Wohlen
Gemeinderat muss bei Landverkauf nochmals über die Bücher

Der Kaufvertrag war bereits unterschrieben. Auf einem 7,71 Aren grossen Stück Bauland an der Bremgarterstrasse, das der Gemeinde Wohlen gehört, sollte schon bald ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung zu stehen kommen. Nun konmmt es anders.

Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen
Das Grundstück an der Bremgarterstrasse

Das Grundstück an der Bremgarterstrasse

Andrea Weibel

Was noch fehlte, war einzig die Zustimmung des Einwohnerrats zum Landverkauf. Doch das Wohler Gemeindeparlament hat das Geschäft nicht genehmigt, sondern mit 18 zu 15 Stimmen an den Gemeinderat zurückgewiesen.

50000 Franken weniger

Es habe einige Ungereimtheiten gegeben, erklärte Urs Stäger (SVP) im Namen der Geschäftsprüfungskommission (GPK). In erster Linie war für die GPK unverständlich, weshalb ein erster Interessent, dem schon die beiden Nachbarparzellen gehören, nicht für den Kauf berücksichtigt wurde. «Mit ihm existiert sogar ein Vorvertrag», verdeutlichte Stäger.

Der erste Interessent hätte 350 Franken pro Quadratmeter Land bezahlt, während Agush und Lumnije Dina, die zweiten Interessenten, nur 286 Franken pro Quadratmeter, also gesamthaft rund 50000 Franken weniger dafür bezahlt hätten. «Wir wollen und dürfen dieses Geld nicht einfach verschenken», fand Stäger.

Minergie-Standard ist wichtig

Gemeindeammann Walter Dubler erklärte, dass der Preis des Ehepaares Dina der eingeschränkten Baumöglichkeit auf der schmalen Parzelle Rechnung trage. Ausserdem hätten sich diese Käufer bereit erklärt, im Minergie-Standard zu bauen und die Zufahrt über die Bremgarterstrasse zu gestalten. Der erste Interessent hätte das Grundstück dagegen über den weniger gut ausgebauten Bachmattenweg erschliessen wollen. Aber auch der erste Interessent hätte im Minergie-Standard gebaut und wäre mit einer Zufahrt über die Bremgarterstrasse einverstanden gewesen, gab Bruno Bertschi (SVP) zurück.

Dubler entgegnete, es mache keinen Sinn, wenn der erste Interessent auf dem Gemeindeland im Minergie-Standard baue, daneben aber nicht. Diese Meinung vertrat auch Meinrad Meyer (CVP): «Vielleicht hätte die Gemeinde vom Nachbarn mehr Geld erhalten, dafür aber auch ein Projekt, hinter dem der Gemeinderat nicht stehen kann.» Thomas Geissmann (FDP) meinte indes: «Wir bedauern, dass die Verhandlungen mit dem Nachbarn gescheitert sind, sehen aber keinen Grund, das Land jetzt zu einem Spottpreis wegzugeben.»

Persönliche Differenzen vermutet

Maja Meier (Grünliberale - Freis Wohle) vermutete persönliche Differenzen hinter der Uneinigkeit des Gemeinderats mit dem ersten Interessenten. Ausserdem hielt auch sie den offerieren Kaufbetrag der Familie Dina für «sehr günstig».

Dubler wehrte sich gegen die Vorwürfe, es sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen. Er kritisierte seinerseits, dass sich die SVP für offensichtliche, private Interessenvertretung hergebe. Denn der Architekt des ersten, nicht berücksichtigen Interessenten ist SVP-Mitglied.