Der Badener Architekt Dolf Schnebli, später Professor an der ETH Zürich und Lehrer der heute weltberühmten Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron, legte sein Gartenbad in Wohlen in eine hügelige Landschaft, die den Badegästen einen ungeahnt weiten Blick bieten sollte. Architekturfachleute rühmen an der Anlage die originelle Handschrift Schneblis. Das Freibad wurde bisher immer nur sanft saniert und konnte deshalb als einziges Schwimmbad der Nachkriegsmoderne in der Schweiz weitgehend im Originalzustand erhalten werden, so wie es Schnebli vor 50 Jahren plante. Spätere Sanierer werden darauf Rücksicht nehmen müssen. Eine Vorlage, das Schwimmbad zu modernisieren, ist in der Pipeline.

Neben dem Freibad baute Schnebli in der gleichen Zeit in Wohlen auch ein hochmodernes Schulhaus, das Primarschulhaus Bünzmatt. Es kam völlig anders daher als alle anderen Schulhäuser: nicht so streng und konventionell, wie man es sich bisher gewohnt war.

Schnebli lockerte die einzelnen Baukörper raffiniert im Pavillonstil auf. Innen ist das Schulhaus noch im Originalzustand, aussen jedoch nicht. Da die Betonverkleidung abblätterte und die Eisenarmierung durchzurosten begann, musste es mit einer Metallfassade ummantelt werden, was Schnebli seinerzeit arg verstimmt haben soll. Als Architekturdenkmal der Neuzeit hat Schneblis Bünzmattschulhaus dennoch seinen Wert behalten, steht aber nun, weil die vom Architekten ausgedachte Betonfassade nicht mehr sichtbar ist, nicht auf der Liste der geschützten Häuser in Wohlen.

Zeitzeugen der Strohindustrie

In einem Ortsbild, das nach dem Inventar der Schützenswerten Ortschaften der Schweiz (ISOS) von regionaler Bedeutung ist, schafften es vor allem die Zeitzeugen der Strohindustrie auf die Liste der kommunalen Schutzobjekte: Fabrikanlagen und ehemalige Wohnhäuser der Strohfabrikantenfamilien. Das Manufakturgebäude und das Verwaltungsgebäude der Firma Jacob Isler & Co. AG, der frühere Verwaltungssitz der Firma Georges Meyer & Co. AG und das Wohnhaus Geissmann an der Bremgarterstrasse, in dem sich ein Tuch- und Garngeschäft befand, geniessen sogar den Schutz des Kantons Aargau.

Eine Vielfalt von Häusern soll unter kommunalen Substanzschutz gestellt werden, sodass sie zeitgemäss erneuert, ergänzt und um Anbauten erweitert werden können. Mit diesem Angebot will es der Gemeinderat den Eigentümern leichter machen, ihre Häuser nicht abzubrechen, sondern als Zeugen der Vergangenheit in die Zukunft zu führen. Vereinzelt ist der Widerstand gegen den Ortsbildschutz schon vor ein paar Jahren aufgebrochen. So wandte sich der Wohler Rechtsanwalt und frühere Vizeammann Harold Külling gegen ein «völlig untaugliches Konzept» und gegen massive Einschränkungen des Eigentumsrechts seiner Mandanten (az vom 11. März 2011).

Häuser, Brunnen und Wegkreuze

Konsens dürfte hingegen darüber bestehen, das Wohn- und Geschäftshaus Capitol an der Bahnhofstrasse, die reformierte Kirche, das Restaurant Weber (den «Chäber»), das Wietlisbachhaus, den alten Teil des Bezirksschulhauses und das Schulhaus Anglikon, die ursprünglichen Teile von den Restaurants Sternen und Rössli, das Bahnhofgebäude, das Domherr-Meyer-Haus am Chilegässli oder das Hotel Bären vor dem Abbruchhammer zu retten. Auf der Artenschutzliste stehen auch sechs Wegkreuze und zahlreiche öffentliche Brunnenanlagen. Zu guter Letzt soll auch die Wetterstation auf dem Kirchplatz bei der Gemeindebibliothek erhalten werden.