Villmergen
Gemeinderat über Wasserpreise: «Kann man kaum beeinflussen»

Auf den 1. Januar 2016 sollen die Gemeindewerke zu einer Aktiengesellschaft werden. Die Verantwortlichen standen der Villmerger Bevölkerung an einer Infoveranstaltung Red und Antwort.

Dominic Kobelt
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Auf dem Weg zur Aktiengesellschaft: Gemeindewerke Villmergen.

Auf dem Weg zur Aktiengesellschaft: Gemeindewerke Villmergen.

Toni Widmer

Nachdem die Gemeinde Villmergen bereits via Medien über die geplante Rechtsformänderung der Gemeindewerke informierte, standen die Verantwortlichen nun der Bevölkerung an einer Infoveranstaltung Red und Antwort. Die Anwesenden stellten denn auch viele Fragen, zum Teil sehr spezifische. Kritik war kaum zu vernehmen. Nur ein Teilnehmer ärgerte sich darüber, dass «den Bürgern immer mehr Rechte weggenommen werden».

«Es gibt halt Elemente, bei denen es Sinn macht, sie zu delegieren», erklärte Gemeinderat Renato Sanvido. Hansueli Bircher von der Projektgruppe, der als Fachperson für rechtliche Fragen zur Verfügung stand, bekundete Verständnis, machte aber klar: «Es gibt gar nicht viel, das der Bürger beeinflussen könnte. Die Wasserpreise dürfen nicht gewinnorientiert sein, sondern dürfen nur die Investitionen abdecken.» Auch bei den Strompreisen sei der Spielraum eng.

Einer der wichtigsten Gründe, warum man die Gemeindewerke in eine Aktiengesellschaft umwandeln möchte, ist eine Professionalisierung in der Führungsstruktur. Dies sei nötig, weil das wirtschaftliche Umfeld immer komplexer werde. Einer der Zuhörer wollte denn wissen, ob es nicht gescheiter wäre, den Verwaltungsrat mit sieben Personen zu bestücken, weil er befürchte, bei fünf Fachleuten bleibe neben den Juristen und Finanzspezialisten kaum Platz für Wasser- und Stromspezialisten.

«Wichtig ist beim Verwaltungsrat, dass er unternehmerisch handelt. Er muss die Gesellschaft strategisch führen, für das operative Tagesgeschäft sind andere zuständig. Dass ein Verwaltungsrat weiss, wie eine Steckdose funktioniert, ist nicht zwingend», erläuterte Hansueli Bircher.

Gut vorbereiteter Gemeinderat

Auch Fragen zu den Steuern, zu Haftungsrisiken und zu den Statuten konnten die Verantwortlichen kompetent beantworten. Es zeigte sich rasch, dass fachlich interessierte Personen die Veranstaltung nutzten, um Fragen noch vor der Gemeindeversammlung zu klären. Insgesamt attestierte man dem Gemeinderat, dass er sich sehr gut auf das Geschäft vorbereitet habe. «Wenn wir den Stimmbürgern erklären können, warum es die Rechtsformänderung braucht, sehe ich keine Probleme», sagte Sanvido.

Die Professionalisierung der Führungsstruktur war im Herbst 2013 von einer Strategiekommission empfohlen worden, die sich im Auftrag des Gemeinderates mit der Zukunft der Gemeindewerke befasst hatte. Gestützt auf diese Empfehlung hat man eine fachlich und politisch breit abgestützte Projektorganisation mit der Umsetzung der ins Auge gefassten Rechtsformänderung betraut, die erforderlichen Vorabklärungen vorgenommen und alle Details sorgfältig abgeklärt und diskutiert. Das Ergebnis: Die Gemeindewerke Villmergen bleiben zu 100% im Eigentum der Gemeinde, werden aber zur selbstständigen Aktiengesellschaft und heissen schlicht: Gemeindewerke Villmergen AG.

Wenn am 12. Juni die Rechtsformänderung von der Gemeindeversammlung angenommen wird, kommt es am 12. August zur obligatorischen Urnenabstimmung, weil die Gemeindeordnung angepasst werden muss. Verläuft diese ebenfalls positiv, starten die neuen Gemeindewerke am 1. Januar 2016.

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