Im ehemaligen «Meierhof» wird nur noch gewohnt, der «Adler» ist zu, die Dorfläden sind bis auf einen schon lange verschwunden und auch die Post gibt es nicht mehr. Bleibt noch die Kirche, vor der man in Tägerig unter Tägligern nach dem Gottesdienst allenfalls noch ein bisschen über die alten Zeiten plaudern kann.

Wer nicht in die Kirche geht, hat Pech gehabt: «Ich bin nur noch selten im Dorf, man trifft ja kaum mehr jemanden», sagt mit Kurt Oldani einer, der früher oft «auf der Gasse» beim «Gschpröchle» anzutreffen war.

«Du weisch no cheibe vell»

Dabei hat er nicht nur politisiert, sondern vor allem auch viel über das Dorf und seine Geschichte erfahren. «Wenn ich im Dorf mit jemandem ins Gespräch komme und wir über alte Zeiten reden, dann heisst es meistens: «Du weisch no cheibe vell. Irgendwann kam mir die Idee, das aufzuschreiben, was ich weiss. Einfach so, ohne literarische Ambitionen und Anspruch auf Vollständigkeit.»

Vor zwei Jahren hat er sich hingesetzt und ein Konzept gemacht. Dieses Jahr war er eine Woche alleine mit dem Wohnmobil unterwegs: «Das war ein Geschenk meiner Frau. Weil es dauernd geregnet hat, kam ich zum Schreiben. Voilà, jetzt ist das Büchlein da», schmunzelt der 71-jährige.

Wenn man da noch von Büchlein sprechen kann – das Werk ist 152 Seiten stark, mit historischen Fotos schön illustriert und in einem sehr flüssigen Stil geschrieben.

Jahrzehnte quer durch Tägerig

«Jetzt, wot’s seisch . . .» – als Buchtitel bedient sich der Autor eines geflügelten Ausdrucks und plaudert sich dann ein paar Jahrzehnte quer durch Tägerig. Hoch anzurechnen ist Kurt Oldani, dass er selber darin gar nicht vorkommt. Als ehemaliger Gemeindeammann, langjähriger Grossrat und Grossratspräsident in der Amtsperiode 1991/92 wäre es für ihn ein Leichtes gewesen, seine Person auf den Schild zu stellen.

Doch das Büchlein ist nicht einmal am Rand eine Hymne auf seine eindrückliche politische Laufbahn. Es ist eine Liebeserklärung an Tägerig, an das Dorf, wo er aufgewachsen ist und bis heute lebt.

«Land und Leute bedeuten Heimat. Menschen kommen und gehen. Viele aber hinterlassen ihre Spuren, sodass man sich über Jahrzehnte noch an ihr Dasein erinnert», schreibt alt Gemeindeammann Ernst Meier in seinem Grusswort.

De Pfarrer ond de Töff Noldi

Die verschiedenen, von Oldani porträtierten Dorforiginale sind es denn auch, die dem Werk eine ganz besondere Würze verleihen und es auch für Leserinnen und Leser interessant machen, die sich ansonsten nicht so sehr für das interessieren, was in den Tägerig in den 40er-, 50er- und 60er-Jahren passiert ist oder was damals noch alles war und es heute nicht mehr gibt.

Das Kapitel über die Tägliger Menschen hat Oldani in Mundart geschrieben und im Aufsatz über Pfarrer Kuhn zwei Geheimnisse verraten. Zum einen, dass er die Sünden der Jugendzeit regelmässig mit drei Vaterunser gesühnt hat, und, dass er Pfarrer Kuhn durchs Beichtgitter jeweils Vorschläge für die Singmesse und die Lesung machen durfte.

Sehr beeindruckt haben den jungen Oldani seinerzeit offenbar auch der Töff Noldi und seine Elsi. Elsi, weil sie gerne mit Leuten beim Kaffee plauderte und de Noldi, weil er auf dem Heimweg von der Werkstatt mit seinem Seitenwagen-Töff so elegant um die Kurven driftete.

«Jetzt, wot’s seisch», Auflage 250 Exemplare, erhältlich: fam.oldani@gmail.com oder 056 491 10 13.