Seit fünf Jahren rollen die Autos vom Zufiker Rank über die Sädelverbindung durch den Tunnel Lieli zum nahen Autobahnanschluss Birmensdorf ZH. Der Anschluss ans nationale Autobahnnetz war für den benachbarten Kanton Aargau und die Region Bremgarten-Mutschellen eine Herausforderung sondergleichen: Was ist wie vorzukehren, damit man die sich anbahnende Verkehrslawine vernünftig bewältigen kann und die drei direkt betroffenen Gemeinden Zufikon, Berikon und Oberwil-Lieli nicht unter die Räder geraten?

Umgesetzt wurden dann bekanntlich in den drei Freiämter Gemeinden «Folgemassnahmen N20/N4» (heute: A20/A4), ein vierteiliges Bau- und Massnahmenpaket zu Gesamtkosten von 126 Mio. Franken.

Fronarbeit des Autorenteams

Die Idee, eine Dokumentation in Buchform über das grosse regionale Strassenwerk zu verfassen, kam im April 2008 auf, anlässlich der Einweihung des neuen Tunnels Lieli. 104 Seiten umfasst das jetzt in einer bereinigten Rohfassung vorliegende Buch, das in den nächsten Wochen in einer Auflage von 3000 Exemplaren gedruckt wird. Als Herausgeber des reich illustrierten Werks mit 135 Fotos sowie 50 Grafiken und Planskizzen zeichnet der Verein Kulturgeschichte Oberwil-Lieli.

In Fronarbeit, bei Gesprächen mit zahlreichen Fachleuten und beim Stöbern in mehreren Archiven hat ein fünfköpfiges Autorenteam die Texte verfasst: Edith Karpf aus Berikon, der frühere Beriker Gemeinderat Alfred Bossard, die amtierende Frau Vizeammann Ursula Gehrig aus Oberwil-Lieli, Erika Vögeli aus Oberwil-Lieli und Fritz Zingg, der ehemalige Vizeammann von Oberwil-Lieli.

«Vielfältiges, lehrreiches Hobby»

Bei Fritz Zingg liefen die Fäden des Buchs zusammen. Der 73-jährige pensionierte Elektroingenieur und frühere Vizeammann zeichnet auch für Layout und Gestaltung sowie den praktisch druckreifen Satz des Buchs zuständig. Das Recherchieren, Schreiben und Gestalten hielt Zingg während rund fünf Jahren auf Trab
– «freilich mit mehreren zeitlichen Unterbrüchen», wie er anfügt. Im Rückblick sei das Buchprojekt aber zu einem «äussert vielfältigen, auch lehrreichen Hobby mit zahlreichen Begegnungen geworden».

Dass das Buch nicht bloss technische Details abfeiert, sondern einen Bogen schlägt zu nationaler, kantonaler und kommunaler Verkehrspolitik, macht es lesenswert. Spannend sind die politischen Auseinandersetzungen und unterschiedliche Ansichten in den Dörfern und der Region zu Linienführung, Bauwerken und Varianten des Autobahn-Zubringers.

Wettlauf gegen die Zeit

Die Realisierung der Folgemassnahmen war ein zünftiger Wettlauf gegen die Zeit. So sollten, ja mussten das komplexe Umfahrungswerk beim Zufiker Rank, die Sädelverbindung, der Tunnel Lieli ( = «Überbauungslücke Nord») und wenn möglich auch die Durchfahrt Berikon vor der Eröffnung des Autobahnanschlusses in Birmensdorf fertiggestellt sein. Bevor die erste Baumaschine in Zufikon auffuhr, waren total 80 Einsprachen und 14 Beschwerden gegen die Ausführungsprojekte zu bereinigen.

Vor allem die Beschwerde gegen das geplante Lastwagenverbot auf der neuen Sädelstrasse bewirkte rote Köpfe in nationalen Gremien. Als der Kanton Aargau nachweisen konnte, dass wegen der Sädel-Steigungen von 8 bis 12% aus Sicherheits- und Komfortgründen eine vierspurige lastwagentaugliche Strassenanlage in diesem heiklen Landschaftsgebiet notwendig wäre, verstummten die Kritiker des Lastwagenverbots. Der Wettlauf gegen die Zeit wurde schliesslich mit 3:1 gewonnen. Einzig das Durchfahrtsprojekt Berikon war bei der Eröffnung in Birmensdorf noch im Bau.

Vernissage: Das Buch mit dem Titel «Folgemassnahmen in Berikon und Oberwil-Lieli» und dem Untertitel «Ein Autobahnanschluss erhitzt die Gemüter im östlichen Aargau» wird am 6.Juni in der Aula Falter in Oberwil-Lieli vorgestellt und gewürdigt. Bestandteil des Buchs, das zum bescheidenen Preis von 18 Franken erhältlich sein wird, ist eine DVD mit Hintergrundinfos zu Parlamentsdebatten, amtlichen Dokumenten und Zeitungsartikeln.