«Es kann doch nicht sein, dass Mietobjekte für ein Trinkgeld verscherbelt werden», sagt Christian Lanz von der Wohler SVP seit Jahren. Jetzt hat er eine Motion eingereicht und will damit dem Gemeinderat Beine machen, in dieser Richtung endlich etwas zu unternehmen. Das dürfte allerdings nicht so einfach sein.

Jahrelang vernachlässigt

Wohlen hat den Unterhalt vieler seiner gemeindeeigenen Liegenschaften über Jahrzehnte hinweg sträflich vernachlässigt. Das ist eine Tatsache. Die Schuld daran allein dem Gemeinderat in die Schuhe schieben zu wollen, wäre allerdings unfair.

Der teilweise marode Zustand einiger Gebäude ist eine Folge verfehlter Finanzpolitik. Der Steuerfuss wurde lange Zeit tiefer gehalten, als man sich das hätte leisten können. Dafür musste an allen Ecken und Enden gespart werden. Für den Unterhalt von Liegenschaften war kaum Geld vorhanden.

So gibt es in Wohlen mehrere alte Häuser, die entweder längst hätten saniert oder dann sogar abgerissen werden müssen. Einige dieser Liegenschaften sind noch vermietet. Wohl nicht zuletzt wegen dem schlechten Gewissen des Gemeinderates meist zu Spottpreisen.

Seit Jahren ein Thema

Das ist seit Jahren ein Thema. Im November 2012 startete Christian Lanz dazu eine Anfrage. Über ein halbes Jahr später bekam er Antwort. Allerdings befriedigte ihn diese nicht. «Der Gemeinderat ist den meisten meiner Fragen zu Mietpreisen, Zustand und Plänen mit den jeweiligen Liegenschaften ausgewichen», sagt Lanz.

Jetzt ziehen er und die SVP mit einer Motion nach. Sie fordern: «Sämtliche gemeindeeigenen Mietobjekte (gemäss vorliegendem Mieterspiegel) müssen mit marktüblichen Mietverträgen bewirtschaftet werden. Die Miet- sowie die Pachtzinsen sind branchenüblich anzusetzen sowie jährlich indexgebunden neu anzupassen.»

Autoabstellplätze werden verschenkt

«Mir ist klar, dass damit nicht das grosse Geld zu holen ist», sagt Christian Lanz. «Aber», fügt er als Mitglied der Finanzkommission hinzu, «Kleinvieh macht auch Mist und wir können in Wohlen angesichts der aktuellen Finanzlage jeden Franken gebrauchen.»

Er bringt auch Beispiele: «Die IBW-Scheune ist seit Jahren für den symbolischen Preis von 30 Franken pro Monat vermietet, Strom und Wasser inklusive. Für zwei Ausstellungsräume in der Altliegenschaft ‹Geissmannhaus› verlangt die Gemeinde 258 Franken pro Monat, die Schaufensterbeleuchtung brennt auf Kosten der Gemeinde rund um die Uhr. Autoabstellplätze auf dem IBW-Plätzli werden verschenkt, Schulhausabwarte bezahlen weniger als die Hälfte eines marktüblichen Mietzinses. Das alles muss doch einmal seriös überprüft werden», findet der Einwohnerrat.

Daneben hofft Christian Lanz auch darauf, dass aufgrund seiner Motion das Thema «Gemeindeliegenschaften» endlich grundsätzlich angepackt wird: «Wir können unsere Häuser nicht einfach immer weiter verlottern lassen. Wir müssen dieses Thema endlich von Grund auf diskutieren und Lösungen suchen.»