Gemeinderatswahlen in Wohlen vom 26. September
Wahlen könnten spannend werden: Fünf Bisherige, drei Herausforderer, drei Frauen

Am 26. September wählt auch Wohlen seine fünf Gemeinderätinnen und -räte neu. Wird sich die FDP einen Sitz zurückholen? Könnte es drei Frauen im Rat geben? Wird die Führung Wohlens eine Links-Grüne – und was bedeutet das? Oder bleibt doch alles beim Alten?

Andrea Weibel und Nathalie Wolgensinger
Andrea Weibel und Nathalie Wolgensinger
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Das Gemeindehaus in Wohlen AG.

Das Gemeindehaus in Wohlen AG.

Marc Ribolla

Gibt es am 26. September in Wohlen einen spannenden Wahlkrimi oder muss man sich auf einen zweiten Wahlgang gefasst machen? Die Ausgangslage mit fünf bisherigen Gemeinderatsmitgliedern und drei Herausforderern lässt beides zu. Sowohl die SP als auch die SVP kandidiert doppelt, während die FDP, die ihren Sitz im Rat 2017 verloren hat, sich diesen zurückholen will.

Zurücklehnen und beobachten kann vermutlich nur einer: Ammann Arsène Perroud (SP). Seine Wahl vor vier Jahren war deutlich, er heimste fast doppelt so viele Stimmen ein wie sein Nebenbuhler Paul Huwiler.

Dabei ist Perroud gerade im rechten Wohler Politlager nicht unumstritten. Zu reden gab erst kürzlich der Besuch von Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zu Ehren des neuen Wohler Bushofs. Böse Stimmen werfen Perroud nun vor, er habe den Besuch genutzt, um sich damit zu profilieren. Er hat sich im Dorf aber auch Respekt verschafft. Denn gemeinsam mit dem Gemeinderat ist er daran, Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte aufzuarbeiten. Hinzu kommt, dass es keiner Partei gelungen ist, /einen passenden Gegenkandidaten zu portieren.

Amt des Vizeammanns ist umkämpft

Wackelig ist dagegen der Stuhl von Roland Vogt (SVP), der seit 2015 Gemeinderat und seit 2018 Vizeammann ist. Der Kriminalpolizist hat wenig Gesprächsstoff geliefert in den vergangenen vier Jahren. Dass er deshalb seinen Job nicht oder nicht gut machen würde, wäre eine Unterstellung. Vielmehr gab sein Ressort Sicherheit in der vergangenen Amtsperiode schlichtweg zu wenig zu reden.

Anders sieht es bei seinem Konkurrenten Thomas Burkard (Grüne) aus, der seit 2018 im Gemeinderat sitzt. Er fühlt sich derzeit von einer positiven Welle getragen. Mit «seinen» Projekten Dreifachturnhalle Hofmatten und vor allem Schulzentrum Halde setzte er sich in den vergangenen Monaten immer wieder positiv in Szene. Dass die Wohler beide Projekte mit rund 70 Prozent Ja-Stimmen guthiessen, darf er sicherlich auch als Vertrauensbeweis entgegennehmen. Ob er aber genauso deutlich ins Vizeammannamt gewählt wird, wird sich zeigen.

Würde Burkard gewählt, bekäme Wohlen eine links-grüne Führung. Das sei aber bloss auf dem Papier so, erklärte Burkard bei seiner Nominierung. Das Amt des Vizeammanns sei eher repräsentativ. Fakt ist, dass der Vize nur dann als solcher zum Einsatz kommt, wenn er den Ammann vertreten muss. Das ist in den vergangenen Jahren nur einmal für längere Zeit vorgekommen.

Sind Gregor und Huwiler Wackelkandidaten?

Gleich zwei Wackelkandidaten sind die bisherigen Mitte-Vertreter Ariane Gregor (seit 2018) und Paul Huwiler (seit 2006). An ihnen scheiden sich die Geister in Wohlen. Während sie von den einen als souverän und äusserst teamfähig wahrgenommen werden, sehen die anderen ihre Stühle wackeln. Gregor hat als Finanzministerin die undankbare Pflicht, die klamme Kasse der Gemeinde zu verwalten und das jährliche Budget vorzustellen, das in Wohlen zuverlässig Diskussionen auslöst.

Wer Wohlen kennt, weiss, dass dies auch heute wieder auf den Rappen genau durchgekaut wird - selbst wenn der Steuerfuss für einmal unangetastet bleiben soll. Paul Huwiler dagegen teilt Roland Vogts Schicksal: Er hat derzeit keine grossen Projekte zu präsentieren, von ihm hört man wenig.

Angegriffen werden die fünf Bisherigen von zwei engagierten Frauen, die als Einwohnerrätinnen bereits Erfahrung sammeln konnten. Dies sind Laura Pascolin (SP) und Denise Strasser (FDP). Und auch Einwohnerrat Roland Büchi (SVP) ist ein Anwärter für das Amt. Letzterer präsidiert die SVP Wohlen-Anglikon, ist Grossrat, seit 2010 im Einwohnerrat, 58 Jahre alt und Maurer/technischer Angestellter. Die SVP sei dem Stimmvolk eine zweite Kandidatur schuldig, erklärte er seine Entscheidung.

Mit Strasser dagegen will die FDP ihren Sitz zurückgewinnen. Nach der schmerzlichen Abwahl von Bruno Breitschmid vor vier Jahren setzen sie nun alle Hoffnung auf die 40-jährige Betriebsökonomin, die seit 2017 im Einwohnerrat sitzt. Vielleicht verhilft ihnen der Hinweis, dass mit ihr zum ersten Mal wieder eine Ortsbürgerin im Rat vertreten sein würde, zu einigen zusätzlichen Stimmen.

Die dritte neue Kandidatin, Laura Pascolin, ist die politische Senkrechtstarterin der SP. Die 50-Jährige appelliert an die Solidarität der Frauen. Sie gehört seit 2018 dem Einwohnerrat und der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission an und setzt auf einen modernen Wahlkampf.

Zusammen mit ihrem Parteikollegen Perroud poppt Pascolin nicht nur auf Instagram auf, sondern auch auf den Bildschirmen der öffentlichen Verkehrsmittel. Wie ihre Gegenkandidaten lächeln sie aber natürlich auch traditionell von den Kandelabern im Dorf. Ariane Gregor strahlt zudem all jene an, die beispielsweise mit dem Zug ankommen. In der SBB-Unterführung hängt ihr Plakat im Grossformat.

Wirds ein Krimi oder gehts in die zweite Runde? Eine Prognose ist einmal mehr sehr schwierig. Aus Erfahrung weiss man, dass Wohlen immer wieder für eine Überraschung gut ist. Wie zum Beispiel vor vier Jahren: Statt einem zweiten Wahlgang erreichten damals sogar sechs Kandidaten das absolute Mehr.

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