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Für mehr Wahlbeteiligung: Gemeinden setzen auf Online-Dienst easyvote

Mit verständlichen Broschüren sollen die Jungen zum Wählen motiviert werden. Denn wer bis zu seinem 25. Lebensjahr nie abgestimmt oder gewählt hat, wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft nie tun.

Natasha Hähni
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Die jungen Stimmberechtigten in Dietwil sollen mit easyvote vermehrt an die Urne geholt werden.ZVG

Die jungen Stimmberechtigten in Dietwil sollen mit easyvote vermehrt an die Urne geholt werden.ZVG

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Nur zirka 30 % der 18- bis 25-Jährigen in er Schweiz gehen an die Urne. Das Problem haben viele Gemeinden erkannt. Allein im Aargau haben sich 38 dazu entschieden, die regulären Wahl- und Abstimmungsunterlagen mit den einfach verständlichen und neutralen Broschüren von easyvote zu ergänzen. Neuester Abonnent ist die Gemeinde Dietwil.

Neben den Heften werden die Informationen zusätzlich auf der Mobil-App und unter www.easyvote.ch zur Verfügung gestellt. Das Ziel? Langfristig 40 % der Jugendlichen dazu zu bringen, regelmässig wählen und abstimmen zu gehen.

Auf die Frage, ob dies durch E-Voting nicht schneller erreicht würde, antwortet Flavio Bundi, Programmleiter bei easyvote: «Es ist sicher ein Ansatz. Jedoch wird elektronisches Wählen und Abstimmen allein nicht den Unterschied machen. Die Jugendlichen müssen sich für die Themen interessieren, für die sie abstimmen, oder sie zumindest verstehen. Erst dann werden sie regelmässig an die Urne gehen.»

«Politik geht uns alle an»

Bundi, erklärt: «Es gibt immer wieder Themen, die dazu führen, dass es eine hohe Stimmbeteiligung von Jugendlichen gibt. Themen wie Bildungsabbau und Migration lösen bei jungen Leuten beispielsweise eine starke Betroffenheit aus. Solche Momente müssen wir nutzen, um 18- bis 25-Jährige langfristig für das Wählen und Abstimmen zu gewinnen. Politik geht uns nun mal alle an, auch wenn sie nicht immer Spass macht.» Die Abstimmungen bezüglich der Reform der Altersvorsorge stosse bei Jugendlichen beispielsweise nicht auf grosses Interesse, obwohl es dabei um ihre Zukunft geht.

Grund für das Desinteresse sei die Formulierung der Abstimmungsvorlagen. Sie überfordere Jugendliche oft. Dem will easyvote mit seinen Clips und Broschüren sowie Projekten wie «easyvote School» entgegenwirken. Damit soll das Verständnis für Politik gefördert werden, bevor die Jugendlichen stimmberechtigt sind. «Wer sich bis zu seinem 18. Lebensjahr noch nie mit Politik auseinandergesetzt hat, dem fehlt schlicht das Verständnis dafür»,erklärt Flavio Bundi.

Zur Zeit hat die easyvote-Broschüre eine schweizweite Auflage von 100 000 Stück. Das entspricht rund einem Sechstel der Jugendlichen im Land. Davon gehen 4 000 Exemplare in den Kanton Aargau. Die Gemeinden sind dabei die Hauptabnehmer. Ganz zur Freude von Programmleiter Flavio Bundi: «Mit den Gemeinden hat vor genau zehn Jahren alles angefangen. Damals aber noch unter dem Namen Easy-Abstimmungsbüechli.»