Das Innerschweizer Raclette, das zum gemütlichen Ausklang der Gemeindeammännerversammlung am Dienstagabend auf der Traktandenliste stand, mussten sie sich erst einmal verdienen.

19 Ammänner und ein stellvertretender Gemeinderat waren aus dem ganzen Bezirk Bremgarten nach Hilfikon gekommen, um sich über aktuelle Geschehnisse in der Lokal- und Regionalpolitik auszutauschen. Zum Auftakt erhielten sie eine geballte Ladung an Informationen von Yvonne Reichlin, Leiterin der Gemeindeabteilung im Departement Volkswirtschaft und Inneres. Im Eiltempo präsentierte die Expertin in Sachen Gemeindeverbände ihr Thema: «Selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt: Neue Rechtsform zur Ausgliederung von kommunalen Aufgaben». Eine zukunftsweisende Form der interkommunalen Zusammenarbeit, und ein Thema, das noch viel zu reden geben wird, wenn die Teilrevision des Gemeindegesetzes am 1. Januar 2019 in Kraft tritt.

«Fragwürdige Entscheide»

Kräftig treten durften die Versammlungsteilnehmer auch gleich im Anschluss. Gastgeber Ueli Lütolf, Gemeindeammann von Villmergen, führte seine Amtskollegen auf den Lindenhof, wo Familie Schultheiss ihre Pferdezucht betreibt. Die elf Quarter und Paint Horses haben auf dem Gelände viel Freiraum. Den Stuten steht eine eigene Wurfbox zur Verfügung, und wenn es regnet, können sich die Tiere in einen grossen Unterstand zurückziehen.

Beide Gebäude waren aus Holz gebaut. Der Zahn der Zeit und die Zähne der Pferde haben der Substanz aber so sehr zugesetzt, dass eine Sanierung notwendig wurde. Um etwas Dauerhafteres und weniger Gefährliches einzurichten, wollten Schultheiss’ die Holzbauten durch Mauerwerk ersetzen. Bei der Wurfbox ist ihnen das gelungen. Als sie den Unterstand auch entsprechend sanieren wollten, kam die Einsprache, welche die Fachleute vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt auf den Plan rief.

Die Gemeindeverwaltung unterstützt zwar das Vorhaben auf dem Lindenhof, kommt aber nicht gegen Kantons- oder gar Bundesgesetz an. Vor Ort erzählte Gutsbesitzer Daniel Schultheiss Einzelheiten. Im alten Gemeindesaal wurde der Fall weiter diskutiert und beschlossen, dass weitere Fälle von «fragwürdigen baurechtlichen Entscheiden des BVU» aus den Gemeinden gesammelt und dann als Diskussionsgrundlage der kantonalen Verwaltung vorgelegt werden sollen.

Mangelhafte Information

Die restlichen Traktanden waren schnell erledigt. Gemeinderat Matthias Fricker aus Sarmenstorf wird Marco Lüthi in der Stifterversammlung des Spitals Muri ersetzen. Zu den laufenden Anhörungen hielt Raymond Tellenbach, Präsident der Gemeindeammännervereinigung, fest, dass die Kostenteilung der Führungsstrukturen Aargauer Volksschulen absolut nicht zu akzeptieren sei. Ansonsten aber sei die Vorlage angenommen.

Niederwils Gemeindeammann, Walter Koch, erinnerte seine Kollegen daran, dass Abgeordnete in Verbandsvorständen das Volk und den Gemeinderat im jeweiligen Gremium zu vertreten hätten und nicht ihre eigene Meinung. Christian Baumann, Zufikon, ergänzte, dass von gewissen Abgeordneten noch nicht einmal die Meinung des Gemeinderates eingeholt werde. Im Weiteren bemängelte Baumann die Kommunikation des Vorstands des Kinder- und Erwachsenenschutzdienstes im Fall Ignaz Heim (AZ vom 6. und 7. November). «Die am KESD beteiligten Gemeinden erwarten mehr Informationen als blosse Floskeln. Stillschweigen schafft nur wilde Spekulationen», so Baumann an die Adresse von KESD-Vorstandspräsident Arsène Perroud.