Steuerfuss 50 Prozent

Geltwil ist nicht Geldwil: 19 Dinge, die Sie über das Aargauer Steuerparadies wissen müssen

Geltwil sorgt mit seiner geplanten Senkung des Steuerfusses auf 50 Prozent für Aufsehen. Erfahren Sie hier 19 interessante Fakten über die Freiämter Gemeinde am Lindenberg.

Der heutige Steuerfuss von 75 Prozent in Geltwil soll auf 50 Prozent gesenkt werden. Das beantragt der Gemeinderat der Einwohnergemeindeversammlung am 19. November. Das macht die kleinste Freiämter Gemeinde zum Steuerparadies. Doch das ist nicht alles, was Geltwil zu bieten hat.

1) 220 Einwohnerinnen und Einwohner, 85 Haushalte

Heute zählt Geltwil rund 220 Einwohnerinnen und Einwohner, davon 30 Ausländer. Sie wohnen in 85 Haushalten. Auf eine ähnliche Anzahl kam die Gemeinde nur 1844 mit 215 Personen. Bis 2004 pendelte die Einwohnerzahl um 150 herum, ab 2006 waren es jeweils mindestens 180.

2) Ländlich und mit Fernsicht in die Zentralschweiz

Geltwil liegt auf 681 Meter über Meer. Die Gemeindefläche beträgt 328 ha, davon sind 280 ha Acker und Wiese. Der Blick geht vom Mutschellen bis zur Alpenkette mit der Rigi.

Aussicht vom neuen Geltwiler Quartier Reusstalblick auf den Zugersee und die Alpenkette.

Aussicht vom neuen Geltwiler Quartier Reusstalblick auf den Zugersee und die Alpenkette.

3) Wappen mit Gelte und einer Münze

Die Gemeindefarben sind rot-gelb. Das Wappen mit der Münze und der Gelte ist nicht historisch, sondern stammt von 1955 und bekommt mit der Steuerfusssenkung eine besondere Bedeutung. Aus Geltwil wird deswegen trotzdem nicht Geldwil.

4) Logo mit zwei Punkten in rot und gelb

Das Logo der Gemeinde, welches 2008 eingeführt wurde, symbolisiert mit den zwei Punkten in rot und gelb die beiden Dorfteile Geltwil und Isenbergschwil. Der Slogan lautet «E Gmeind mit Läbe». Allerdings fährt der letzte Bus am Abend um 20 Uhr. Und am Sonntag gar nicht.

5) Seit 2004 mit öffentlichem Verkehr

Seit Dezember 2004 ist Geltwil an den öffentlichen Verkehr angeschlossen, indem die Buslinie 653.55 Muri - Buttwil bis nach Geltwil verlängert wurde. Der Bus dient in erster Linie auch als Schulbus.

6) Schulbesuch in Buttwil und Muri

Seit der Aufhebung der eigenen Gesamtschule besuchen die Kinder aus Geltwil den Kindergarten und die Primarschule in der Nachbargemeinde Buttwil. Die Oberstufe wird in Muri besucht. Die Kosten für das Busabonnement übernimmt die Einwohnergemeinde Geltwil.

7) Viel Photovoltaik, viele Sanierungen

Geltwil weist, dank der Förderung durch die Stiftung Dr. Franz Käppeli, eine überdurchschnittliche Anzahl Photovoltaikanlagen und energetische Haussanierungen auf. Franz Käppeli wurde dafür das Ehrenbürgerrecht verliehen.

Die Photovoltaikanlage auf dem früheren Schulhaus Geltwil. Das Foto stammt aus dem Jahr 2012.

Die Photovoltaikanlage auf dem früheren Schulhaus Geltwil. Das Foto stammt aus dem Jahr 2012.

8) Überdurchschnittliches Interesse

Die Beteiligung an Gemeindeversammlungen, Wahlen und Abstimmungen gehören im Bezirk Muri zu den höchsten. Beschlüsse an der Gemeindeversammlung werden in aller Regel definitiv gefasst.

9) Eigenständige Gemeindekanzlei

Die Kleingemeinde führt eine eigenständige Gemeindekanzlei mit Gemeindeschreiberin Susanne Zemp und Finanzverwalterin Gaby Vollenweider. 2002 wurde die bis dahin eigenständige Feuerwehr mit der Stützpunktfeuerwehr Muri fusioniert. Die Stromversorgung läuft über die Elektragenossenschaft Geltwil.

10) Immer genügend Leute für die Ämter

Interessanterweise finden sich immer wieder Einwohnerinnen und Einwohner, um die verschiedenen Ämter – von Gemeinderat bis zur Steuerkommission – zu bekleiden.

11) Jüngster Gemeindemann lebt in Isenbergschwil

Felix Enzler, Landwirt und Schreiner in Isenbergschwil, war bei seiner Wahl 2017 zum Gemeindeammann 32-jährig und damit der jüngste Freiämter Gemeindeammann.

12) Beliebt und bekannt bei Ausflüglern

Das Dorfrestaurant Strebel ist auch ein beliebtes Ausflugsrestaurant, weit über die Region hinaus bekannt. An schönen Tagen kann Wirtin Cornelia Stähli vieler Biker und Wanderer bedienen.

13) Kaninchenfleisch kommt aus Isenbergschwil

Wer Schweizer Kaninchenfleisch will, denkt an Felix und Rosmarie Näf. Sie haben in Isenbergschwil die Kani Swiss GmbH aufgebaut und 2010 den Hermann Herzer-Preis für aussergewöhnliche Leistungen bei der Haltung und Vermarktung von Mastkaninchen erhalten.

Rosmarie und Felix Näf, Geltwil, produzieren Kaninchenfleisch für den Schweizer Markt.

Rosmarie und Felix Näf, Geltwil, produzieren Kaninchenfleisch für den Schweizer Markt.

14) Zwei Gemeindeteile, ein Dorf

Geltwil und der frühere Weiler Isenbergschwil wurden am 26. Juni 1816 durch einen Staatserlass zu einem Dorf zusammengeführt. Das war anfänglich nur eine «Vernunftsehe». Zwischen 1830 und 1833 kämpften beide Teildörfer verbissen um den Standort des Schulhauses. Es wurde ziemlich genau in der Mitte gebaut. Noch heute gibt es ein eigenständiges Selbstbewusstsein der Isenbergschwilerinnen und Isenbergschwiler.

15) Kriegerisches Gefecht in Geltwil

In Geltwil kam es am 12. November 1847 zu einem Gefecht. Männer von Oberst Elgger, Führer der Sonderbundstruppen, trafen bei der Kapelle auf ein Detachement der Tagsatzungstruppen. Es wurde auf kurze Distanz mit aufgepflanztem Bajonett gekämpft.

16) Einzigartiges Privatmuseum

Das Käppeli-Haus in Isenbergschwil steht unter eidgenössischem Denkmalschutz. Der heutige Besitzer, Franz Käppeli, hat es 1982/83 komplett restaurieren lassen. Es ist ein einzigartiges Privatmuseum, das Freiämter Geschichte erzählt.

17) Denkmal aus der Zeit des Sonderbundes

Das Denkmal, das nahe der Kantonsstrasse steht, befand sich ursprünglich auf dem Friedhof Muri, erstellt für sechs im Sonderbundskrieg bei Gisikon gefallene Soldaten.

18) Geltwiler hatten einmal ihre eigene Zeit

1941, als die Schweiz unter dem Druck der Achsenmächte die Sommerzeit einführen musste, weigerte sich das Dorf einstimmig, mitzumachen. So gab es in Geltwil neben der offiziellen Schweizer Zeit auch die Geltwiler Zeit. Martin Strebel, der damalige Wirt im Restaurant Strebel, machte eine zweite Uhr an die Wand an und wirtete nur nach Geltwiler Zeit.

19) Eigenes Buch über die Gemeinde

2012 erschien im Zusammenhang mit der Renovierung und Vergrösserung des Schulhauses ein Buch über die Gemeinde heraus. Es kann auf der Gemeindekanzlei bezogen werden und trägt den Titel «Geltwil ist anders».

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Autor

Eddy Schambron

Eddy Schambron

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