Villmergen
Gemeindewerke werden zu einer Aktiengesellschaft

Auf den 1. Januar 2016 sollen die Gemeindewerke von Villmergen zu einer Aktiengesellschaft werden. Im August wird über die Rechtsformänderung abgestimmt

Toni Widmer
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Gemeinderat Renato Sanvido stellte an einer Medienkonferenz das Projekt «Gemeindewerke Villmergen AG» ausführlich vor.

Gemeinderat Renato Sanvido stellte an einer Medienkonferenz das Projekt «Gemeindewerke Villmergen AG» ausführlich vor.

Toni Widmer

Der Strom kommt nach wie vor aus der Steckdose, das Wasser fliesst aus dem Hahnen und die Rechnungen für Strom- und Wasserverbrauch werden von den gleichen Leuten verschickt wie bisher. Im Prinzip ändert sich für die Villmerger Bevölkerung nichts, wenn die Gemeindewerke (GWV) ihre Rechtsform ändern und wie geplant per 1. Januar 2016 zu einer Aktiengesellschaft werden.

Warum also die ganze Übung, mit deren Planung 2013 begonnen worden ist und über die am 23. August an der Urne abgestimmt werden soll?

Werke professioneller führen

Die Antwort haben GWV-Betriebsleiter Martin Hössli und der als Gemeinderat zuständige Ressortvorsteher Renato Sanvido der az Aargauer Zeitung in einem Interview schon im Mai 2014 gegeben: «Unser Konzept funktioniert noch gut. Das könnte sich jedoch in Zukunft ändern, wenn wir keine Anpassungen vornehmen.» Die Struktur der GWV entspreche dem wirtschaftlichen Umfeld, das immer komplexer werde, und den sich ständig ändernden Marktanforderungen, nicht mehr. Das habe nichts mit der Leistung der Gemeindewerke zu tun: «Wir dürfen uns auch im Vergleich mit Mitbewerbern zeigen», hielt Hössli im erwähnten Interview fest.

Mit der Überführung in eine Aktiengesellschaft soll die Führung der GWV so professionell werden, dass man bei Bedarf auf die Erfordernisse des Marktes flexibler und vor allem rascher reagieren kann. Weil für grössere Investitionen heute die Gemeindeversammlung zuständig ist, kann das mühsam werden: «Die Gemeindeversammlung findet nur zweimal im Jahr statt. Unter Umständen kann sich deshalb ein wichtiges Projekt über Monate verzögern», erklärte Gemeindeammann Ueli Lütolf an einer Medienkonferenz zum Thema.

Weiter im Eigentum der Gemeinde

Die Professionalisierung der Führungsstruktur war im Herbst 2013 von einer Strategiekommission empfohlen worden, die sich im Auftrag des Gemeinderates intensiv mit der Zukunft der GWV befasst hatte. Gestützt auf diese Empfehlung wurden eine fachlich und politisch breit abgestützte Projektorganisation mit der Umsetzung der ins Auge gefassten Rechtsformänderung betraut, die erforderlichen Vorabklärungen vorgenommen und alle Details sorgfältig abgeklärt und diskutiert.

Jetzt liegt das definitive Konzept vor: Die GWV bleiben zu 100% im Eigentum der Gemeinde, werden aber zur selbstständigen Aktiengesellschaft und heissen Gemeindewerke Villmergen AG.

Die strategische Führung obliegt künftig einem Verwaltungsrat, der nach fachlichen Kriterien zusammengesetzt wird, in welchem aber der Gemeinderat vertreten ist. Die operative Führung obliegt wie schon bisher einer Geschäftsleitung. Für das Personal – die GWV beschäftigen knapp zwei Dutzend Leute – ändert sich nichts: «Bezüglich der Gehälter ist eine zweijährige Besitzstandgarantie vorgesehen. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass das Lohnniveau sinkt. Die Fachkräfte, die wir beschäftigen, sind rar und müssen auf dem freien Arbeitsmarkt rekrutiert werden», erklärt Martin Hössli.

Der Fahrplan steht

Ändern wird sich allerdings die direkte Einflussmöglichkeit der Gemeindeversammlung auf die Tätigkeit der Werke. Bisher mussten dieser alle grösseren Investitionsvorhaben zur Genehmigung vorgelegt werden, künftig entscheidet darüber der Verwaltungsrat. Allerdings: Die indirekte Einflussnahme ist weiterhin gegeben. Zum einen sitzt ein Gemeinderat im Führungsgremium, zum anderen kann die Gemeinde als Eigentümerin wenn nötig grundsätzliche Weichen stellen.

Der Fahrplan für den Schritt zur Aktiengesellschaft steht: Am 26. Mai wir die Bevölkerung umfassend über das Vorhaben informiert, am 12. Juni wird die Gemeindeversammlung über das Projekt befinden und am 23. August wird an der Urne darüber abgestimmt. Verläuft alles nach Plan, kann die Gemeindewerke Villmergen AG am 1. Januar 2016 starten.

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