Ritalin-Arzt Prozess
Gerichtspräsidentin soll befangen sein: Urteil vertagt

Der umstrittene Rudolfstetter Arzt Ingo Malm musste sich heute vor dem Bezirksgericht in Bremgarten für die Abgabe von grossen Mengen Ritalin verantworten. Zu einem Urteil kommt es nur deshalb nicht, weil noch ein Ausstandsbegehren hängig ist.

Jörg Baumann
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Der Arzt Ingo Malm steht heute in Bremgarten vor Gericht

Der Arzt Ingo Malm steht heute in Bremgarten vor Gericht

AZ

Der Ritalin-Prozess vor dem Bezirksgericht Bremgarten gegen den Arzt Ingo Malm aus Rudolfstetten geht in eine weitere Warteschlaufe: Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf setzte heute Vormittag die Urteilsberatung aus. Sie will abwarten, wie das Bundesgericht über das von Malm eingereichte Ausstandsbegehren gegen sie und die Gerichtsschreiberin entscheidet.

Das Obergericht hatte das Begehren abgelehnt. Die Beschwerdefrist, um ans Bundesgericht zu gelangen, laufe noch, sagte die Gerichtspräsidentin.

Bedingte Geldstrafe und Busse?

Die Staatsanwaltschaft wirft Malm vor, er habe einem suchtabhängigen Patienten eine überhöhte Dosis Ritalintabletten verschrieben. Sie beantragt eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 600 Franken und eine Busse von 4000 Franken. Zudem soll Malm laut Anklage dem Staat einen Erlösanteil von 4000 Franken aus dem umstrittenen Fall abliefern.

Wann das Bezirksgericht Bremgarten sein Urteil eröffnet, ist derzeit noch offen. Die Gerichtspräsidentin muss auch noch über den Antrag von Malms Verteidiger entscheiden. Er verlangt, ein weiteres Fachgutachten zur umstrittenen Ritalinabgabe einzuholen. Eine bereits vorliegende Expertise hält fest, dass der Kantonsarzt Malm die Ritalin-Abgabe nicht bewilligt hatte. Es sei in diesem Fall von einer «sehr hohen Dosis» auszugehen. Ingo Malm selber schwieg gestern zu den an ihn gerichteten Vorwürfen. Seine Begründung: Die Presse habe ihn vorverurteilt.

Verteidiger verlangt Freispruch

Malms Verteidiger beantragte vor Gericht einen Freispruch auf der ganzen Linie oder im Eventualfall eine geringere Geldstrafe, die den angespannten finanziellen Verhältnissen des Arztes angepasst sei. Malms Verschulden sei, wenn überhaupt, nur gering. Auf eine Busse müsse das Gericht verzichten. Der Verteidiger zerzauste die seiner Ansicht nach ungenügende Anklageschrift.

Ungeklärt sei die verbind liche Höchstdosis Ritalin, die einem schwer suchtabhängigen Patienten zur Therapie abgegeben werden dürfe. Malm sei ein erfahrener Spezialist für Suchtkrankheiten und habe sich in diesem Fall sehr Mühe gegeben.

Der Patient habe sich indes nicht dankbar gezeigt. Im Gegenteil: Nachdem die Krankenkasse die Bezahlung der Rechnungen einstellte, habe er Rezepte gefälscht und sei zweimal in Malms Arztpraxis eingebrochen, um zu Medikamenten zu kommen. Es sei absurd, erklärte Malms Verteidiger, dass der Patient nun vom Arzt noch eine Genugtuung von 1000 Franken und eine Anwaltsentschädigung fordere. Denn Malm sitze immer noch auf einem Haufen Rechnungen, die der Patient nicht bezahlt habe.