Bezirksgericht Bremgarten
Für den Faustschlag gegen den Kellner gab es eine gesalzene Rechnung

Bei einem Streit wurde in einem Restaurant in Bremgarten ein Kellner verletzt. Er erhält dafür jetzt eine Genugtuung von 500 Franken. Der Schläger stritt vor Bezirksgericht alles ab.

Jörg Baumann
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Ein Faustschlag im Restaurant landete vor Gericht. (Symbolbild)

Ein Faustschlag im Restaurant landete vor Gericht. (Symbolbild)

Keystone

Der Beschuldigte: Knapp zwanzig Jahre alt, arbeitslos und vorbestraft. In einem Bremgarter Restaurant hatte er sich in einen Streit zwischen seinem Vater und einem Kellner eingemischt. Der Kellner soll den Vater, damals noch Miteigentümer des Restaurants, beleidigt haben. Der Sohn versetzte dem Kellner einen heftigen Faustschlag auf das linke Schulterblatt. Der Arzt stellte beim Opfer, das über heftige Schmerzen klagte, an der verletzten Körperstelle eine Muskelverhärtung fest.

Der Arzt schrieb den Kellner arbeitsunfähig und sein damaliger Chef stellte ihn nach dem Vorfall unverzüglich frei. Die Staatsanwaltschaft büsste den Täter wegen Tätlichkeiten mit 800 Franken. Dieser akzeptierte den Strafbefehl aber nicht, sondern zog ihn ans Bezirksgericht Bremgarten weiter.

Gericht folgt dem Opfer-Anwalt

Beide Seiten erschienen mit einem Anwalt vor Gericht. Für den Beschuldigten musste das Gericht eine Dolmetscherin bestellen. Der Italiener soll Deutsch zwar gut verstehen, aber nicht sprechen, hiess es. Gerichtspräsident Lukas Trost setzte die Busse auf 700 Franken herunter, sprach dem Kellner aber eine Genugtuung von 500 Franken zu. Damit folgte er dem Antrag des Anwaltes des Kellners.

Zusätzlich muss der Täter, der alles abstritt, die Verfahrenskosten übernehmen und dem Kellner die Parteikosten ersetzen – im ganzen mehrere tausend Franken. Ein Zeuge, damals der Geschäftspartner des in den Streit involvierten Vaters des Täters, schilderte den Ablauf des Streits laut Trost glaubwürdig und schlüssig, «so neutral, wie er gekonnt hat». Ganz anders der Täter: Dieser habe sich in Widersprüche verwickelt.

Er glaube ihm nicht, sagte der Gerichtspräsident. Brisant: Trost bezichtigte den Vater des Meineids. Er habe für seinen Sohn gelogen und in der Voruntersuchung ausgesagt, er und nicht sein Sohn habe dem Kellner den Faustschlag versetzt. Er überlege sich, ob er den Vater bei der Staatsanwaltschaft wegen der falschen Zeugenaussage anzeigen wolle, sagte Trost.

Nur eine leichte Berührung?

Der Anwalt des Kellners verlangte, dass der junge Mann gemäss Anklageschrift verurteilt werde. Sein Mandant sei nach dem Schlag länger arbeitsunfähig gewesen. Heute könne er wieder arbeiten, aber er spüre noch immer Schmerzen. Der Verteidiger des Täters beantragte Freispruch nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten».

Sein Mandant habe den Kellner nicht geschlagen, sondern nur mit einer leichten Berührung am Arm beruhigen wollen. Der behandelnde Arzt sei zudem gar nicht kompetent gewesen, die Verletzungen zu beurteilen. Das hätte nur ein Rechtsmediziner gekonnt, meinte der Verteidiger. Und der Zeuge habe den Ablauf des Streits wohl «in der Hitze des Gefechts» falsch beurteilt. Aber er wolle ihn deswegen nicht etwa belasten.

Geschäftspartner sind der Vater des Täters und der Zeuge nicht mehr. Sie haben sich nach dem Vorfall getrennt. An der Gerichtsverhandlung sprach der Zeuge, dem das Restaurant nun alleine gehört, von Mietzinsausständen.

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