Erfindung
Genuss aus einem Guss: Mit der einhändigen Wurst zu einem freieren Leben?

Thomas Schmid aus Fischbach-Göslikon revolutioniert die Fastfood-Kulinarik indem er ein gekrümtes Bratwurstbrot erfand. Damit, so die Idee, bleibt eine Hand für ein Getränk frei. Hat die Welt darauf gewartet?

Jörg Meier
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Thomas Schmid macht es vor: Die Bratwurst wird ins perfekt gekrümmte Brot gesteckt – und schon hat man eine Hand frei.
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Wird die Erfindung den Bratwurst-Konsum revolutionieren?
Eine Wurst, ein Brot, eine Hand: Thomas Schmid will den Bratwurst-Konsum revolutionieren.

Thomas Schmid macht es vor: Die Bratwurst wird ins perfekt gekrümmte Brot gesteckt – und schon hat man eine Hand frei.

Jiri Reiner

Gut möglich, dass Fischbach-Göslikon überall auf der Welt, wo Bratwürste gegessen werden, schon bald ziemlich berühmt ist. Denn Thomas Schmid, der Erfinder des gekrümmten Bratwurstbrotes, stammt aus Fischbach-Göslikon.

Im Hauptberuf ist der gelernte Koch und Metzger Wirt im Restaurant Lohren; seine grosse Leidenschaft aber gehört dem Herumtüfteln an eher ausgefallenen Ideen. So hat er schon vor einiger Zeit den viereckigen Hamburger entwickelt, der bei seinen Gästen sehr beliebt ist.

Schmids neuster Streich aber schlägt alles, was er bisher erfunden hat. Das gekrümmte Bratwurstbrot hat riesiges Marktpotenzial. Davon ist Schmid überzeugt. Und er liefert auch gleich die Argumente dazu: «Jeder, der schon eine Bratwurt vom Grill gekauft hat, hat sich schon geärgert, weil das so kompliziert ist: Die heisse Wurst in der einen Hand, in der andern das Brot und dazu meist noch ein kleiner Karton mit Senf. Für ein Getränk ist keine Hand mehr frei. Wer es trotzdem versucht, muss ziemlich geschickt sein.»

Geprägt durch viele negative Bratwursterlebnisse beschloss Schmid, dass er da was ändern wolle. Die Lösung lag förmlich auf der Hand. Damit die eine Hand frei bleibt für ein Getränk, müssen Bratwurst und Brot zusammen in der andern Hand Platz finden. Das wiederum ist nur möglich, folgerte Schmid, wenn die Bratwurst in Brot gesteckt werden kann, dass die Krümmung der Bratwurst aufnimmt.

Endlich die richtige Krümmung

Weil es nirgends solchermassen gekrümmtes Brot gab, versuchte Schmid zuerst, es selber zu backen. Doch als Bratwurstbrotbäcker scheiterte er kläglich. Er wandte sich an die Profis. Doch auch die kapitulierten angesichts der heiklen Aufgabe. Bis dann endlich der Rüebliland –Beck in Wohlen den Durchbruch schaffte und das perfekte Brot mit der richtigen Krümmung und in der idealen Konsistenz herstellen konnte, auch geeignet zur maschinellen Fertigung. Und die wird vonnöten sein, wenn die Schmidsche Erfindung die Bratwurststände erobern will.

Der einhändige Bratwurstgenuss bringe nur Vorteile, schwärmt Erfinder Schmid: «Es entsteht viel weniger Abfall, weil Karton und Einwickelpapier entfallen. Die Wartezeiten an den Ständen verkürzen sich drastisch, was mehr Umsatz in den Stosszeiten ermöglicht. Schliesslich könnten auch mehr Getränke verkauft werden, weil der Bratwurstkäufer jetzt ja noch eine Hand für ein Bier frei hat.»

Die freie Hand sei auch wichtig für Eltern, die nun auch mit Bratwurst ihre Kinder weiterhin an der Hand halten könnten.

«Figö» bald in aller Munde?

Bisher ist die Nachfrage nach der einhändigen Bratwurst noch nicht sehr gross. Sie ist in Schmids Lokal erhältlich und an zwei Imbissständen. Aber das ist erst der Anfang. Schmid ist zuversichtlich, dass der Durchbruch bald kommen wird. Coop etwa, habe schon loses Interesse signalisiert.

Also bleibt noch etwas Zeit, um für das neue Produkt den passenden Namen zu finden.

Dazu ein Vorschlag: Schmid hat seine Idee in Fischbach-Göslikon entwickelt, im Volksmund Figö genannt. Da liegt doch die Analogie zum Hamburger nahe: Wir sprechen künftig nur noch vom «Figöler» – und alle Welt weiss, was damit gemeint ist. Und wo es erfunden worden ist. So kommt es, dass Figö vielleicht schon bald in aller Munde ist – im wahrsten Sinne des Wortes.