Das Isler-Areal, ein seit rund 20 Jahren brach liegendes Grundstück im Zentrum von Wohlen, soll nicht wie geplant überbaut werden. Der Verein «OIA, Oase Jacob Isler-Areal» hat erfolgreich eine Initiative lanciert, mit der er eine Überbauung zumindest für die nächsten zehn Jahre verhindern will: «Das Jacob Isler-Areal soll der Wohler Bevölkerung zeitnah als Ort der Begegnung und der Naherholung zugänglich gemacht werden. Von einem Verkauf des Areals und der geplanten Überbauung ist deshalb während der nächsten 10 Jahre abzusehen», so der Initiativtext.

Der Gemeinderat empfiehlt, das Begehren abzulehnen. Zur am 26. November bevorstehenden Volksabstimmung hat er einen Flyer drucken lassen, auf dem er seine Haltung ausführlich erklärt.

Zu Wort kommt auch das Initiativkomitee. Bei einer Annahme ihres Begehrens, schreibt der Verein OIA, soll das Areal mit einfachen Mitteln wie Wegen und Bänken bereichert und für alle zugänglich gemacht werden. In Wohlen würden viele Wohnungen und Geschäftslokale leer stehen, trotzdem werde weiter gebaut wie nie zuvor. Die Verdichtung sei in vollem Gang, doch je verdichteter gebaut werde, umso grösser sei der Bedarf nach Freizonen zur Erholung und Begegnung. Wohlen verliere bei einer Annahme der Initiative nichts, würde aber viel an wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Attraktivität gewinnen, schreibt der Verein.

Gestaltungsplan ist rechtsgültig

Der Gemeinderat sieht das Ganze weit nicht so locker wie die Initianten: «Für dieses Areal existiert ein rechtsgültiger Gestaltungsplan, der auch vom Kanton abgesegnet worden ist. Auch wenn die Initiative angenommen werden sollte, wird es nicht so einfach, dort Umgestaltungen in eine Parklandschaft vorzunehmen. Dazu wäre ein Baubewilligungsverfahren nötig, zu dem sich auch der Kanton äussern müsste», hielten Vizeammann Paul Huwiler und Gemeinderat Arsène Perroud an einer Information für die Medien fest.

Perroud zeigte dabei vorerst die lange politische Geschichte auf: 2001 hat Wohlen das Areal gekauft mit der Absicht, das Zentrum zu entwickeln. Die Vorlage erhielt in der Volksabstimmung grosse Zustimmung. 2008 wollte der Gemeinderat das Stück Land wieder verkaufen. Der Einwohnerrat sagte nein und forderte einen Masterplan. Ebenfalls 2008 wurde erstmals auch ein Park zum Thema. Mittels Initiative wurde die Umwandlung von der Bauzone in eine Park- und Parkhauszone verlangt.

Sie erlitt in der Volksabstimmung mit 75 % Neinstimmen deutlich Schiffbruch. In der Folge wurde unter Einbezug der Bevölkerung – es gab ein Vernehmlassungsverfahren – der erwähnte Gestaltungsplan erarbeitet und 2013 vom Regierungsrat genehmigt. «In diesem Verfahren», erklärte Perroud, «war nicht ein einziges Mal die Rede von einem Park.»

Es gibt genügend Grünflächen…

Einen solchen im Zentrum von Wohlen neu zu schaffen, sei auch nicht nötig, erklärten Huwiler und Perroud am Medientermin: «Es gibt gleich daneben einen schönen öffentlichen Park rund um das Strohmuseum. Dort lassen sich die zwanglose Begegnung und das Verweilen mit anderen – also das, was das Initiativkomitee auf dem Jacob Isler-Areal anstrebt – schon jetzt problemlos verwirklichen. Daneben gäbe es weitere Begegnungszonen in unmittelbarer Zentrumsnähe, und auch in die Naherholungsgebiete am Dorfrand und an der Bünz seien die Wege kurz, erklärten Huwiler und Perroud. Zudem werde – vorausgesetzt, auch die Ortsbürger stimmen der Umgestaltung des IBW-Plätzlis zu – in Kürze auch auf dem Sternenareal eine neue Begegnungszone entstehen, und mit der Umgestaltung von Badi und Eisbahn zum Sportpark Bünzmatt würden sich auch dort ganzjährig neue Möglichkeiten eröffnen.

… aber zu wenig Wohnungen

Auch das Argument, es brauche in Wohlen keine neuen Wohnungen, lassen die beiden Gemeinderäte nicht gelten: «Aus raumplanerischer Sicht ist es nicht nur richtig, sondern sogar eine Verpflichtung, an diesem Platz hochwertigen Wohnraum zu realisieren. Damit nehmen wir den Druck vom Siedlungsrand», sagte Arsène Perroud. Attraktiver Wohnraum im Zentrum sei nach wie vor sehr gefragt und dazu geeignet, das Steuersubstrat der Gemeinde zu verbessern: «Hochwertige Wohnungen für gute Steuerzahler zu schaffen, ist genau das, was immer und immer wieder von uns verlangt wird. Und jetzt wollen ausgerechnet jene Kreise, die am lautesten danach rufen, eine solche Möglichkeit mit ihrer Zustimmung zur Oase Isler-Areal verhindern», redete Paul Huwiler Klartext.

Was, wenn die Initiative angenommen wird? «Dann sind wir mindestens zehn Jahre blockiert, können die vom Raumplanungsgesetz verlangte Verdichtung nach innen nicht umsetzen und stärken den Druck auf die Siedlungsränder. Weiter müssen wir befürchten, dass unter Umständen am Ende der ganzen Übung unsere Verwaltung viel Planungsarbeit für die Katz geleistet und die Gemeinde mehrere 100 000 Franken in den Sand gesetzt hat», sagen Huwiler und Perroud.