Villmergen
Gemeinderat Hegglin: «Als Diplomat wäre ich nicht geeignet»

Klemenz Hegglin startet in Villmergen in seine sechste Amtsperiode im Gemeinderat. Im Gremium gibt er sich oft als das alles hinterfragende Enfant terrible. Dennoch ist der amtierende Vizeammann im Kollegium hoch angesehen.

Toni Widmer
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Das Hobby: Klemenz Hegglin im Messerschmitt KR 200 mit Jahrgang 1956, 191 ccm und 10 PS. Toni Widmer

Das Hobby: Klemenz Hegglin im Messerschmitt KR 200 mit Jahrgang 1956, 191 ccm und 10 PS. Toni Widmer

Klemenz Hegglin ist ein Mann mit Ecken und Kanten. Einer, der die Dinge beim Namen nennt und sich nicht scheut, auch unpopuläre Ansichten und Meinungen zu vertreten.

«Ich wäre mit meiner direkten Art als Diplomat nicht geeignet. Doch bei mir wissen die Leute, woran sie sind. Über die Jahre habe ich damit durchaus gute Erfahrungen gemacht. Man kommt so meistens eher ans Ziel als über Umwege.»

Der 60-jährige Villmerger ist seit 20 Jahren Gemeinderat. Im Gremium gibt er sich oft als das alles hinterfragende Enfant terrible. Dennoch ist der amtierende Vizeammann im Kollegium hoch angesehen. Er gilt als Mann, der um die Sache kämpft, Entscheide jedoch auch dann konsequent vertritt, wenn sie nicht in seinem Sinne gefällt worden sind.

Kollegialprinzip macht stark

«Der Gemeinderat Villmergen ist seit Jahren eine sehr homogene Truppe. Wir diskutieren hart in der Sache, treten aber nach aussen geschlossen auf. Öffentliche Grabenkämpfe überlassen wir andern. Das hat die Behörde starkgemacht und Villmergen weiter gebracht.»

Dazu verweist er auf diverse Grossprojekte, die im Laufe seiner bisherigen Amtszeit verwirklicht worden sind. In viele davon war er als Präsident der Baukommission direkt involviert.

«Wir haben viele Vorhaben an den Gemeindeversammlungen problemlos durchgebracht. Das liegt einerseits daran, dass wir die Geschäfte stets intensiv diskutiert haben. Anderseits haben wir eine starke Verwaltung, welche die Entscheide des Gemeinderates stets kritisch hinterfragt und uns auf allfällige Unterlassungen aufmerksam macht.»

Bewährt habe sich auch das Prinzip, Kritiker schon früh in die Entscheidungsfindung zu integrieren.

Hegglin, ein politischer Mensch

Mit der Politik kam Klemenz Hegglin schon früh in Berührung: «Zu Hause wurde immer politisiert und als Bub habe ich vor allem auch am Stammtisch im ‹Obere Leue› schon früh mitbekommen, dass man eine Meinung hat und diese auch äussert.»

Sein erstes öffentliches Engagement ging schief. Zusammen mit anderen kämpfte er vergebens für eine Sporthalle. Dafür präsidierte er die Baukommission bei der Realisierung der Dreifachturnhalle Hof.

Als Mitglied beim Arbeiter-Touring-Bund (ATB) war für Hegglin die SP die logische politische Heimat.

Er war allerdings nie ein Fundamentalist und kann anderen politischen Parteien durchaus auch etwas abgewinnen: «Eine Partei alleine kann es nicht richten, auch andere haben gute Ideen. Was am Schluss zählt, ist der mehrheitsfähige Kompromiss.»

Über die Baukommission, in der er lange mitwirkte, kam der Tiefbauingenieur HTL mit 40 Jahren schliesslich in den Gemeinderat. «Man hat mich schon früher angefragt, aber da fühlte ich mich noch zu jung.»

Solidarität geht verloren

Die Begeisterung für das Amt hat nie nachgelassen: «Neben meiner beruflichen Tätigkeit als technischer Leiter bei Valli Strassenbau bin ich auch im Gemeinderat recht gefordert. Doch die Arbeit macht mir nach wie vor sehr viel Freude. Das Gremium ist kompakt und gut.»

Dass seine Familie (Hegglin ist verheiratet und hat drei Kinder) hinter seinem politischen Engagement stehe, sei für ihn ebenfalls wichtig.

Verflogen ist im Laufe der Jahre die Euphorie: «Als junger Gemeinderat ist man überzeugt, man könne jetzt ganz allein die Welt verändern. Mit der Zeit merkt man dann allerdings, dass das nicht geht, weil noch vier andere am Gemeinderatstisch mitentscheiden und das Stimmvolk immer das letzte Wort hat.»

Etwas bewegen lasse sich hingegen nach wie vor. Auch wenn der Aufwand dafür zugenommen habe und die Gesellschaft schwieriger geworden sei: «Früher wurden Probleme unter Nachbarn selber geregelt, heute muss nicht selten der Gemeinderat schlichten.»

Mühe macht Klemenz Hegglin eine gesellschaftliche Erscheinung: «Die Solidarität geht immer mehr verloren, viele schauen nur noch auf ihren Vorteil.» Zum Glück, sinniert er, sei das in Villmergen noch anders: «Sonst würde ich wohl kaum für eine sechste Amtsperiode kandidieren.»