An der Kantonsstrasse 124, zwischen dem Farnkreisel und der Basch-Tankstelle, herrscht gleich doppelt Handlungsbedarf. Bei einem hundertjährlichen Hochwasser könnte der eingedolte Büttikerbach einen Höchststand von 2,2 Kubikmeter Wasser nicht mehr abführen, sodass das gesamte Gebiet östlich der Strasse unter Wasser stände. Ausserdem werden an derselben Stelle die Lärmhöchstwerte so deutlich überschritten, dass die Anwohner ein Recht darauf haben, vor diesem Strassenlärm geschützt zu werden (siehe Box). «Weil die Projekte denselben Strassenabschnitt betreffen, wollen wir Synergien nutzen, indem wir die Projekte zusammenlegen», erklärte Christoph Ammann, der den Kanton in Sachen Lärmschutz fachlich unterstützt.

«Vom Gesetz her vorgegeben»

Was bei den Anwohnern und Grundbesitzern – insbesondere einigen Landwirten – sauer aufstösst, ist die Offenlegung des Büttikerbachs. Denn dafür braucht der Kanton Teile ihres Landes: Insgesamt betragen Bachbett, Böschung und der 6 Meter breite Pufferstreifen, auf dem keine Pflanzenschutzmittel und Ähnliches verwendet werden dürfen, 3670 Quadratmeter.

Am Dienstag wurden die Grundeigentümer im Detail darüber informiert, wo der Bach künftig fliessen soll. Derzeit wird er in Röhren unter dem Gebiet Obere und Untere Farnbühlstrasse geführt. Die neuen Pläne sehen vor, dass er ab dem kantonalen Werkhof entlang der Bünztalstrasse bis zum Farnkreisel und von dort der Freiämterstrasse entlang ins Dorf zurückgeleitet werden soll. «Es ist vom Gesetz her vorgegeben, dass er so weit wie möglich offengelegt wird, und das wäre im heutigen Bachverlauf nicht möglich», erklärte Silvio Moser, Projektleiter der Abteilung Landschaft und Gewässer beim Kanton. Knackpunkt waren zwei Details: Einerseits muss der Bach um einen Hochspannungsmast herumgeleitet werden, andererseits ist eine Zufahrt zum Feld jenseits des Baches noch nicht ganz landmaschinentauglich ausgearbeitet, fanden die Bauern.

Die Experten erklärten, beim Hochspannungsmast sei keine andere Lösung möglich, als den Bach rundherum zu leiten. Das Problem mit der Zufahrt zum Land werden sie jedoch nach Aarau tragen, um es zu lösen, versprachen sie. Dennoch waren einige der Landbesitzer mit dem Projekt ganz und gar nicht zufrieden. Der Wohler Leiter Tiefbau, Christoph Meyer, blieb jedoch ruhig und schaffte es so, deeskalierend zu wirken. Insbesondere werde der Kanton erneut mit den Verantwortlichen des kantonalen Werkhofes Kontakt aufnehmen, um eine Zufahrt von dieser Seite zu überdenken, versicherten die Experten den erzürnten Landwirten. Das Projekt sei noch nicht vollständig ausgearbeitet, da sei man über solche Vorschläge froh, hielt auch Christoph Ammann fest. Total wird der Hochwasserschutz Büttikerbach 810 000 Franken kosten, was sich Wohlen (60%) und der Kanton (40%) teilen. Der Einwohnerrat Wohlen hat seinen Teil der Vorfinanzierung bereits 2015 genehmigt.

Tempo 60 geht nicht

Als neue Lärmschutzwand stellte Ammann eine Metallwand vor, die bepflanzt werden kann. «So sieht sie beidseitig schöner aus und braucht viel weniger Platz als ein Erdwall – bei gleicher Wirkung selbstverständlich.» Dies sei nötig, weil die Lärmbelastung bereits heute, bei rund 15 500 Autos täglich, zu hoch sei. Künftig rechnet der Kanton sogar mit 25 000 Fahrzeugen pro Tag.

Doch auch hier waren einzelne Landwirte nicht einverstanden: Sie schlugen vor, entweder die Höchstgeschwindigkeit auf dieser Strecke auf 60 km/h zu drosseln oder mindestens einen Flüsterbelag einzubauen. Beides haben die Experten bereits überprüft. «Für eine Tempodrosselung müssen mehrere Gegebenheiten stimmen, die wir hier schlicht nicht haben», so Ammann. Und der Belag sei erst vor wenigen Jahren erneuert worden, da gab es noch keinen Flüsterbelag für Kantonsstrassen, der sich von jenem für Autobahnen deutlich unterscheide. Und den heutigen Belag, der noch gut 20 Jahre halten sollte, zu erneuern, wäre unsinnig. Der Lärmschutz soll 840 000 Franken kosten. Da es sich um eine Kantonsstrasse handelt, wird er von Kanton (75%) und Bund (25%) berappt.

Das Doppelprojekt liegt noch bis zum 31. Mai auf. Danach beginnen allfällige Einwendungsverhandlungen und das Genehmigungsverfahren. 2017 soll der Landerwerb durchgeführt werden können, damit schon im Herbst die Bauarbeiten beginnen können. 2018 sollen dann die lärmgeschädigten Anwohner erlöst sein und der Büttikerbach wieder an der Oberfläche fliessen.