Dottikon
Gemeinderat steht nach günstigem Landverkauf in der Kritik

Der Dottiker Vizeammann Stefan Wietlisbach soll Land von der Gemeinde zu günstig gekauft haben – dies behauptet Einwohner Daniel Zimmermann. Wietlisbach wehrt sich jedoch entschieden gegen den Vorwurf der Vetternwirtschaft.

Fabian Hägler
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Stefan Wietlisbach

Stefan Wietlisbach

Der Rechenschaftsbericht ist normalerweise ein reines Routinegeschäft an einer Gemeindeversammlung – in Dottikon löste dieses Traktandum aber eine heftige Diskussion aus. Einwohner Daniel Zimmermann stellte an der «Gmeind» sogar den Antrag, das Geschäft zurückzuweisen. Aus seiner Sicht hat der Gemeinderat der Brütec AG und der Firma MaSa Automobile Matrascia zwei Grundstücke zu günstig verkauft und damit auf einen möglichen Gewinn von rund 300000 Franken verzichtet. Brisant: Besitzer der Brütec AG, die rund 728 Quadratmeter Land kaufte, ist der Dottiker Vizeammann Stefan Wietlisbach.

Für Zimmermann riecht der Landverkauf nach Vetternwirtschaft: «Das Land wurde weder öffentlich zum Kauf angeboten noch wurde eine Schätzung zum Verkehrswert vorgenommen», begründet er. Als er an der «Gmeind» nachfragte, habe ihm Gemeindeammann Roland Polen- tarutti erklärt, die Brütec AG sei «auf den Gemeinderat zugekommen und habe ihr Interesse am Kauf signalisiert», sagt Zimmermann.

Wie viel ist das Land wirklich wert?

Der Landpreis für Brütec und Matrascia lag bei 200 Franken pro Quadratmeter. Zimmermann ist der Meinung, das Land sei deutlich mehr wert. «Praktisch gleichzeitig hat die Brütec AG unmittelbar gegenüber zwei Bauplätze mit gleicher Zonenzugehörigkeit und vergleichbarer Lage zu einem wesentlich höheren Preis verkauft», sagt er. Der Gemeinderat habe ihm bestätigt, dass er von diesem Landverkauf der Brütec AG und auch vom höheren Kaufpreis Kenntnis habe, sagt Zimmermann.

Den genauen Kaufpreis habe ihm die Behörde mit Verweis auf das Amtsgeheimnis nicht bekannt gegeben. «Doch der Gemeinderat bestätigte, dass sich die Baulandpreise für vergleichbare Grundstücke durchaus im Bereich von 300 bis 350 Franken pro Quadratmeter bewegen», ergänzt er.

Weiter habe der Gemeinderat laut Zimmermann argumentiert, wegen der besonderen Lage sei das Land nur für Brütec und Matrascia von Nutzen, da eine Erschliessung nur über deren benachbarte Grundstücke möglich sei. «Der Gemeinderat hat mir erklärt, deshalb sei ein tieferer Verkehrswert angenommen worden», sagt Daniel Zimmermann.

«Bei Prüfung übersehen»

Zimmermann vermutet hingegen, der Preis sei absichtlich tief angesetzt worden. «Bei einem Quadratmeterpreis von 350 Franken wäre die Kompetenzsumme des Gemeinderats überschritten worden, der Landhandel hätte der Gemeindeversammlung vorgelegt werden müssen», argumentiert er. Laut Gemeindeordnung darf der Gemeinderat pro Jahr Grundstücke im Wert von 500000 Franken selbstständig kaufen und verkaufen.

Zudem kritisiert Zimmermann, die Dottiker Finanzkommission habe das Geschäft «bei ihrer Prüfung übersehen und nicht näher angeschaut». Auch die externe Prüfungsgesellschaft, die BDO Visura, sei auf den Landverkauf nicht eingegangen.

Vizeammann kontert Vorwürfe

Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt Stefan Wietlisbach: «Das Land ist weder verkehrstechnisch, noch mit Wasser und Kanalisation erschlossen.» Pro Quadratmeter sei mit zusätzlichen Kosten von rund 150 Franken rechnen. Das Land auf der anderen Seite der Strasse, das seine Firma verkaufte, sei indes vollständig erschlossen. «Dies erklärt die Preisdifferenz», sagt Wietlisbach. Und er ergänzt mit Blick auf den Quadratmeterpreis von 200 Franken: «Ich habe von Privaten früher gleich angrenzend erschlossenes Land zum selben Preis gekauft».

Zimmermann, dessen Rückweisungsantrag klar abgelehnt wurde, klärt derzeit seine politischen und rechtlichen Möglichkeiten. Unabhängig davon hofft er künftig auf mehr Fingerspitzengefühl des Gemeinderats. «Ein solches Geschäft muss einfach an die ‹Gmeind›», hält er fest.

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