Niederwil
Früher hatte der Reusspark einen schlechten Ruf, heute ist man gerne hier: Direktor Thomas Peterhans blickt zurück

Thomas Peterhans, Direktor des Niederwiler Reussparks, blickt kurz vor der Pension auf 28 spannende und herausfordernde Jahre zurück.

Nathalie Wolgensinger
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Thomas Peterhans, Direktor des «Reussparks» im Niederwiler Gnadenthal, geht nach 28 Jahren in Pension

Thomas Peterhans, Direktor des «Reussparks» im Niederwiler Gnadenthal, geht nach 28 Jahren in Pension

Chris Iseli

Heute glaubt man kaum, dass noch vor 30 Jahren Senioren damit gedroht wurde, sie ins «Gnödeli» zu bringen. Die damalige Pflegeanstalt hatte einen schlechten Ruf. Sie war die letzte Station für verarmte, pflegebedürftige Menschen. Darauf angesprochen, lacht Direktor Thomas Peterhans sein markantes Lachen und bestätigt: «Ja, fast so war es.»

Es war das Neue, das den 36 Jahre jungen Peterhans herausforderte und ihn dazu bewog, sich um die Stelle zu bewerben. «Ich arbeitete im Treuhandwesen, die Pflege war mir absolut fremd», blickt er zurück ins Jahr 1992. In den ersten Monaten in der neuen Funktion habe er recherchiert, weshalb dem Pflegeheim die Subventionen von 2,8 Mio. Franken gestrichen worden waren. «Nach dem Gespräch mit der damaligen Regierungsrätin Stephanie Mörikofer wurden uns die vorenthaltenen Subventionen fast komplett nachbezahlt», fügt er süffisant lächelnd an. Seine Energie steckte er anschliessend in das Sichern der wirtschaftlichen Stabilität, das Erstellen von Leitbild und Finanzplan sowie das Setzen von Zehn-Jahres-Zielen.

Einfaches Rezept: «Wir sagen uns noch Grüezi»

Ein weiteres Hauptaugenmerk legte er auf die Verbesserung der Betriebskultur. «Wir schufen eine Gemeinschaft, in der sich die Betagten wohlfühlten.» Dies gelinge nur, wenn man motivierte Mitarbeitende an Bord habe. Die Umsetzung sei einfach: «Wir sagen uns noch Grüezi.» Klingt banal, ergibt aber durchaus Sinn. Für den Direktor ist es selbstverständlich, alle Angestellten zu grüssen und mit ihnen zu sprechen, um zu erfahren, wo sie der Schuh drückt.

Ein Ergebnis dieser Gespräche war, dass er mit seinem Team die Arbeitszeiten an die Bedürfnisse von Familien anpasste. Auf diese Art und Weise gelang es, gut ausgebildete Fachfrauen nach der Babypause wieder zu integrieren. Seit 1991 können die Angestellten ihre Kinder in der Krippe im benachbarten Haus betreuen lassen. Die vielen Bemühungen wurden dieses Jahr mit der Auszeichnung «Great Place to Work» ausgezeichnet. Mitarbeiterbefragungen würden immer wieder aufzeigen, dass man sich im Reusspark wohlfühle und die gute Betriebskultur schätze, stellt der Direktor mit Befriedigung fest.

Tod gehört zum Leben und soll kein Tabuthema sein

Den dritten Grundstein zum Erfolg legte er mit der Neuausrichtung des Pflegeangebotes. «Wir haben viel Mut bewiesen. Das hat sich gelohnt.» Vor 20 Jahren beschritt die Institution erstmals Neuland und schuf ein Angebot für Alzheimerkranke. Mittlerweile bieten dies andere Einrichtungen auch an. Der Reusspark aber entwickelte sich zum Kompetenzzentrum. Dies gilt auch für die Betreuung von Menschen mit psychischen Krankheitsbildern, die in der Gerontopsychiatrie von ausgebildeten Fachleuten umsorgt werden. Ebenfalls Neuland betreten hat die Institution mit der Einrichtung der Palliativstation. Dort werden die Menschen während ihrer letzten Lebensmonate begleitet. «Der Tod gehört zum Leben. Wir wollten mit diesem Tabuthema brechen.»

Wichtig war ihm auch die Öffnung des Reussparks nach aussen. Heute ist das Gnadenthal ein bunter Lebensraum für Jung und Alt. Verändert hätten sich im Laufe der Jahre die Erwartungen der Angehörigen. Heute werde genau hingeschaut, «und das ist auch richtig», ist Peterhans überzeugt. Die Pflegetaxen seien hoch und belasten die Budgets der Bewohner und deren Angehörigen. «Die Pflegefinanzierung ist ein einziges Schwarzer-Peter-Spiel», stellt er seufzend fest. Wenn man die Schraube an einem Ort lockere, würde das ganze Gefüge ins Wackeln kommen, versinnbildlicht er. Er sieht nur noch einen Ausweg aus der verfahrenen Situation: «Man sollte das neu überarbeiten.»

Bei diesen Arbeiten wird Peterhans nicht mehr dabei sein. Mit seiner Pensionierung wird er zugleich seine Vorstandsposten bei kantonalen und nationalen Verbänden aufgeben. Sie seien nicht nur eine Bereicherung gewesen, sondern ermöglichten ihm viele nützliche Kontakte, ist er überzeugt. Dasselbe gelte für seine Arbeit im Gemeinderat in Niederwil, dem er während 20 Jahren angehörte, zuletzt als Gemeindeammann.

Das markante Lachen, das man vermissen wird

Eines seiner Projekte aber platzte. Seine Idee von einem Golfplatz auf den benachbarten Gemüsefeldern wurde nach langem Hin und Her vom Grossen Rat abgelehnt. «Ich kann damit leben, bin aber nach wie vor überzeugt, dass der Golfplatz nicht nur für die Natur, sondern auch für die Institution eine Aufwertung gewesen wäre.»

Die Zahlen sind eindrücklich: Während der vergangenen 28 Jahre wurde die Institution für 120 Mio. Franken erweitert, saniert und umgebaut. Mittlerweile werden 300 Bewohnende von 450 Mitarbeitenden und 90 Lernenden betreut. Ihnen allen wird Peterhans Ende des Jahres Adieu sagen. «Seinen» Reusspark verlässt der Vater zweier erwachsener Töchter mit Wehmut. Aber wie so oft im Leben: Wo eine Türe zugeht, geht eine andere auf. Für Peterhans bedeutet dies, Aussicht auf längere Reisen mit seiner Partnerin, Sprachaufenthalte und vielleicht auch wieder etwas Arbeit. «Angebote für Coachings in Pflegeheimen habe ich bereits erhalten. Damit warte ich aber noch ein wenig. Erst mal werde ich runterfahren», sagt er und lacht sein markantes Lachen, das man ab nächstem Jahr im Reusspark sicherlich vermissen wird.