Niederwil

Gegenangebot für «Geere» kam zu spät – Weg für Taracell AG ist jetzt frei

Die Umzonung des Gebiets «Geere» ist beschlossen. Jetzt bleiben der Taracell AG fünf Jahre, um ihr Baugesuch für die 18'541 m2 einzureichen.

Die Umzonung des Gebiets «Geere» ist beschlossen. Jetzt bleiben der Taracell AG fünf Jahre, um ihr Baugesuch für die 18'541 m2 einzureichen.

Gemeindeversammlung sagt knapp Ja zur Umzonung des Gebiets. 71 der 154 Anwesenden stimmten dafür und 57 dagegen.

Von 1889 Stimmberechtigten waren 154 anwesend, 71 stimmten für die Umzonung der «Geere», 57 waren dagegen. Die Teiländerung des Bauzonenplans und der Bau- und Nutzungsordnung «Geere» war denn auch das meistdiskutierte Traktandum der Einwohnergemeindeversammlung von Niederwil am vergangenen Dienstagabend. Dass «stark störende Betriebe» in der Arbeitszone 2 zugelassen sind, störte die Einsprecher gegen Traktandum 7 gewaltig.

Als der 1,85 Hektaren grosse Landwirtschaftsstreifen entlang der Landstrasse zwischen Kreisel Niederwil und Dorfeinfahrt Nesselnbach 2008 als Arbeitszone 1 eingezont wurde, war niemand in Niederwil dagegen. Die Erweiterung der Gewerbezone, unterhalb der schon bestehenden Anlagen von Mäder AG sowie Huwiler + Portmann AG, leuchtete ein. Zusätzliche Arbeitsplätze und Steuereinnahmen waren zu erwarten. Auch als der Gemeinderat den Stimmbürgern von Niederwil an der Sommergemeinde 2016 den Vorvertrag mit der Firma Taracell AG zum Erwerb des ganzen Areals, zwecks Gesamtüberbauung, vorlegte, stimmten 122 zu, und nur 2 waren dagegen.

Argumente gegen Umzonung

Die Taracell AG hat vor, ihren Hauptsitz von Künten nach Niederwil zu verlegen. Sie will in der «Geere» ein Büro- und Produktionsgebäude mit Hochregallager bauen. Die Firma ist spezialisiert auf die Neuentwicklung und die prozessgesteuerte Produktion von technischen Formteilen und Transportverpackungen aus Kunststoffschaum. Gemeindeammann Walter Koch betonte am Dienstagabend nochmals, dass dieser Firmenzuzug 130 Arbeitsplätze und steuerliche Mehreinnahmen für Niederwil bringe. Um das Bauvorhaben der Taracell AG umsetzen zu können, ist die Umzonung der Parzelle von Arbeitszone 1 auf Arbeitszone 2 allerdings unabdingbare Voraussetzung.

Gegen die Umzonung und das Bauprojekt der international tätigen Firma aus Künten wurden dann doch einige Argumente vorgebracht. Die Gegner, allen voran Toni Rohrer aus Nesselnbach, bemängelten die Ausmasse der ganzen Anlage, die mit 15 (Firsthöhe) respektive 20 (Hochregallager) Metern alle anderen Gebäude der Region überrage. «Der 175 Meter lange Klotz passt nicht ins Ortsbild», monierte Rohrer. Im Weiteren sei mit einer Erhöhung des Lärmpegels von 60 auf 65 Dezibel zu rechnen. Er und seine Mitstreiter glauben auch nicht, dass das zu erwartende, erhöhte Verkehrsaufkommen in der «Geere» von rund 20 Prozent «gut bewältigt werden kann», wie es in den Erläuterungen des Gemeinderates steht. Auf der ganzen Fläche nur eine einzige Firma anzusiedeln, deren Vertreter sich zudem noch nie an einer Gemeindeversammlung gezeigt hätten, stelle ein hohes Klumpenrisiko dar, sagen die Gegner.

Vorwurf gegen Gemeinderat

Auch am Dienstag war kein Vertreter der Taracell AG an der Versammlung zugegen. So blieben denn die Mutmassungen Rohrers, das Geschäftsgebaren der Firma betreffend, unerwidert. Gemeindeammann Koch konnte nur betonen, dass die bisherige Zusammenarbeit eine durchweg partnerschaftliche und korrekte gewesen sei. Rohrer zeigte sich nach der Abstimmung enttäuscht. Er unterstellt dem Gemeinderat, dem Stimmbürger wichtige Informationen vorenthalten zu haben: «Am Vormittag der Gemeindeversammlung haben die Firmen Hubschmid AG und Energie Recycling AG von Nesselnbach dem Gemeinderat eine Absichtserklärung übergeben, wonach sie der Gemeinde für einen Zonenabtausch ‹Geere› gegen den Spickel ‹Schällewärch›, in Richtung Tägerig, 4,8 Millionen bezahlt hätten, falls die Umzonung abgelehnt würde. Das entspricht genau dem mit der Taracell vereinbarten Verkaufspreis.» Hans Hubschmid bestätigte gestern diese Aussagen, erklärte aber, dass ihm die Kurzfristigkeit des Antrags bewusst gewesen sei und er nicht gegen einen demokratisch gefällten Entscheid vorgehen wolle.

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Autor

Christian Breitschmid

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