Wohlen
Führung durch eine der ersten Moscheen in der Schweiz

Der christliche Gott trifft auf Allah, Schweiz trifft auf Türkei, 17 reformierte Frauen aus Muri und Umgebung begegnen einem fremden Glauben. Sie haben eine Führung durch die Moschee in Wohlen.

Lisa Stutz
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Duran stellt das muslimische Pendant zum Rosenkranz vor
13 Bilder
Besuch in der Wohler Moschee
Die Muslimin erklärt, wie die Schüler hier unterrichtet werden
Am Schluss durften die Schuhe wieder angezogen werden
Yasemin Duran und die reformierten Frauen in der Männer-Cafeteria
Die reformierten Frauen hören interessiert zu
Yasemin Duran erzählt, dass sie der Islam vollkommen ausfüllt
Nach der Führung gab's Türkischen Tee für alle
Kronleuchter hat es in jeder Moschee, erklärt Duran
Die Damen mussten sich vor der Führung ihrem Schuhwerk entledigen
Ein wenig kleiner, aber auch beeindruckend
Die reformierten Frauen interessieren sich für die Bräuche des Islams
Yasemin Duran zeigt das Unterrichts-Material

Duran stellt das muslimische Pendant zum Rosenkranz vor

(LIS)

«Das ist für beide Seiten sehr spannend», findet Christa Karch, Präsidentin des reformierten Frauenvereins Muri, zu Beginn der Moschee-Führung in Wohlen.

Die Türkin Yasemin Duran leitet den Besuch, sie spricht perfekt Hochdeutsch. Die Mutter dreier Kinder ist in Deutschland aufgewachsen und hat Theologie studiert. «Die Moschee in Wohlen ist eine der ersten Moscheen der Schweiz, die beim Bau als solche geplant war», erzählt sie den interessierten Zuhörerinnen vor dem grossen Gebäude, das von aussen gar nicht nach einer Moschee aussieht.

Deutschkurse in Cafeteria

Als Erstes geht es durch den Männereingang ins Innere der Moschee. «Wir haben einen Männer- und einen Fraueneingang», erläutert Duran, «doch wir nehmen das nicht so streng, wir Frauen dürfen ebenfalls durch den Männereingang gehen.»

Auch Cafeterias gibt es zwei - eine für die Männer, eine für die Frauen. «Die meisten Frauen wollen das so, das ist keine Bestimmung der Männer», schafft Duran gleich zu Beginn allfällige Klischees aus dem Weg. «Wir sind sogar froh, wenn wir nicht zuhören müssen, wie die Männer über Autos und Fussball sprechen», lacht sie.

In der Cafeteria soll in Zukunft aber noch mehr als das gemütliche Zusammensein stattfinden: «Es ist in Planung, dass wir hier künftig Deutschkurse durchführen. Leider sind die schlechten Sprachkenntnisse bei vielen Moslems in der Schweiz ein Problem.»

Keine Schuhe im Gebetsraum

Dann werden die Schuhe ausgezogen. «Es darf niemand mit Schuhen in den Gebetsraum», erklärt Duran. Das ist so, weil man beim Gebet mit dem Kopf den Teppich berührt. «Alles andere wäre unhygienisch.» Nach einem kleinen Abstecher in die Klassenräume, wo freitags und sonntags Schüler in Religion unterrichtet werden, geht's in den Gebetsraum - in den Männer-Gebetsraum. «Auch das haben wir getrennt», erklärt Duran. «Damit die Männer beim Gebet nicht abgelenkt werden», fügt sie keck an.

Die Frauen des reformierten Frauenvereins Muri sind begeistert vom grossen Saal, der in den Farben rot, blau und golden gehalten ist. Sie flüstern beim ersten Anblick die Worte «beeindruckend», «wunderschön» und «gigantisch». Yasemin Duran erzählt ihnen daraufhin über die Bräuche im Islam und über das Leben als gläubige Muslimin, das sie voll und ganz erfülle.