Dottikon
«Generalanzeiger» sucht Mitarbeiter: Nachwuchs soll für Lokalzeitung Berichte schreiben

Das Freiamt gilt als die Region mit den meisten Lokalzeitungen. Im Pressewald behauptet sich der «Generalanzeiger» in Dottikon seit Jahrzehnten. Doch jetzt gehen die Schreiber aus. Das Lokalblatt ist auf der Suche nach guten Schreibern.

Jörg Baumann
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Der Dottiker «Generalanzeiger» ist immer noch ein viel gelesenes Blatt. Lyne Schuppisser

Der Dottiker «Generalanzeiger» ist immer noch ein viel gelesenes Blatt. Lyne Schuppisser

Lyne Schuppisser

Das Freiamt gilt als die Region mit den meisten Lokalzeitungen. Im Pressewald behauptet sich der «Generalanzeiger» in Dottikon seit Jahrzehnten als unentbehrliches Informationsorgan, in dem man alles lesen kann, was im 4000-Seelen-Dorf jahrein und jahraus passiert.

Aber damit das passiert, braucht es aufmerksame, gute Schreiber – und da besteht nicht nur beim «Generalanzeiger» ein Notstand.

Früher schrieb Hans Richner

Über die Gemeindeverwaltung sucht die Lokalzeitung nun eine Frau oder einen Mann, die oder der Freude am Schreiben hat und den «Geni», wie das Lokalblatt liebevoll genannt wird, mit Berichten aus dem Dorf bedienen kann. Diese Aufgabe erfüllte jahrelang Hans Richner. Er ist 2013 verstorben. Auf Richners Nachfolgerin oder Nachfolger warten wichtige Anlässe: unter anderem das Jugendfest, die Gemeindeversammlung oder das Fest der Kulturen.

Über die Gemeindekanzlei läuft das Stelleninserat aus einem besonderen Grund: Die Gemeinde übernimmt seit Jahren die Abonnementsgebühren für alle Dottiker Einwohner. Der «Generalanzeiger» gelangt so gratis in die 1800 Haushaltungen. Bis Ende letzter Woche meldete sich bei der Kanzlei noch niemand, der die Aufgabe des Lokalkorrespondenten übernehmen würde. «Aber die Frühlingsschulferien sind dazwischen gekommen», meint Gemeindeschreiber Michael Schaeren. «Ab dieser Woche sind die Leute wieder vermehrt zu Hause. Ich gehe davon aus, dass wir dann fündig werden.»

Die Anmeldefrist läuft am 30. April ab. Laut dem Stellenbeschrieb sucht die Gemeindekanzlei jemanden, der Zeit hat, einen oder zwei Berichte im Monat für die Lokalzeitung zu verfassen. Erwartet wird, dass der Freizeitjournalist kontaktfreudig ist und über einen guten Schreibstil verfügt. Er oder sie soll für die Arbeit auch angemessen honoriert werden. Im Raum steht eine Pauschalentschädigung, die auszuhandeln wäre. Die Gemeindekanzlei sucht zudem, aber nicht in erster Linie, eine gewiefte Berufskraft. Auch eine Oberstufenschülerin oder ein Student sollte sich angesprochen fühlen, heisst es im Stelleninserat.

Vielfalt im Lokalblatt

Der vom Buchdrucker Jean Hochstrasser 1924 gegründete «Generalanzeiger» erschien zuerst für kurze Zeit als reines Inseratenblatt, was der Konkurrenz in Wohlen, dem «Wohler Anzeiger», sauer aufstiess. Dann begann Hochstrasser sein Lokalblatt mit Textspalten anzureichern. Bruno Hochstrasser, Sohn des Gründers, baute die Zeitung um und aus, bis sie die heute allen vertraute Form erhielt. Die dritte Generation hat das Steuer inzwischen übernommen. Das Blatt erscheint jeden Donnerstag mit einem Aufmacher, den Gemeinderatsverhandlungen, denn der «Generalanzeiger» ist das amtliche Publikationsorgan von Dottikon. Daneben gruppieren sich auf der Frontseite Vereinsnachrichten und in der letzten Ausgabe auch die Kolumne «Stammtisch», in der Autor Reto Veraguth sich zum einen oder anderen Vorkommnis kritisch äussert. Es folgen Veranstaltungshinweise, die Gottesdienstordnungen, die Notfalldienstregelung der Apotheke und der Hausärzte, die Inserate und die Todesanzeigen. Aufgefallen ist im letzten «Geni» ein Beitrag des betagten Gärtners Hans Rosewich. Darin wehrt er sich für tatsächlich grüne Gärten. Wie man heute jeden Quadratmeter mit Steinen zupflastere, sei für ihn ein Graus.

Die gebotene Vielfalt begrüsst Gemeindeammann Roland Polentarutti: «Wir sind froh über den ‹Generalanzeiger›. Ich lese ihn regelmässig, auch oder gerade, wenn darin Kritik geäussert wird.» Den Vertrag mit dem Verleger, wonach die Gemeinde die Abos für Dottikon übernimmt, hält Polentarutti für vorteilhaft – für beide Seiten. «Diese Art Presseförderung lässt sich verantworten und bringt unserem Dorf viel.»

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