«Ich habe mein Haus aufpeppen lassen, jetzt ist der Garten dran», sagt der ehemalige Gemeinderat Bruno Breitschmid. «Naturnah wäre super. Da ich selber wenig Ahnung davon habe, kommt mir die Aktion sehr gelegen.» Er musste nicht lange überlegen, als er hörte, dass der Natur- und Vogelschutz gemeinsam mit der Gemeinde und dem Kanton kostenlose Gartenberatungen mit Spezialisten durchführt. «Mich interessiert, welche Möglichkeiten ich habe, um meinen Garten naturnah aufzupeppen, und ob ich bisher überhaupt schon etwas richtig gemacht habe», lacht Breitschmid.

Diese Worte gefallen Naturgärtner Franz Weber. Lachend erklärt er: «Wunderbar, dann brainstorme ich einfach mal.» Tatsächlich sprudeln seine Ideen nur so. Wichtig ist ihm aber: «Ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass man all meine Ideen umsetzen muss. Die Leute können sich rauspicken, was ihnen gefällt. Und ich bin auch nicht hier, um Verträge abzuschliessen, mein Terminplan ist mindestens bis Ende Jahr praktisch voll.» Es ist, was die Aktion verspricht: eine kostenlose Beratung.

Kompost für Blindschleichen

Hinter Breitschmids Haus stand eine grosse Tanne – seit kurzem ist nur noch der Strunk zu sehen. Andrea Fuchs, Co-Präsidentin des Natur- und Vogelschutzvereins Wohlen, bedauert, dass sie zu spät gekommen ist: «Teile des Stammes hätten gut in einer Gartenecke liegengelassen werden können, solches Totholz ist perfekt für verschiedene Insektenarten.» Spannend wäre aber auch, wenn Breitschmid auf dem alten Strunk einen Komposthaufen mit Ästen und Rasenschnitt anlegen würde, «das könnte für Blindschleichen eine Überwinterungsmöglichkeit sein», sagt Franz Weber.

Bedürfnisse der Bewohner

Ein besonderes Augenmerk legt der Naturgärtner auf den Rasen, der das Haus auf drei Seiten umfasst. «Wenn man gerne darauf Fussball spielt, soll man das auf jeden Fall so lassen. Die Umgebung soll sich auch nach den Bedürfnissen der Leute richten», macht er deutlich. «Aber wenn man den Rasen nur zum Mähen braucht, wäre es spannend, ihn an einigen Stellen wachsen zu lassen. So hätte man auch weniger Arbeit.»

Er denkt laut: «Gegen das Nachbargrundstück könnte man einheimische Heckenpflanzen wie Essigrosen, Heckenkirschen oder Alpenjohannisbeeren pflanzen. Wichtig wäre, dass man den Boden zwischen den Sträuchern nicht ausmäht, sondern als wertvollen Krautsaum wachsen lässt.» Einheimische Sträucher seien viel günstiger als Exoten, betont er.

«Man muss also nicht Angst haben, naturnahe Gärten seien viel teurer als Thuja oder Kirschlorbeer – im Gegenteil, sie haben meiner Meinung nach nur Vorteile in jeder Hinsicht.» Auch versteht er die Angst nicht, die viele Eltern vor Bienen haben: «Würden mehr Kinder mit Bienenstichen und Blumenwiesen aufwachsen, gäbe es viel weniger Allergien, davon bin ich überzeugt.»

Ast- und Steinhaufen bieten zudem Unterschlupf für viele Tiere. «Und wenn Sie gegen die Strasse hin zwei Rasenmäherbreiten mähen, können Sie den Rest des Rasens wachsen lassen, und es sieht dennoch gepflegt aus – ein kleiner Trick mit grosser Wirkung», verrät Weber lachend. Um dennoch nicht durchs hohe Gras waten zu müssen, würde sich ein Kiesweg anbieten.

Breitschmid ist begeistert. Man sieht ihm an, dass er am liebsten sofort mit der Arbeit anfangen möchte, so sehr hat ihn Webers Leidenschaft angesteckt. Andrea Fuchs empfiehlt: «Am besten, man schläft eine Nacht darüber, und fängt einfach an, wo man Lust hat. Schon wenig kann eine grosse Wirkung haben. Ich freue mich, zu erfahren, was aus den Ideen wird.»