3000 Füchse wurden letztes Jahr im Aargau geschossen. Aber meistens landet das Fell nicht mehr im Handel, sondern in der Kadavergrube. Schuld daran sind die Propaganda gegen das Pelztragen und der Preiszerfall, sagt der Jäger Erhard Huwyler aus Beinwil (Freiamt).

Früher erregte man kein öffentliches Ärgernis, wenn man eine Mütze oder ein Gilet aus einem Fuchspelz trug. Heute ist alles anders: Der Markt für einheimische Fuchsfelle ist seit den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts drastisch zusammengebrochen. Wer heute einen Pelz trägt, muss sich fast entschuldigen.

«Polemische Propaganda»

Erhard Huwyler, Gemeindeschreiber in Beinwil und als Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins der oberste Jäger im Kanton, kennt die Gründe: «Die polemische Propaganda des Tierschutzes hat gewirkt. Das breite Volk ist dem Slogan ‹Lieber nackt als ein Pelz› aufgesessen.» Dabei stamme der Fuchspelz «aus einheimischer Produktion». «Aber Pelz ist für die Gegner Pelz – ob er nun aus dem Ausland oder der Schweiz kommt.»

Wenn vom Tierschutz die Rede ist, regt sich Huwyler masslos auf. «Der Tierschutz blendet aus, dass auch wir Jäger Tierschützer sind – vielleicht sogar die besseren.» Doch auch ein vorbildlicher Jäger, der seine Passion fachgerecht betreibe, könne rechnen: Vor 30 Jahren habe er als junger Jäger einen Fuchspelz am Pelzmarkt in Luzern noch für 40 bis 50 Franken verkaufen können.

Heute bekomme man für einen Pelz gerade noch einen Fünfliber. «Für fünf Franken lohnt sich es nicht mehr, dem Fuchs das Fell abzuziehen, es nachzubehandeln und zu trocknen.» Für einige Jäger sei es, trotz des Defizitgeschäftes, Ehrensache, den Fuchs seines Kleides zu entledigen, erläutert Huwyler.

Aber die meisten wählten heute den Weg des geringsten Widerstandes: Der Fuchskadaver landet mit dem Fell in einer Grube, die bei der Jagd im Wald ausgehoben wird.

Diese Entwicklung befriedigt Huwyler überhaupt nicht. «Nach meinem Verständnis gehört es zum richtigen Handwerk des Jägers, dass der geschossene Fuchs ganz verwertet wird – mit dem Pelz.» Hinter jedem Fuchs, der auf der Wildbahn erlegt wird, steckt für Huwyler «eine Geschichte».

«Der Jäger liegt stundenlang auf der Lauer, bis ihm ein Fuchs vor die Flinte kommt. So leicht lässt sich der Fuchs nicht abschiessen. Denn er ist schlau. Es ist ein Wettstreit zwischen Jäger und Fuchs.»

Fuchsabschuss ist Gesetz

Huwyler stellt in Abrede, dass die Jäger ein Tier «aus lauter Mordlust» töten würden. «Hinter dem Jagdhandwerk steht eine strenge Ausbildung. Auch ein Jäger sieht ein Tier nicht gerne sterben.» Der Fuchsabschuss sei zudem gesetzlich geregelt. «Der Fuchs ist ein Räuber und muss kurzgehalten werden.» Huwyler betont: «Wenn wir den Fuchs nicht abschiessen, landet er vor einem Auto und wird so getötet. Das passierte letztes Jahr im Aargau mehr als tausendmal. Ist das humaner, als wenn ein Jäger den Fuchs erlegt und dabei nur seine Pflicht erfüllt?»