Das neue Angebot der SBB liess vor Jahresfrist manch eine Fricktaler Gemeinde aufhorchen: Die SBB lancierten im September 2017 eine Spartageskarte. Je früher man zugreift, desto tiefer ist der Preis – im günstigsten Fall kostet die Tageskarte nur 29 Franken. Mit diesem Preis können die Gemeinden mit ihren SBB-Tageskarten nicht mithalten; um eine Kostendeckung zumindest annähernd zu erreichen, müssen sie die Karten für rund 40 Franken verkaufen. Die bange Frage lautete deshalb: Hat das neue Angebot der SBB Auswirkungen auf das Angebot der Gemeinde? Sinkt die Auslastung nun rapide?

Eine Umfrage der AZ unter den 27 Fricktaler Gemeinden, die SBB-Tageskarten anbieten, zeigt nun: Die Auslastung ist kaum zurückgegangen. In Rheinfelden beispielsweise betrug die Auslastung im letzten Jahr 92,49 Prozent; in diesem Jahr wurden bis Ende September 95,15 Prozent der Tageskarten verkauft. Ähnlich das Bild in Gipf-Oberfrick. Im letzten Jahr fanden 90,8 Prozent der Tageskarten einen Zugfahrer, bis Ende September waren es 93,9 Prozent. Eine Einschränkung macht Gemeindeschreiber Urs Treier: Die Auslastung im Oktober und November sei tendenziell jedoch niedriger.

Eine ähnliche Erfahrung macht man in Zeiningen. «Die Sommermonate laufen im Normalfall besser als die Wintermonate», sagt Gemeindeschreiberin Sheena Heinz. «Während den Sommermonaten oder an Feiertagen sind die Tageskarten praktisch immer ausgelastet», bestätigt Ivan Brigante, stellvertretender Gemeindeschreiber in Laufenburg, und Michael Widmer, Gemeindeschreiber in Frick, verdeutlicht, was eine Auslastung von 95,1 Prozent in Tageskarten heisst: «Per Ende September gab es lediglich 36 nicht verkaufte Tageskarten.»

Da das Geschäft mit den Karten gut läuft, wollen alle Fricktaler Gemeinden das Angebot beibehalten – und das bei gleichbleibenden Preisen (siehe Tabelle). Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die SBB den Einstandspreis nicht erhöhen. Eine Preiserhöhung werde allenfalls ein Thema, wenn die SBB den Bezugspreis erhöhe, sagt Sascha Roth, Gemeindeschreiber in Stein.

Diese Fricktaler Gemeinden bieten SBB-Tageskarten an

350 müssen verkauft werden

Der Bezugspreis für die Gemeinden beträgt aktuell 14 000 Franken pro Set. Verkauft eine Gemeinde die Tageskarte für 40 Franken, muss sie also 350 abgesetzten, um die Kosten zu decken. Das entspricht 95,9 Prozent der Karten. Diesen Wert erreichen viele Gemeinden nicht. Sie legen also für die Tageskarten drauf. Und selbst wenn sie die Bezugskosten decken, sind die effektiven Kosten dennoch höher, denn es fallen noch administrative Kosten für das Verarbeiten der Bestellungen und die Ausgabe der Tageskarten an. «Es bleibt ein kleines Defizit», sagt Gianni Profico, Gemeindeschreiber in Zeihen. Zeihen bietet die beiden Tageskarten zusammen mit Bözen, Effingen, Elfingen, Hornussen und Herznach an. Hier belief sich der Fehlbetrag laut Profico im letzten Jahr auf 830 Franken. Dieses Defizit sehe der Gemeinderat «als kleiner Beitrag zur Förderung des öffentlichen Verkehrs».

Diese Förderung soll eine Gemeinde, so will es die SBB, nur den eigenen Einwohnern bieten. Dass trotzdem alle Gemeinden die Tageskarten auch an Auswärtige verkaufen, liegt an der Ausnahmeregelung, welche die SBB in den Bezugsbedingungen gleich selber vornehmen. Die Tageskarte Gemeinde dürfe nur an in der Gemeinde wohnhafte Einwohner abgegeben werden», heisst es in den Geschäftsbedingungen. Ausgenommen von dieser Einschränkung seien Einwohner kleiner Gemeinden (bis 2000 Einwohner), welche die Tageskarte der nächstgelegenen Gemeinde beziehen dürfen.

Allerdings schränken 11 der 27 Gemeinden dieses Bezugsrecht für Auswärtige ein. So können Auswärtige beispielsweise in Münchwilen die Tageskarte erst 21 Tage vor dem Reisetag beziehen, in Kaiseraugst sogar nur drei Tage. Vorsprechen am Schalter muss man dabei in 21 der 27 Gemeinden nicht zwingend: Die Mehrheit der Kommunen verschickt die Tageskarten auch per Post – nach Vorauszahlung und mit einer Versandgebühr von bis zu zehn Franken.

Auf Schnäppchenjagd

Diese Möglichkeit nützt all jenen nichts, die auf Schnäppchenjagd sind. Denn wie die SBB bieten auch 14 der 27 Gemeinden ein Sparangebot an. In den Gemeinden funktioniert es allerdings gerade umgekehrt. Nicht wer früh bucht, erhält einen billigeren Preis, sondern wer die Tageskarte erst am Vortag kauft. Dann kosten die Karten noch zwischen 20 und 27 Franken. Das Risiko, dass man leer ausgeht, weil alle Karten schon weg sind, ist so allerdings hoch, verkaufen doch die Fricktaler Gemeinden im Schnitt fast 90 Prozent der Karten.

Hat man Glück und holt die Karten am Schalter ab, so muss man nur noch in elf Gemeinden zwingend Bargeld dabei haben. Die übrigen Gemeinden akzeptieren EC und Postcard, zum Teil auch Kreditkarten oder Twint.