Hägglingen
Gebündelte Kraft von Primarschülern gegen Neophyten

Primarschüler entfernten am Mittwoch im Naturschutzgebiet Neophyten. Das sind Pflanzen, die dort nicht hingehören.

Verena Schmidtke
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Eine Schülerinvasion gegen invasive Neophyten in Hägglingen. Verena Schmidtke

Eine Schülerinvasion gegen invasive Neophyten in Hägglingen. Verena Schmidtke

Verena Schmidtke

Neophyten bedeuten wörtlich übersetzt «Neue Pflanzen» erklärt Gottfried Hallwyler von der Umweltkommission Hägglingen. Diese Pflanzen seien in Europa entweder absichtlich eingeführt oder versehentlich eingeschleppt worden. Problematisch sei es, so Hallwyler, wenn diese Gewächse sich hier ohne natürliche Feinde sehr schnell ausbreiten und dadurch die heimische Fauna und Flora gefährden. Das seien dann invasive Neophyten. Zudem können einige Arten wie Ambrosia und Riesen-Bärenklau für den Menschen gesundheitsgefährdend sein.

Schädliche Pflanzen kartiert

Am Mittwochvormittag half die sechste Klasse der Primarschule Hägglingen unter Anleitung von Gottfried Hallwyler im Naturschutzgebiet Rothübel, Neophyten zu beseitigen. Die Umweltkommission Hägglingen beteiligte sich am Pilotprojekt «Neobiota» des Kantons Aargau. Dieses Projekt lief von 2012 bis 2014 und hatte das Ziel, den künftigen Einsatz gegen invasive Neophyten realistisch abzuschätzen und dafür Ressourcen zu schaffen. Mittlerweile hat die Umweltkommission Neophyten wie nordamerikanische Goldrute, Drüsiges Springkraut, Japanknöterich und Einjähriges Berufskraut im Ort kartiert. Danach wurde ein Aktionsplan zur Bekämpfung erstellt. Dabei haben Naturschutzgebiete Vorrang. Am Mittwoch fand der erste Einsatz statt, und zwar im Naturschutzgebiet Rothübel.

In diesem wichtigen Amphibienstandort hatte sich die Nordamerikanische Goldrute stark ausgebreitet. «Es ist wichtig», sagt Hallwyler, «die Pflanze jetzt in den Monaten Juni und Juli vor der Blüte auszureissen.» Er hofft, dass sich der einheimische Pflanzenbestand erholt und sich einige Arten auch wieder ansiedeln, dafür seien exaktes Schaffen, Sorgfalt und Konsequenz beim Einsatz erforderlich.

Beim ersten Einsatz gegen die Neophyten hilft die sechste Klasse zusammen mit ihrem Lehrer Toni Winkler tatkräftig mit. Winkler erklärt, so ein Projekt fördere das Verständnis der Kinder für Natur und Umwelt. «Ausserdem hat man nach so einer Aktion das Gefühl, etwas geschafft zu haben», fügt der Lehrer hinzu, «und es schweisst die Klasse zusammen.» Gottfried Hallwyler ist sehr zufrieden mit seinen Helfern: «Das läuft prima.» Für weitere Einsätze sei Unterstützung von Schulklassen wertvoll, meint er. Ein öffentlicher Aufruf zur Bekämpfung der Neophyten sei für die Umweltkommission auch denkbar, erläutert Hallwyler, so würde Bewusstsein für die heimische Pflanzenwelt und ihre Probleme geschaffen.

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