Wohlen

Fünf Jahre auf einem Hip-Hop-Album und viel Austausch mit Uganda

Die Hip-Hop-Künstler Jocelyn Daloz aus Wohlen und Johannes Küng aus Dietikon alias Joce & JohBeats geben nach fünf Jahren ihr erste Platte heraus. In den letzten drei Jahren gleisten sie ein Austauschprojekt mit ugandischen Hip-Hop-Künstlern auf.

Die beiden Hip-Hop-Künstler fühlen sich befreit. Nach fünf Jahren ist sie endlich da – ihre erste Platte. Es war an der Zeit, meinen der Wohler Jocelyn Daloz und Johannes Küng aus Dietikon, auch bekannt als Joce & JohBeats.

«Damit können wir reinen Tisch machen», sagt Küng und Daloz ergänzt: «Es ist ein gutes Gefühl, endlich etwas in der Hand zu haben, etwas, das man vorweisen kann. Die Songs schwebten genug lange im luftleeren Raum.» Ihr Erstlingswerk heisst «CINQ», ein Name, der zur Entstehungsgeschichte passt: Das Album enthält Songs aus den letzten fünf Jahren, aus jedem Jahr einen. Dazu kommt ein Spoken Word.

„On ne dit rien“ ist einer der fünf Songs auf dem Album von Joce & JohBeats.

„On ne dit rien“ ist einer der fünf Songs auf dem Album von Joce & JohBeats.

Drei Wochenenden benötigten die beiden Künstler für die Aufnahmen. Die letzten entstanden eine Woche vor der Plattentaufe. Kam Nervosität auf? Beide zucken mit den Schultern. «Nein», sagt Johannes Küng, «wir haben die Songs schon so viele Mal gespielt. Wir wussten genau, wie sie klingen sollen.»

Musik erinnert ihn an Uganda

Die Plattentaufe fand Anfang Monat in der Plattform Wohlen statt. Johannes Küng war dabei vor allem auf die Reaktionen der Zuhörer gespannt. «Das Album ist ein sehr persönliches Werk, wo viel von uns drinsteckt.» Als Beispiel nennt er eine in Afrika entstandene Aufnahme. «Als ich das erste Mal in Uganda war, verspürte ich plötzlich die Lust, Musik zu machen. Ich hatte aber nur eine Gitarre und ein Computer zur Hand.»

Dabei entstand eine Aufnahme, die er im Song «Le Regard» integrierte. Die Qualität sei zwar nicht optimal, «doch wenn ich es höre, sehe ich mich sofort wieder in meinem Zimmer in Uganda sitzen.» Die beiden Künstler verbindet viel mit dem afrikanischen Land. Sie gleisten in den letzten drei Jahren ein Austauschprojekt mit ugandischen Hip-Hop-Künstlern auf und gründeten dazu die Organisation Young Artists Exchange Project, kurz YAEP! (siehe Box).

«Wir waren in den letzten Jahren durch YAEP! sehr präsent», sagt Daloz, «da tut einmal ein rein musikalisches Projekt gut.» Der Rapper ist aufgewachsen in Genf, sein Vater ist Franzose. Obwohl er schon lange in Wohlen wohne, könne er sich am besten in seiner Muttersprache ausdrücken. «Auch wenn mich so nicht alle Kollegen verstehen und ich dadurch nicht viel Feedback auf meine Texte erhalte.» Deshalb reizt ihn ein Auftritt in seiner ehemaligen Heimat. Beinahe hätte es auch geklappt; Joce & JohBeats waren bereits von einem Genfer Club gebucht. «Doch eine Woche vor dem Auftritt musste er aus sicherheitstechnischen Gründen schliessen», berichtet Küng und lacht.

Im Vergleich zu den Genfern seien sie untypische Hip-Hopper, sagt Daloz. «Ihre Texte und Musik sind viel aggressiver. Wir orientierten uns eher an Greis oder IAM.» «Aus meiner Sicht gibt es ihn nicht, den typischen Hip-Hopper», sagt Küng. Er selber sieht anscheinend sowieso nicht danach aus. «Es waren schon einige überrascht, dass ich in diesem Genre bin. Scheinbar wirke ich äusserlich mehr wie ein Indie-Rocker.» Doch spätestens wenn man das neue Album «CINQ» hört, werden auch beim Letzten die Zweifel ausgeräumt. Daloz und Küng sind Hip-Hop- Künstler mit Leib und Seele.

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