Die Dinge überstürzen sich: Bis vor wenigen Tagen war der Kauf des Fisher-Scientific-Gebäudes an der Wilstrasse eine Option. Mit dessen Erwerb für 2,8 Mio. Franken, schreibt der Gemeinderat im Bericht und Antrag vom
26. Mai 2014, sichere sich die Einwohnergemeinde Wohlen zusätzlichen Büro- und Lagerraum in der Industriezone. Daneben könnten die verschiedenen gemeindeeigenen Organisationen Feuerwehr, Zivilschutz und Werkhof an einem Standort zusammengelegt werden. Die Nutzung von Synergien werde als grosse Chance angesehen, mit welcher die einzelnen Organisationen ihre Abläufe optimieren und von der bestehenden Infrastruktur gegenseitig profitieren könnten.

Diese Begründung des Gemeinderates stimmt immer noch. Nur ist sie mit dem Vorliegen des Schlussberichts der Schulraumplanungskommission wesentlich dringlicher geworden: «Die Kommission hat sich für die Variante Schulzentrum Halde entschieden. Diese ist aber nur dann realisierbar, wenn die Gemeinde das Fisher-Scientific-Gebäude kaufen kann», erklärt Gemeinderat und Kommissionspräsident Paul Huwiler.

Einwohnerrat unter Druck

Damit steht der Einwohnerrat an der Sitzung vom nächsten Montag, 23. Juni, plötzlich unter Druck. War das etwa gar beabsichtigt? «Nein», weist Paul Huwiler diesbezügliche Vermutungen vehement zurück: «Das Kaufangebot für dieses Gebäude ist für Wohlen so oder so eine einmalige Chance. Nicht nur, weil es jetzt auch in der Schulraumplanung eine entscheidende Rolle spielt.» Der Schlussbericht der Kommission mit dem klaren Votum für die Variante Halde sei nicht absichtlich erst so kurz vor der Einwohnerratssitzung fertig geworden, erklärt Huwiler weiter.

Die Chancen für die Zustimmung des Einwohnerrates zum Kauf sind denn auch durchwegs intakt. Bisher hat einzig die SVP einige Bedenken angemeldet, den Kauf des Gebäudes jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt: «Was uns aber stört, ist, dass der Bericht und Antrag einige grobe Mängel aufweist. Wir können es uns nicht leisten, eine Katze im Sack zu kaufen», schreibt die Partei in einer Medienmitteilung und verlangt «eine lückenlose Auflistung der anfallenden Mehrkosten sowie der vorgesehenen Erweiterungsbauten.» Es seien zu viele Fragen offen und deshalb werde die SVP einen Rückweisungsantrag stellen. Damit gebe sie dem Gemeinderat die Möglichkeit, «einen sauberen und lückenlosen Antrag zu erstellen, der alle Kosten ausweist».

Verzögerungen liegen nicht drin

Damit kämen Gemeinderat und Kommission aber bereits in die Zwickmühle. Was, wenn Fisher Scientific nach einem Rückweisungsantrag ihr Angebot zurückzieht? Auch zeitlich gäbe es ein Problem. Der Terminplan für die Realisierung des zusätzlich nötigen Schulraums ist äusserst eng. Jede Verzögerung kann sich fatal auswirken. Doch noch ist das Geschäft nicht zurückgewiesen. Die Hoffnung besteht, dass die offenen Fragen der SVP an der Sitzung vom Montag beantwortet werden können.

Diskussionen gibt es am Montag allerdings nicht nur zum Kauf der Liegenschaft Fisher Scientific. Die gibt es auch zur Jahresrechnung. Das vor allem, weil die Finanzkommission das Ergebnis in verschiedenen Bereichen bemängelt und festhält: «Das Ergebnis der Rechnung 2013 ist aus Sicht der Finanzkommission trotz der Verbesserung zum Voranschlag ungenügend.» Die Fiko hat weiter verschiedene Haare in der Suppe gefunden. So zum Beispiel den Umstand, dass keine Rückstellungen für die Kosten von Ferien- und Überzeitguthaben gemacht worden sind. Wären diese in der Rechnung enthalten, dann würde gemäss Berechnungen der Finanzkommission das Resultat der Rechnung um 370 000 Franken schlechter ausfallen.

Neue Autodrehleiter

Kaum Opposition erwachsen dürfte im Einwohnerrat dem beantragten Kredit zur Anschaffung einer neuen Autodrehleiter für die Feuerwehr. Zumal der Bedarf klar ausgewiesen ist und die Beschaffungskommission ein hohes Kostenbewusstsein an den Tag gelegt hat. Die Feuerwehr Wohlen ersetzt ihre Autodrehleiter gemeinsam mit der Feuerwehr Rheinfelden. Weil man sich auf das gleiche Produkt geeinigt hat, gibt es bei der Beschaffung einen Rabatt von immerhin 17 000 Franken.

Das neue Fahrzeug von Iveco soll die 1989 vom gleichen Hersteller angeschaffte Drehleiter ersetzen. Es ist mittlerweile das älteste derartige Fahrzeug, das im Kanton noch im Einsatz steht und entsprechend anfällig geworden. Bei der nächsten Fahrzeugprüfung, die 2015 fällig ist, wäre mit hohen Investitionen zu rechnen. Eine neue Autodrehleiter kostet brutto 911 000 Franken. Nach dem Abzug des Beitrages des Aargauischen Gebäudeversicherung bleibt für die Gemeinde Wohlen eine Nettobelastung von 335 000 Franken.