Sins
Gerechtigkeitsvereine: Was sie heute tun und früher getan haben

In der flächenmässiggrossen Gemeinde Sins gibt esnoch sogenannte Gerechtigkeitsvereine. Was haben sie für eine Funktion? An einer Grenzwanderung am 29. April kann mehr darüber erfahren.

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Die Gerechtigkeiten besitzen einige Naturoasen in Sins. zvg

Die Gerechtigkeiten besitzen einige Naturoasen in Sins. zvg

Bei den Gerechtigkeiten handelt es sich um Nutzungskorporationen. Das Institut der sogenannten Dorfgerechtigkeit wurzelt in Zeiten der alten Dorf-, Markt- und Weidgenossenschaften, wie der Gemeinderat in seinen Mitteilungen festhält. Heute sind die Gerechtigkeiten als wohlerworbene Privatrechte zu bezeichnen. Sie kommen also bestimmten Personen zu eigenem und selbständigem Recht zu und berechtigen zum Bezug der Nutzung.

Von der gesamten Waldfläche der Gemeinde Sins mit 328 Hektaren sind 93 im Besitz der Gerechtigkeitsvereine, die anderseits auch bestimmte Waldstrassen zu unterhalten haben. Ferner haben die Gerechtigkeiten Meienberg, Aettenschwil, Alikon und Fenkrieden je ihre eigene Dorfkapelle zu unterhalten.

Nach dem geltenden kantonalen Forstgesetz unterstehen die Wälder der Gerechtigkeitsvereine der Oberaufsicht des Staates. Es sind dessen Vorschriften über den jährlichen Umfang des Holzfällens, über die Forstreserve und die jährliche Rechnungsablage zu beachten.

Nur noch in wenigen Gemeinden

Ausser in Sins bestehen im Freiamt nur noch in wenigen Gemeinden Gerechtigkeiten. Zwischen 1837 und 1909 wurden sie in den meisten Gemeinden losgekauft und das Grundeigentum (Wälder, Allmenden usw.) der Ortsbürgergemeinde abgetreten. Wohl die meisten Gerechtigkeitsbesitzer waren zugleich Ortsbürger, was möglicherweise auch ein Grund für die Abtretung war.

In der Gemeinde Sins hatte am 13. April 1924 die Ortsbürgergemeinde darüber zu befinden, ob einer eingereichten Initiative auf Abtretung der Gerechtigkeiten an die Ortsbürgergemeinde stattzugeben sei. Das wurde jedoch eindeutig verneint. Daher blieben in Sins die Gerechtigkeiten weiterhin bestehen. Es sind dies: Gerechtigkeit Sins (mit 21 ganzen Anteilen), Neunhäusergerechtigkeit Reussegg (9 Anteile), Fünfhäusergerechtigkeit Reussegg (5 Anteile), Gerechtigkeit Meienberg (14 Anteile), Gerechtigkeit Aettenschwil (12 Anteile), Gerechtigkeit Alikon (19 Anteile) und Gerechtigkeit Fenkrieden (10 Anteile).

Die Bezeichnung Fünfhäusergerechtigkeit steht vermutlich im Zusammenhang mit fünf früheren Lehenshöfen im ehemaligen Eigentum der Herrschaft Reussegg. Die Besitzer der Fünfhäusergerechtigkeit sollen ihr Land von den Herren von Luzern gekauft haben. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass einzig die Gerechtigkeitswaldungen im Ortskreis Höfen/Winterhalden (total ungefähr zehn Jucharten) gemäss Vertrag vom 17. Hornung 1837 an die Anteilsinhaber verteilt worden sind. Bei der Gerechtigkeit Sins wurden 1800/02 Wälder im Bohl, Aesch und im Langteil unter die Gerechtigkeitsbesitzer verteilt, sodass als Gesamtgut nur noch rund 4,2 Hektaren Wald verblieben.

Grenzwanderung am 29. April

Im Originalton kann man an der Grenzwanderung mehr über die Gerechtigkeitsvereine in Sins erfahren. Der zweite Teil der Grenzwanderung findet am Sonntag, 29. April, statt. Start ist um 9 Uhr auf dem Parkplatz Bachtal (Kurzstrecke ab etwa 11 Uhr ab Oberalikon 4 bei Familie Kaufmann-Dähler). Route: Sins – Reussegg – Alikon – Haselhütte –Holderstock–Aettenschwil–Sins. Organisiert wird die Grenzwanderung unter anderem auch von den Gerechtigkeitsvereinen Sins. (az)