Muri
Funktionalität darf auch schön sein

Beim Forstwerkhof Maiholz in Muri zählt nicht der Nutzen für den Betreiber, den Forstbetrieb Region Muri, allein.

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Die Douglasienholzfassade gibt dem Forstwerkhof Maiholz in Muri ein eigenständiges Gesicht und lässt ein schönes Schattenspiel zu.

Die Douglasienholzfassade gibt dem Forstwerkhof Maiholz in Muri ein eigenständiges Gesicht und lässt ein schönes Schattenspiel zu.

Eddy Schambron

Funktionalität und Architektur müssen sich nicht ausschliessen. Das sagten sich die Architekten Kurt Kolb und Matthias Merten vom Architekturbüro Hegi Koch Kolb und Partner in Wohlen, als sie sich an die Planung des neuen Forstwerkhofs des Forstbetriebs Region Muri im Maiholz machten. Herausgekommen ist ein Bauwerk, das unter anderem mit seiner aussergewöhnlichen Fassade in der Bevölkerung auf Beachtung stösst (AZ vom 27. Mai). Der Ersatzbau, vollkommen darauf ausgerichtet, zeitgemässe Arbeitsplätze und eine Maschineneinstellhalle zur Verfügung zu stellen, wartet auch mit sichtbaren funktionalen Lösungen auf.

«Es war eine spannende Ausgangslage», blickt Kolb zurück. Es galt, eine rein funktionale Baute zu planen. Vorgegeben waren zudem Nachhaltigkeit und ein knapper Kostenrahmen. Jetzt erfüllt die Forstwerkhalle sowohl die funktionellen als auch ästhetische Ansprüche. Gelungen ist dies, weil einerseits die räumlichen Anordnungen, welche nur aus betrieblichen Anforderungen stammen, innenräumlich auch interessante Raum- und Sichtbezüge ergeben und andererseits die Fassade dem Bau eine leichte und ansprechende Struktur verleiht.

Gestaltungselement Fassade

«Die Fassade, auch von innen sichtbar, ist eigentlich das einzige Gestaltungselement bei diesem Bau, deshalb war sie uns auch besonders wichtig», sagt Kolb. Selbstverständlich waren die Kosten ein Thema. Doch der Vergleich zwischen einer gewohnten, glatten Holzverkleidung und der gewählten Strukturlösung, die schönes Schattenspiel zulässt, habe gezeigt, dass der Mehraufwand vernachlässigbar gering blieb.

Die Vorstellung, den Forstwerkhof grosszügig mit Vordächern auszustatten, wurde von der Baukommission fallengelassen. Jetzt gibt es sie nur dort, wo sie betrieblich sinnvoll sind. «Es gibt zwei Argumente, die gegen die Vordächer sprechen», erklärt Kolb: die Kosten und die Verfärbung der Fassade. Die Holzfassade ist, wie alles an diesem Bau, roh, das heisst unbehandelt. Das Holz wird sich mit der Witterung und der Zeit verfärben. Mit Vordächern würde das unregelmässig erfolgen. Eine fleckige Fassade aber sieht nicht sehr schön aus. Durch den Verzicht auf Vordächer wirkt der Bau zudem kleiner, als er tatsächlich ist.

Rohmaterial hat Vorteile

Ob Massivholz, Recycling-Beton oder Tor aus Aluminium, das Konzept mit der Nutzung von rohen Baumaterialien wurde konsequent durchgezogen. Die Verwendung von rohen Materialien sei für einen Handwerksbetrieb ideal, stellt Kolb fest. Sie würden so zeitlos altern und leicht betriebliche Eingriffe ermöglichen. «Die Forstleute können dort einen Nagel einschlagen, wo sie ihn brauchen», umschreibt der Architekt diese Flexibilität. Im Innern des Gebäudes wurde die Konstruktion mit den Schraubverbindungen sichtbar gelassen. Sogar die Treppengeländer sind funktional ausgebildet: Stören sie, beispielsweise beim Einlagern von grossen Gegenständen, können die ganzen Geländer, bestehend aus Pfosten und einfachen Brettern, mit wenigen Handgriffen entfernt und anschliessend wieder in die Halterungen eingesteckt werden.

Über 85 Prozent des verbauten Holzes stammen aus Schweizer Wäldern, die Douglasienholzfassade komplett aus dem Murianer Wald. Für die Betonarbeiten wurden 90 Prozent Recyclingbeton verwendet. Zudem wurde ein Teil der alten Holzkonstruktion von lokalen Zimmereien abgeholt und trägt nun andernorts ein neues Dach. Das alte Garagentor konnte in einem Bauernbetrieb wieder eingebaut werden.

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