Bremgarten
Früher schwammen Fische in jedem Brunnen

Seit Freitag zeigt das Stadtmuseum alles rund ums Thema Fische in der Reuss. Die Ausstellung soll ihren Besuchern bewusst machen, wie viele und welche Fischarten in der Reuss vorkommen, und wie stark deren Anzahl seit dem Mittelalter geschrumpft ist.

Andrea Weibel
Merken
Drucken
Teilen
Die kleinsten Fischer: Noelia (7) und Livio (9) staunen über die Ausstellungsstücke.aw

Die kleinsten Fischer: Noelia (7) und Livio (9) staunen über die Ausstellungsstücke.aw

«Reussfisch war die mittelalterliche Bezeichnung für Lachs, weil die in unserem Gewässer so selbstverständlich waren», erklärt Fridolin Kurmann, Präsident des Vereins Stadtmuseum Bremgarten. Das ist nicht das einzige Mal, dass die Besucher der neuen Wechselausstellung «Fisch» staunen. In der Ausstellung, die am Freitag eröffnet wurde, geht es um Fische, Fischfang und Fischenz im Reussstädtchen vom Mittelalter bis heute.

Brunnen statt Kühlschrank

«In meiner Jugendzeit schwammen noch in allen Bremgarter Brunnen Fische», erinnert sich Alfred Koch, Präsident des ehemaligen Reusstalbundes und ehemaliger Stadtrat. «Die Fischer lagerten die Tiere dort, da sie dafür noch keine Kühlschränke hatten.» Daneben hatte das Bad im Brunnen aber auch den Vorteil, dass es bei Fischen, die in moorigen Tümpeln gefangen worden waren, den Dreck aus dem Körper wusch. «Um sie zu kennzeichnen, schnitt ein Fischer seinem Fang die obere Schwanzspitze ab, der andere Fischer die untere», beschreibt Koch weiter. Wissend nicken die älteren Zuhörer sich zu.

Die Ausstellung soll ihren Besuchern bewusst machen, wie viele und welche verschiedenen Fischarten in der Reuss vorkommen, und wie dramatisch deren Anzahl seit dem Mittelalter bis heute geschrumpft ist.

«Daran sind viele Faktoren schuld», fasst Hugo Hufschmid zusammen, der als passionierter Fischer im untersten der drei Ausstellungsstockwerke während der Vernissage Auskunft über die Fischerei heute und deren Probleme gibt. «Allen voran sind es die verschiedenen chemischen Stoffe im Wasser. Aber es gibt auch viel weniger Nährstoffe, weil die Kläranlagen das Wasser so gut reinigen», gibt er zu bedenken. Als Letztes fasst er auch die Vögel in diese Kategorie, denn «weil ihre Zahl nicht mehr ausreichend von den Jägern dezimiert wird, gehen sehr viele Fische wegen ihnen zugrunde».

Das Problem sei, dass man die Tiere im Wasser nicht sehe und darum nicht direkt merke, wenn ihre Anzahl abnimmt, hält Thomas Rüppel, Präsident der Fischereikommission fest.

Bremgarter erinnern sich

Viele ältere Bremgarter erinnern sich noch gut, wie sie als Kinder mit ihren Vätern auf der Reuss gefischt haben. Die Gespräche kommen während der Vernissage immer wieder darauf zurück. «Weisch no...», heisst es häufig. Dass die Ausstellung aber nicht nur den Nerv der älteren Generation getroffen hat, beweisen Noelia (7) und ihr Bruder Livio (9). «Wir fischen sehr gerne, und mein Bruder ist sogar auf einem Foto in der Ausstellung, weil er einmal ein so schönes Egli gefangen hat», berichtet Noelia stolz.

Neben unzähligen interessanten Statistiken zu Forelle, Hecht und Co. sind auch unzählige Fangutensilien wie Ruten, Netze und Köder ausgestellt. Daneben zeigen alte Bilder von früheren Bremgarter Berufsfischern riesige Fänge, und in einer Vitrine sind sogar echte Fischskelette und getrocknete Fischköpfe zu sehen. Fantasievolle Fisch-Skulpturen runden die Ausstellung ab.

Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr, Kornhausplatz, Unterstadt