Wohlen
Geplante Einzonungen: Die SVP Wohlen bestreitet unsachliche Argumentation

Das Aargauer Kantonsparlament hat drei geplante Einzonungen in Wohlen nicht bewilligt. Für den Entscheid wird die SVP verantwortlich gemacht. Der Zonenplanentscheid im Grossen Rat gibt wegen der seltsamen Links-Rechts-Allianz zu reden.

Toni Widmer
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Der Grosse Rat hat beschlossen, dass auf diesem Acker auch in Zukunft angesät statt Sport getrieben wird.

Der Grosse Rat hat beschlossen, dass auf diesem Acker auch in Zukunft angesät statt Sport getrieben wird.

Dino Nodari/Archiv az

«Mir fehlen die Worte», sagt der Wohler Vizeammann und Grossrat Matthias Jauslin zum Zonenplan-Entscheid des Aargauer Kantonsparlaments.

Es hat am Dienstag drei geplante Einzonungen in Wohlen nicht bewilligt: eine neue Wohnzone in der Lochmatt, eine neue Gewerbezone an der Anglikerstrasse sowie die Erweiterung der Zone für öffentliche Bauten und Sportanlagen in den Niedermatten.

Für den negativen Entscheid verantwortlich gemacht wird vor allem die SVP, die in einer unheiligen Allianz mit den Linksparteien geschlossen gegen die geplanten Einzonungen gestimmt hat.

«Es ist für mich erschreckend, dass sich die SVP als Wirtschaftspartei gegen eine neue Gewerbezone ausspricht. Mehr schaden kann man Wohlen nicht».

Mit diesem Entscheid, zu dem die Wohler SVP entscheidend beigetragen habe, seien nicht nur sechs Jahre Gesamtplanung in den Sand gesetzt worden. «Damit», sagt Jauslin, «verkommen auch alle Massnahmen zum Standortmarketing zur Makulatur.»

Jauslin nimmt der SVP ihre Beteuerungen zum Kulturlandschutz nicht ab: «Im Vernehmlassungsverfahren hat die gleiche Partei noch gefordert, wir müssten grosse, zusammenhängende Industriezonen schaffen.»

«Wir haben sachlich gestimmt»

Einwohnerrat und Grossrat Jean-Pierre Gallati (SVP) bestreitet, eine emotionale Debatte angezettelt zu haben mit dem Ziel, dem Gemeinderat Wohlen ans Bein zu pinkeln: «Wir haben das Geschäft nach sachlichen Kriterien beurteilt.»

Allerdings, erklärt er weiter, habe sicher die Tatsache eine Rolle gespielt, dass die SVP von Anfang an mit dem Vorgehen zur Zonenplanung Mühe bekundet hätte: «Wir haben im Mitwirkungsverfahren zahlreiche Eingaben gemacht. Sie sind vom Gemeinderat in den Wind geschlagen worden.»

Der Erhalt von Kulturland als Fruchtfolgeflächen, kontert Gallati Jauslins Kritik, sei für die SVP sehr wohl ein Anliegen: «Wir setzen uns nach intensiven Diskussionen in der Fraktion vermehrt dafür ein. Das kann man an meinem Abstimmungsverhalten problemlos nachprüfen.»

Genügend unüberbautes Land

Die SVP finde, sagt Gallati weiter, mit 12 ha unüberbauter Gewerbezone und 30 ha freier Wohnzone habe Wohlen genügend Reserven.

Seine Partei habe sich auch daran gestört, dass die geplanten Einzonungen von Gewerbeland in Wohlen vom Regierungsrat so problemlos durchgewunken worden seien: «Niederwil-Nesselnbach und Gontenschwil beispielsweise mussten ihren Bedarf konkret aufzeigen, mit dem Nachweis interessierter Firmen und geplanten neuen Arbeitsplätzen.»

Thomas Leitch steht als SPler Einzonungen allgemein eher kritisch gegenüber. Für jene in Wohlen hat er ebenso überzeugt zugestimmt wie seine Wohler Grossratskollegin Monika Küng von den Grünen: «Ich habe mich auch mit diesen Begehren sehr kritisch auseinandergesetzt und bin zum Schluss gekommen, dass sie berechtigt sind», sagt er.

Es sei klüger, Gewerbezonen in urbanen Räumen zu realisieren und dort verdichtet zu bauen, als auf dem Land. Und die Erweiterung der öffentlichen Zone Niedermatten sei für Wohlen nötig, der Bedarf von Schulen und Sportclubs sei ausgewiesen.

Er könne das Verhalten der SVP nicht nachvollziehen, erklärt Leitch: «Die Partei verlangt einerseits grosse zusammenhängende Gewerbezonen und votiert gleichzeitig für den Erhalt von Fruchtfolgeflächen – ein absoluter Widerspruch.»

Druckversuche vom Ammann?

Im Nachgang zur Grossratsdebatte gibt es Gerüchte, Gemeindeammann Walter Dubler habe seinen Werbefeldzug für die Vorlage übertrieben.

Einige noch unentschlossene Grossrätinnen und Grossräte hätten sich unter Druck gesetzt gefühlt und sich letztlich für ein Nein entschieden.

Es ist etwas dran, an diesem Gerücht, wie mehrere Aussagen von Grossratsmitgliedern gegenüber der az belegen. Allerdings dürfte dadurch das Gesamtergebnis kaum entscheidend beeinflusst worden sein.

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