Wohlen
Gallati: Dubler soll Schlüssel zum Gemeindehaus abgeben

Der suspendierte Wohler Ammann hat immer noch einen Schlüssel zum Gemeindehaus. Dies ist aus Sicht von SVP-Grossrat Jean-Pierre Gallati inakzeptabel.

Fabian Hägler
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Jean-Pierre Gallati (l.) ist besorgt die Einhaltung des Amtsgeheimnis und findet, Walter Dubler sollte die Schlüssel zum Gemeindehaus abgeben.

Jean-Pierre Gallati (l.) ist besorgt die Einhaltung des Amtsgeheimnis und findet, Walter Dubler sollte die Schlüssel zum Gemeindehaus abgeben.

Annika Bütschi/AZ

Heute trifft sich der Wohler Gemeinderat zur ersten Sitzung nach der Suspendierung von Walter Dubler. Dabei will die Behörde das weitere Vorgehen beraten, allenfalls Aufgaben neu auf die Ressorts verteilen, über eine Lohnfortzahlung für Dubler diskutieren und weitere offene Punkte besprechen.

Für diese Sitzung hat der SVP-Grossrat und Wohler Einwohnerrat Jean-Pierre Gallati dem Gemeinderat einen dringenden Antrag gestellt. Gallati verlangt, die Behörde solle Walter Dubler sofort den Schlüssel für das Gemeindehaus abnehmen. In einem E-Mail an den Gemeinderat, welches der az vorliegt, schreibt er: «Seit Samstag wird im Dorf kolportiert, dass Herr Dubler am Freitag um ca. 12 Uhr zwar sein Büro verlassen, die Schlüssel zum Gemeindehaus aber nicht abgegeben habe.» Gallati ergänzt, für ihn als Einwohner von Wohlen sei es «eine geradezu skandalöse Vorstellung, dass ein suspendierter Gemeindeammann, dem die Staatsanwaltschaft mehrere Vermögensdelikte zum Nachteil der Gemeinde vorwirft, weiterhin freien Zutritt zu den Amtsräumen hat». Er weist darauf hin, dass es im Fall Dubler um «wichtige Aspekte wie die Einhaltung des Amtsgeheimnisses und das Verwischen von Spuren» gehe.

Gemeinderat trifft Abklärungen

Auf die Forderung des SVP-Politikers angesprochen, erklärt der Wohler Vizeammann Paul Huwiler: «Walter Dubler hat vorläufig noch einen Schlüssel zum Gemeindehaus.» Dubler sei nicht abgesetzt, sondern suspendiert, deshalb werde der Gemeinderat die Schlüsselfrage juristisch abklären und danach einen Beschluss fassen. «Walter Dubler hat uns zugesichert, dass er das Gemeindehaus während dieser Abklärungen nicht betreten wird», betont Huwiler. Ob sich Gallati damit zufrieden gibt, wird sich heute Abend an der Sitzung des Wohler Einwohnerrats zeigen. In seinem E-Mail kündigt der SVP-Vertreter bereits an, wenn der Gemeinderat die Schlüssel nicht abnehme, werde er «alle demokratischen Mittel einsetzen», um seine Anträge durchzusetzen.

Nicht mehr im Vorstand

Doch der Entscheid des Regierungsrates vom vergangenen Mittwoch hat nicht nur Auswirkungen auf Wohlen. Dubler sass als Gemeindeammann in mehreren Gremien. Er präsidierte die Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Bremgarten und den Regionalplanungsverband unteres Bünztal und sass im Vorstand der kantonalen Vereinigung der Gemeindeammänner.

Aus diesem Gremium hat sich der 60-Jährige inzwischen zurückgezogen. «Nach dem Entscheid des Regierungsrats hat Walter Dubler uns informiert, dass er während der Suspendierung nicht im Vorstand dabei sein wird», sagt Renate Gautschy, die Präsidentin der aargauischen Gemeindeammänner-Vereinigung. Dubler werde für diese Zeit im Vorstand nicht ersetzt, weil es keine Stellvertreter-Regelung gebe.

Kritik am Bahn-Mandat

Derweil übt ein anderer SVP-Grossrat Kritik an Dublers Mandat als Verwaltungsrat bei der BDWM-Transport AG. Martin Keller reicht morgen Dienstag eine Interpellation dazu ein. Mit Blick auf Dublers Suspendierung hält er fest: «Der Kanton als Mehrheitsaktionär wählt die Verwaltungsrats-Mitglieder der BDWM und sollte diese auch abwählen, wenn sie keine Gewähr für eine einwandfreie Ausübung des Mandats mehr bieten.» Keller sagt auf Nachfrage, ein Politiker, der wegen möglicher Vermögensdelikte suspendiert sei, gehöre nicht in einen Verwaltungsrat. Er will unter anderem wissen, ob Dubler weiterhin sein Verwaltungsratshonorar erhält und ob der Regierungsrat eine ausserordentliche Generalversammlung plant, um ihn abzuwählen.

Schon früher gab es im Zusammenhang mit diesem Mandat Kritik an Dubler – er habe sein Honorar selber behalten, statt es der Gemeinde abzuliefern, lauteten die Vorwürfe. Ein Rechtsgutachten kam allerdings zum Schluss, dass Dubler nicht als Gemeindevertreter, sondern als Privatperson im Verwaltungsrat sitze. Keller lässt dies nicht gelten: «Herr Dubler wurde nicht in das Gremium gewählt, weil er über Fachkenntnisse im Bahnbereich verfügt, sondern weil er früher als Gemeindevertreter schon darin sass.»

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