Kubikmeter Erde, Lehm, Sand und Kies werden abgetragen, teils verschoben, teils wegtransportiert. Langsam werden die Konturen der geplanten neuen Landschaft sichtbar. Es entsteht ein 1,5 Hektaren grosser See, der mit der Reuss verbunden ist. Das neue Stillgewässer übernimmt die Funktion eines Altarms der Reuss und wird so zu einem Rückzugsgebiet für Fische und Amphibien.

«Es geht zügig voran»

Seit einem halben Jahr laufen die Bauarbeiten. Sie befinden sich jetzt in der Halbzeit, denn die Fertigstellung ist im März 2012 vorgesehen. «Es geht recht zügig voran», sagt Hegnau-Projektleiter Christoph Flory. Den Zeitplan könne man einhalten, sofern die Reuss keine Überschwemmungen anrichte wie in den Jahren 2005 oder 2007.

Die aufwendige Neugestaltung in der «Hegnau» steht im Zeichen der Wiederherstellung. Ein Grossteil der einst unberührten Flusslandschaft ist verschwunden und mit ihr vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen: Auenwälder, Seitengerinnsel der Reuss, Schotterbänke. Verbauungen am Fluss, die man teils zur Zeit des zweiten Weltkriegs angelegt hatte, schränkten die Kraft der Reuss stark ein, wie es auch beabsichtigt war. Auf der anderen Seite führten die Verbauungen zum Verlust von natürlichen Werten an den Uferpartien des Flusses.

Das Hegnau-Projekt stellt ein Mosaikstein im grossflächigen Auenschutzprogramm unteres Reusstal dar. «Total sind jetzt 50 Hektaren Auenfläche verwirklicht», sagt Flory. Das Ziel ist ehrgeizig. In einigen Jahren sollen es die Auen des unteren Reusstals auf 100 Hektaren bringen.

Ulme, Eiche, Laubfrosch, Eisvogel

An einigen Stellen wird der neue See eine Wassertiefe von über sechs Metern aufweisen. Andere, seichtere Stellen werden regelmässig überflutet und von Zeit zu Zeit trocken sein. Hier gedeihen auentypische Hartholzbäume wie Stieleichen und Ullmenarten. Unterschiedlich steil werden die Böschungen des Naturparadieses Hegnau angelegt. Fast senkrechte Steilhänge dienen dem seltenen Eisvogel und der Uferschwalbe als Brutwände und Unterkunft. Die sanft gestalteten Böschungen eignen sich als Einstieg und Ausstieg für Amphibien und den Biber. Nebst dem See werden vier oder fünf fischfreie Tümpel geschaffen. Diese kleinen Teiche begünstigen die Entwicklung von Laubfröschen und Gelbbauchunken.

Als letzter Teil des Projekts wird die betonierte Militärstrasse am Reussufer zurückgebaut in einen bekiesten Wanderweg. Vom Wanderweg aus kann man dereinst im Stillgewässer fischen. Naturbeobachter, Erholungssuchende und Wanderer werden den dortigen Ein- und Auslauf der Reuss auf einem neuen Fussgängersteg queren.