Analyse
Gemeinderats-Erneuerungswahlen im Bezirk Muri: Ist die Ruhe nun gut oder schlecht?

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In den Gemeinden Muri, Sins und Merenschwand traten die Bisherigen wieder an.

In den Gemeinden Muri, Sins und Merenschwand traten die Bisherigen wieder an.

SEVERIN BIGLER

Im Bezirk Muri dümpelte der Wahlkampf ziemlich ruhig vor sich hin. In den grossen Gemeinden Muri, Sins und Merenschwand traten die Bisherigen wieder an und wurden jeweils mit überzeugenden Resultaten bestätigt. In den meisten anderen Gemeinden ging die Erneuerung der Exekutive, ob mit neuen Kandidaten oder nicht, ebenfalls unspektakulär und mit guten Resultaten über die Bühne. Nur in einzelnen Gemeinden kam es zu Wahlkämpfen, und das zum Teil auch noch in einer ungewöhnlichen Art Ý etwa, wenn ein bestehender Gemeinderat einen wiederkandidierenden Gemeindeammann attackiert. Diese Erneuerungswahlen setzen im Bezirk Muri positive Signale.

Pluspunkt eins: In den Gemeinden herrscht eine gute Gesprächskultur. In der Gemeindepolitik sind Leute, die sich für das Gemeinwohl einsetzen und das Amt nicht für ihre Selbstdarstellung brauchen. Tauchen Konflikte auf, wird in der Regel versucht, sie auf einer vernünftigen, sachlichen Ebene zu lösen. Das honorierten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger auch in diesen Wahlen mit guten Stimmenzahlen. Oder mit tiefer Stimmbeteiligung: Nicht wählen kann auch bedeuten, dass man zufrieden ist.

Pluspunkt zwei: Man kann es zusammen über die Parteigrenzen hinweg, sofern es in den Gemeinden überhaupt Parteien gibt. Sogar feiern: In Muri fand die Wahlfeier mit allen Parteienvertretern gemeinsam statt. Schliesslich ist es so: Ist eine oder einer erst einmal im Gemeinderat, als Gemeindeammann oder Vizeammann gewählt, rückt Parteipolitik in den Hinter- und die Lösung von Sachfragen in den Vordergrund. Die Gewählten beweisen in aller Regel, dass sie das so handhaben.

Pluspunkt drei: Von Ausnahmen abgesehen, konnten in den allermeisten Gemeinden genügend Kandidatinnen und Kandidaten für die Gemeinderatssitze gefunden werden. In etlichen Gemeinden war das Interesse an dieser Aufgabe sogar so gross, dass sich mehr Leute zur Verfügung stellten, als nötig gewesen wären. Das zeigt das Bewusstsein, dass man auf Gemeindeebene mit Engagement etwas bewirken kann. Die Lust, dies auch zu tun, ist auch bei der jüngeren Generation vorhanden. Das ist gut so. Aufgaben werden sich verändern – Stichwort Digitalisierung – und da braucht es Leute, die draus kommen. Noch viel Luft nach oben hat es allerdings bei den Frauen: Auf 19 neue männliche Oberfreiämter Kandidaturen kommen nur 5 neue weibliche. Also Frauen: in die Hosen.

Pluspunkt vier: Konstruktive, kollegiale Politik zahlt sich aus. Weshalb soll man zahllose Abende opfern, auf Familie verzichten und sich das Wochenende von «Hundsverlochete» zerschneiden lassen, wenn die kollegiale Ebene nicht stimmt? Und sich für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stellen? Im Bezirk Muri haben sich viele für eine weitere Amtszeit bereit erklärt. Das zeigt: In den meisten Gemeinderäten stimmt das Arbeitsklima.

Pluspunkt fünf: Der Bezirk Muri ist ein aufstrebender Bezirk. Er ist gut aufgestellt, liegt schön und ideal zwischen grossen Zentren und hat ein grosses Zukunftspotenzial. Das spürt man als ganz normaler Einwohner regelmässig. Und weiss auch, dass das nicht von Nichts kommt. Die ruhigen Wahlen dürfen deshalb auch als Ausdruck von Dank und Vertrauen gedeutet werden an diejenigen, die die Entwicklung massgeblich mitbestimmen.

Pluspunkt sechs: Es gab auch Dissonanzen. In Bettwil und Dietwil wurden bisherige Gemeinderäte nicht bestätigt. In Oberrüti kam es zu einem (erfolglosen) Angriff auf den bisherigen Vizeammann, in Besenbüren sägte ein Gemeinderatsmitglied (ebenfalls erfolglos) am Sitz des bisherigen Gemeindeammanns. Das muss nicht, aber kann böses Blut geben und die neuerliche Zusammenarbeit erschweren. Aber auch die Chance bieten, Unklarheiten auszuräumen und auf einer guten Ebene einen Neuanfang zu wagen.

Kurz und gut: Die Erneuerungswahlen 2017 im Bezirk Muri bilden einen guten Boden, um mit Freude und Elan die Zukunft dieses Bezirks zu gestalten.