Einwohnerratspräsidentin

«Gemeinderätin ist für mich eine Option»

Die abtretende Einwohnerratspräsidentin Ariane Gregor mit ihrem Strohhut, den sie zum Abschied geschenkt bekommen hat. Toni Widmer

Die abtretende Einwohnerratspräsidentin Ariane Gregor mit ihrem Strohhut, den sie zum Abschied geschenkt bekommen hat. Toni Widmer

Ariane Gregor hat ihre Amtszeit als Einwohnerratspräsidentin von Wohlen beendet und tritt aus dem Parlament zurück

«Es war eine gute Sitzung und es war ein wunderbarer Jubiläumsabend. So schön kann kaum jemand gehen. Ich schwebe immer noch», strahlt Ariane Gregor am Tag danach.

Am Montagabend hat sie ihre letzte Sitzung als Einwohnerratspräsidentin geleitet, und am Montagabend hat das Wohler Parlament seinen 50. Geburtstag mit einem gediegenen Anlass in der Eingangshalle der Kantonsschule Wohlen gefeiert. Ein krönender Abschluss hinter ihre Zeit im Wohler Parlament und ein Erlebnis, das ihr nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

Ein klein wenig hat sie sich allerdings auch geärgert. Über sich selber: «Ausgerechnet an meinem letzten Abend habe ich das Zeitmanagement nicht im Griff gehabt». Man wird Ariane Gregor trotzdem als Perfektionistin in Erinnerung behalten. Zwei Jahre lang hat sie das Parlament mit sicherer Hand geführt, und auch in komplexen Debatten mit verschiedenen Anträgen stets den Überblick behalten.

Vermittlerrolle übernommen

Dass ihr das gelungen ist, führt sie vor allem auf ihre akribische Vorbereitung zurück: «Ich habe vor den Sitzungen jeweils intensiven Mailkontakt mit diversen Einwohnerräten und Einwohnerrätinnen gepflegt. So konnte ich weitgehend vermeiden, an einer Sitzung von der aktuellen Entwicklung überrascht zu werden, und entsprechend strukturiert planen.»

Als Präsidentin habe sie ihre persönliche Meinung zu den Sachgeschäften hintenan gestellt und versucht, als Vermittlerin aufzutreten und ausgleichend zu wirken. Das sei ihr ab und zu auch gelungen.

Für Ariane Gregor war es auch stets ein Anliegen, die Diskussionen im Rat nicht ins Persönliche abgleiten zu lassen. Sie hat denn auch mehrmals eingegriffen und die Kontrahenten zur Sachlichkeit gemahnt, wenn Votanten auf dem Mann gespielt haben. Mit ihrer Hartnäckigkeit hat sie es geschafft, die politische Kultur im Einwohnerrat während ihrer Amtszeit nach und nach zu verbessern.

Die CVP-Politikern hat auch darauf geachtet, dass Diskussionen nicht ausuferten: «Nach einem strengen Arbeitstag sind Sitzungen von drei bis vier Stunden Dauer nur schwer zu ertragen. Ich habe mich stets um einen speditiven Ablauf bemüht und eingegriffen, wenn ich das Gefühl hatte, es werde ziellos drauflosgeplaudert», schmunzelt sie. Der Erfolg gibt ihr recht, die Sitzungen sind unter ihrer Leitung meist konzentriert und speditiv verlaufen.

Bleibende Erinnerungen

Auch Ariane Gregor ist nicht alles so gut gelungen, wie sie es sich gewünscht hätte: «Bei der ersten Abstimmung zum Kauf der Liegenschaft Fisher-Scientific beispielsweise hätte sie zu wenig auf ihr Bauchgefühl gehört. «Die gut geheissene Beschwerde gegen den gefassten Beschluss hat mich im Nachhinein geärgert. Ich habe geahnt, dass es wegen dem fehlenden Pfandbrief allenfalls nicht gut kommt, mich aber zu wenig dezidiert für einen Rückzug des Geschäfts eingesetzt.»

Auch gesellschaftlich waren es zwei gute Jahre für Ariane Gregor: «Ich durfte die Gemeinde Wohlen an verschiedenen Anlässen repräsentieren und ich habe es genossen.» Gelegentlich, gibt sie zu, hätten ihr allerdings auch etwas die Knie geschlottert: «Eine ganz tolle Erfahrung war mein erster Auftritt am Examenessen. Vor meinen Lehrerkolleginnen und -kollegen eine Rede halten zu dürfen, war allerdings nicht ganz ohne.»

Sie habe bei ihren Ansprachen immer versucht, die Leute möglichst gut abzuholen, und sie habe sich gefreut, wenn es ihr gelungen sei: «Kurz, klar und prägnant sprechen und keine hohlen Phrasen dreschen – das war mein Prinzip und das hat meistens Anklang gefunden.»

Ariane Gregor hat viel Zeit in ihr Amt investiert. Wo musste sie privat zurückstecken: «Die Pflege meiner Freundschaften ist sicher etwas zu kurz gekommen, dafür wurde das Unkraut im Garten länger», scherzt die scheidende Einwohnerratspräsidentin. Trotz der zeitweise hohen zeitlichen und in den vergangenen Monaten auch etwa psychischen Belastung dürfe sie jedoch eine positive Bilanz ziehen.

Obwohl sie das Amt sehr gerne gemacht habe, geniesse sie es jetzt, wieder Zeit für Anderes zu haben. Etwa für das Studium der Graphologie, welches sie begonnen hat. Und die Politik? «Da mach ich jetzt erst mal Pause. Aber gelegentlich Gemeinderätin in Wohlen zu werden, ist für mich nach wie vor eine Option.»

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