Alte Technik
Funken fasziniert Leute – auch diese Freiämter

Funken ist zwar eine alte Technik, aber alles andere als ausgestorben, sondern entwickelt sich laufend weiter. Der Freiämter Robert Wettstein funkte schon mit Astronauten.

Simon Kuhn
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Funker im Freiamt

Funker im Freiamt

Simon Kuhn
Renato ist CB-Funker und stellt gerade seine selbstgefertigte Antenne auf dem Lindenberg auf.

Renato ist CB-Funker und stellt gerade seine selbstgefertigte Antenne auf dem Lindenberg auf.

Simon Kuhn

Funk ist eine Technik, die unglaublich vielseitig genutzt werden kann. Es fängt an beim CB-Funker, der mit Freunden plaudern will, geht weiter zum Funkamateur, der im Notfall weltweiten Kontakt zu anderen herstellen kann, bis hin zum Astronauten, der mit der NASA überlebenswichtige Informationen austauscht.

Zwischen den zwei Arten von Hobby-Funkern, also den CB-Funkern und dem Funkamateur, gibt es einen grossen Unterschied. Während CB-Funker mit sehr beschränkter Leistung senden dürfen, ist es dem Funkamateur möglich, mit mehr Sendeleistung und einer grossen Auswahl an Frequenzen weltweiten Kontakt herzustellen. Um die Lizenz zum Amateurfunk zu erlangen, muss man eine entsprechende Prüfung vom Bundesamt für Kommunikation bestehen.

In jeder freien Minute wird das Funkgerät angeschaltet

Immer mehr Leute machen sich Funken zum Hobby. So auch der Freiämter Renato, der nicht mit vollem Namen genannt werden will. Er hat vor einigen Monaten die Faszination am Funken entdeckt und ist seitdem andauernd unterwegs. «Es ist keine Seltenheit, dass ich bis spät in die Nacht mit anderen funke», erzählt er. «Manchmal funke ich auch über den Mittag, wenn ich Zeit habe.» Renato hat in seinem Auto ein Mobilfunkgerät. Für grössere Distanzen bastelt er selbst an einer Wurfantenne herum, für diese er ein zweites Funkgerät im Kofferraum hat.

Die Antenne hat er selbst aus einem Koaxialkabel gebaut. «Bei der Antenne ist die Länge das Ausschlaggebende», erklärt Renato. «Meine besteht aus zwei Kabeln, die je 2,78 Meter lang sind. Beim oberen Kabel habe ich den Aussenmantel entfernt und beide Kabel danach verbunden.» Man merkt, wie sehr er sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Auf dem Lindenberg testet er seine Antenne. Zu Beginn war diese noch zu lang. Nachdem er die Antenne kürzte, konnte er aber eine gute Verbindung herstellen.

Renato ist von der Funktechnik begeistert. «Ich bastle gerne an meiner Ausrüstung herum», sagt er. «Ich könnte natürlich auch einfach eine Antenne kaufen, aber darum geht es mir nicht.» Der gesellschaftliche Aspekt ist ihm aber auch sehr wichtig. Er sagt: «In den letzten Monaten habe ich viele Bekanntschaften geschlossen. Sei es über den Funk selbst oder über Facebookgruppen, die sich mit dem Thema beschäftigen.»

Wettstein funkte mit Astronauten und Millionären

Robert Wettstein ist ebenfalls ein Funker aus dem Freiamt. Er hat die Lizenz zum Funkamateur und kann mit seiner Ausrüstung mit Leuten aus der ganzen Welt kommunizieren. Über den Funk hat auch er viele Bekanntschaften geschlossen. «Ich hatte schon Kontakt mit Journalisten, Multi-Millionären und Chirurgen. Einmal hatte ich sogar kurz eine Verbindung zu einem Russen auf der ISS. Es ist immer wieder interessant, was für Leute man antrifft.»

Der Hauptgrund, wieso Wettstein seit über 40 Jahren funkt, ist aber der technische Aspekt. Gefallen daran hat er bereits als Kind gefunden. Sein Vater hat ihm einen Bausatz für einen Detektor-Empfänger, das zu Beginn einfachste Gerät zum Empfangen von Hörfunksendungen, geschenkt und ihm erklärt, wie er funktioniert.

«Damals hatte der Landessender Beromünster eine Sendeleistung von 600'000 Watt» erzählt Wettstein. «Die elektromagnetischen Wellen zu dieser Zeit waren weitaus stärker, als sie heute sind.» So stark, dass man in der Nähe der Sendeantenne eine an einen Draht angeschlossene Neonröhre auf den Boden legen konnte und diese durch die elektromagnetischen Wellen anfing zu leuchten. Zum Vergleich: Heutige Rundfunksender verwenden lediglich eine Sendeleistung von 100 bis 60000 Watt.

Im Ernstfall sind Funkamateure notwendig

Auch wenn für Robert Wettstein das Funken nur ein Hobby ist, hat es auch einen Nutzen in Krisensituationen. «Wir Funkamateure bereiten uns auch immer ein Stück weit darauf vor, dass etwas Schlimmes passieren könnte», sagt Wettstein. «Gibt es zum Beispiel einen grossflächigen Stromausfall können wir immer noch kommunizieren.»

Funkamateure kamen beispielsweise kürzlich bei den Buschbränden in Australien zum Einsatz, 2014 beim Hochwasser in Serbien und am 8. November 2013 beim Taifun auf den Philippinen. Robert Wettstein hat für seine Funkausrüstung zu Hause eine Notstromversorgung in Form einer Autobatterie und eines Solarpanels auf seinem Balkon. Dass er im Ernstfall selbst in Krisensituationen funken kann, hat aber nicht nur für ihn einen Vorteil, sondern auch für seine Mitmenschen.

«Nehmen wir an, während des Stromausfalls passiert etwas im Dorf, hätten wir keine Möglichkeit, mit der Polizei oder Feuerwehr Kontakt aufzunehmen», sagt Wettstein. «Für solche Fälle ist es wichtig, dass auch die Behörden wissen, ob und wo es Funkamateure im Dorf gibt.»