Von unten raus muss Druck kommen, wenn die Sonne scheint

Die ersten Sonnenstrahlen sind der Auftakt zur Saison. «Da müssen wir nicht mal zum Fenster rausschauen», lacht Stephan Nauer, mit Rolf Knecht Inhaber des Motorradgeschäfts Motoria in Wohlen. Mit dem Frühling bekommen sie so richtig viel zu tun. «Alle wollen sofort alles», wissen die Triumph-Händler. Und nehmen es mit Gelassenheit. «Wir kennen das und wissen damit umzugehen.» Immerhin ist die Flaute im Winter nicht mehr so ausgeprägt wie früher: «Die Winter sind meistens milder, die Zeit wird von Motorradfahrern gerne für Service-Arbeiten und Abänderungen genutzt.» Oft werden die Maschinen auch gar nicht mehr über die kalten Monate abgemeldet.

Stephan Nauer und Rolf Knecht sind für einen Ansturm von Töfffahrern gerüstet.

Stephan Nauer und Rolf Knecht sind für einen Ansturm von Töfffahrern gerüstet.

Einfacher ist das Geschäft mit Motorrädern trotzdem nicht geworden. Der Nachwuchs fehlt etwas. «Das Angebot an Freizeitaktivitäten ist heute viel grösser als damals, als wir jung waren und nur eines wollten: nach dem Töffli einen richtigen Töff», stellt Nauer fest. Damals war das Töfffahren richtig teuer, nicht zuletzt wegen horrenden Versicherungsprämien. «Wir sparten den Lohn für diese Leidenschaft zusammen.» Dabei hätten es die Jungen heute einfacher, Motorrad zu fahren: Die Maschinen sind im Vergleich zu früher günstiger, die Versicherungsprämien erträglicher. «Vielleicht sind es die heute beliebten E-Bike anstelle der Töffli, die junge Fahrer weniger zum Motorrad führen», kann sich Nauer vorstellen.

Er und Knecht sind glücklich, mit Triumph eine Marke zu führen, die mit zahlreichen Modellen in klassischer Optik dem starken Wunsch der Kundschaft nach modernen Retro-Bikes bestens entgegenkommt. «Von unten raus muss Druck kommen, viele mögen zu viel Elektronik nicht, und maximale Höchstgeschwindigkeit ist hierzulande eigentlich ohnehin kein Thema.» Eddy Schambron

Jetzt geht es elektrisch den Berg hinauf

Reto Wolf sorgt dafür, dass die Velos bereit sind für die Ausfahrt.

Reto Wolf sorgt dafür, dass die Velos bereit sind für die Ausfahrt.

Nun treten wieder alle in die Pedalen. «Wir haben schon länger Frühling», meint Reto Wolf von Wolf Cycling in Merenschwand. Der Velohändler muss nicht auf den offiziellen Frühlingsanfang warten. Die Grenzen der Jahreszeiten sind fliessend geworden. «Wir haben oft ja gar keinen Winter mehr.» Abgesehen davon scheuen sich viele Velofahrer auch nicht, sich warm angezogen auf den Drahtesel zu setzen. Trotzdem kommt jetzt, wo die Sonne Kraft entwickelt, «alles miteinander». Man erinnert sich ans Velo im Keller und stellt fest, dass die Kette kaputt ist. Oder das Licht nicht geht. Also ab zum Velomech, das Fahrzeug für die warme Jahreszeit herrichten.

Oder gleich ein Neues kaufen. Der Trend ist klar: «E-Bikes sind ein Riesenthema, auch bei den Jungen», weiss Wolf. Mit elektrischer Unterstützung geht es einfach leichter den Berg hinauf. Oder schneller. Bei Wolf sehr gut nachgefragt sind schliesslich auch die reinen Rennvelos. Sie faszinieren diejenigen, die es auch ohne elektrische Unterstützung gerne etwas schneller haben. Oder bei denen die sportliche Herausforderung im Vordergrund steht. «Der Trend, auch Rennvelos mit Elektrounterstützung zu versehen, wird kommen», glaubt Wolf, «wie es der Fall bei den Mountainbikes ist.»

Die Grossverteiler im Velohandel machen Wolf keine Sorgen. Einerseits hat er in Merenschwand und in der Region Freiamt keinen solchen Anbieter in unmittelbarer Nähe, andererseits spielt er Vorteile des kleineren Fachgeschäfts aus. «Wir sind sehr flexibel und können schnell auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden reagieren.» Da helfen nicht nur die persönlichen Kontakte zur Kundschaft, sondern ein schneller und guter Service auch nach dem Kauf. «Wenn es dringend ist, arbeiten wir einfach länger», lacht Wolf. Eddy Schambron

Wer Schatten will, sollte früh bestellen

Jürg Hunziker (links) und Hanspeter Ottiger prüfen die Storenlamellen.

Jürg Hunziker (links) und Hanspeter Ottiger prüfen die Storenlamellen.

Mit der Frühlingssonne kehren nicht nur Wärme und Licht ins Freiamt zurück, sondern auch die unbändige Lust, sich im Freien aufzuhalten und im Haus die Fenster und Türen offenzulassen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie man sich draussen oder auch drinnen dann schützt, wenn die Sonne mehr als nur frühlingsmild strahlt. Einen Sonnenbrand oder sogar -stich will ja niemand riskieren. Und, apropos Stich, auch Stechmücken, Fliegen, Wespen und anderes Flieg- und Krabbelgetier sollen doch lieber draussen bleiben.

«Wenn die Sonne kommt, kommen auch die Telefone», sagt Hanspeter Ottiger, Inhaber der Freiämter Storen-Service GmbH. Seine 17-köpfige Crew ist bereits voll im Schuss, denn es gilt, im ganzen Freiamt, und auch darüber hinaus, Sonnen- und Insektenschutzvorrichtungen zu installieren. Mit der Sonne geht vielen Leuten ein Licht auf. Sie merken dann plötzlich, wo sie noch gerne Schatten hätten oder wo der Sonnenschutz noch optimiert werden könnte. «Wenn sie bei uns anrufen, heisst es meistens: ‹Was kostet eine Sonnenstore?› Dann gehen wir erst mal vorbei und machen uns ein Bild vor Ort. Wir wollen unseren Kunden ja nicht irgendetwas verkaufen, sondern sie gemäss ihren Wünschen beraten», sagt Ottiger.

Wer auf seiner Terrasse, auf dem Gartensitzplatz, in seiner Pergola oder im Wintergarten den passenden Sonnenschutz will, sollte sich unbedingt professionell beraten lassen, rät Ottiger. «Das richtige Material und die passenden Masse sind sehr wichtig. Und wenn man lange Freude haben will an seinem Sonnenschutz, dann sollte man auf das Wetter achten. Die meisten Defekte an unseren Storen sind Sturmschäden.» Wer Schatten haben will, sollte ihn früh bestellen. Drei bis vier Wochen dauert es ab Bestellung, bis die Store hängt. Christian Breitschmid

Mit der Sonne kommen auch Gärtner hervor

Denise Bieri von der Gärtnerei Gisler in Niederwil zeigt die bunte Pracht, die sich die Leute in Haus und Garten holen, sobald die Tage wärmer und vor allem heller werden.

Denise Bieri von der Gärtnerei Gisler in Niederwil zeigt die bunte Pracht, die sich die Leute in Haus und Garten holen, sobald die Tage wärmer und vor allem heller werden.

«Bei uns ist definitiv Frühling», erklärt Denise Bieri von der Gärtnerei Gisler in Niederwil. «Man merkt es immer: Sobald es einige Tage wärmer wird, wollen die Leute Primeli, Stiefmüetterli, Tulpen, Osterglocken – einfach alles, was bunt ist.» Mit jedem Sonnentag strömen mehr Kunden in die Freiämter Gärtnereien auf der Suche nach farbenfrohen Gewächsen.

Grundsätzlich seien April und Mai die verkaufsstärksten Monate bei den Gärtnereien. «Früher war es nur der Mai, denn vor den Eisheiligen hätte beispielsweise niemand Geranien rausgestellt. Aber mittlerweile ist ja der April meistens auch richtig warm und die Eisheiligen nicht mehr so eisig, da stellen die Leute die Blumen schon im April hinaus – mit dem Risiko, dass es doch zu früh gewesen sein könnte, und sie erfrieren», berichtet die gelernte Gärtnerin, die bereits seit 18 Jahren in der Niederwiler Gärtnerei arbeitet.
Im Winter konnten die Angestellten der Gärtnerei Gisler ihre Überstunden kompensieren, am Mittwoch war der Laden jeweils geschlossen. «Im Frühling ist das vorbei, jetzt ist wieder ständig offen. Die Vollzeitangestellten arbeiten oft auch samstags und die Teilzeitleute wie ich erhöhen ihre Pensen. Denn jetzt sind wir gefordert.»

Dennoch gelte bei einigen Pflanzen noch Vorsicht, hält Bieri fest: «Viele Leute möchten am liebsten jetzt schon die Blumen rausstellen, die den ganzen Sommer über bleiben, beispielsweise eben die Geranien. Sie nehmen es manchmal nicht so ernst, wenn wir sie davor warnen, dass diese Pflanzen Frostnächte nicht überstehen. Sie sagen, jetzt werde es sicher nicht mehr gefrieren.» Sie lacht und fügt hinzu: «Wenn man das jeweils vorher wüsste. . .» Aber es solle jeder die Blumen pflanzen, die ihm gefallen. «Vielleicht muss man dann eben einfach nochmals welche kaufen, wenn man Pech hat.» Nach diesem Satz muss Bieri wieder an die Kasse – die nächsten Blumenfreunde warten schon auf sie. Andrea Weibel

Winterklamotten ab in den Schrank

Marianne (links) und Jeannette Stöckli haben derzeit alle Hände voll zu tun. Chef Daniel Schaerer legt selber Hand an, um mit den ganzen Winterwäschebergen fertig zu werden.

Marianne (links) und Jeannette Stöckli haben derzeit alle Hände voll zu tun. Chef Daniel Schaerer legt selber Hand an, um mit den ganzen Winterwäschebergen fertig zu werden.

Niemand hat jetzt wirklich noch Lust, im wollenen Wintermantel, in der dicken Daunenjacke oder sogar im Skianzug nach draussen zu gehen. All diese Wintertextilien, inklusive Winterduvets und sogar Vorhänge, landen dieser Tage in den Waschmaschinen von Textilreinigungsfirmen, wo sie fachgerecht von Schmutz-, Schweiss- und Make-up-Rückständen befreit und für die Übersömmerung bereitgemacht werden.

Die Textilpflege Reuss AG in Bremgarten ist eines dieser Unternehmen. «Wir sind schon mitten drin in der Winterwäsche», bestätigt Inhaber Daniel Schaerer, «und es wird in nächster Zeit noch viel mehr werden.» Der Textilreinigungsprofi spricht aus langjähriger Erfahrung. Er ist auch im Vorstand des Verbandes Textilpflege Schweiz. Für ihn gibt es kaum einen Fleck, mit dem er und seine vier Mitarbeiter nicht fertig würden. Wichtig ist nur, dass man den Flecken überhaupt zu Leibe rückt, denn: «Wenn man die Winterkleider nicht reinigt und sie mit Flecken irgendwo hinhängt oder -legt, wo Licht und Luft rankommen, dann können sich die Flecken im Gewebe fixieren.»

Wer in einer Textilreinigung arbeitet, muss hart im Nehmen sein. «Wir erhalten hier den totalen Rückblick auf alles, was die Leute gegessen haben», sagt Schaerer. Er spricht von Essensrückständen vor, während und nach der Verdauung, wie von Blut, Schweiss und anderen Körpersäften. «Aber das ist für uns ganz normal. Uns haut da nichts so schnell um», lächelt der Saubermacher. Christian Breitschmid

Die Läufer wollen raus – sofort

Peter Bättig zeigt einen der neuen Laufschuhe der Saison. Sie gehen bei ihm derzeit weg wie warme Brötli.

Peter Bättig zeigt einen der neuen Laufschuhe der Saison. Sie gehen bei ihm derzeit weg wie warme Brötli.

Echte Sportler lassen sich von schlechtem Wetter oder winterlichen Temperaturen nicht aufhalten. Dennoch löst der warme Sonnenschein der letzten Tage bei ihnen das gleiche Gefühl aus wie bei Ab-Und-Zu-Sportlern: «Die Leute wollen raus, und zwar sofort», sagt Peter Bättig lachend. Er führt das Sportgeschäft pb Sports in Wohlen und spürt den Frühling in seinem Laden sehr gut. «Bei mir decken sich häufig Triathleten und Läufer ein, die mehrmals pro Woche Sport treiben. Die brauchen dann auch sicher zwei- bis dreimal pro Jahr neue Schuhe. Auch im Frühling.» Doch sobald es draussen warm werde, kämen auch die anderen Sportler, die vielleicht einmal pro Woche rennen gehen wollen, bei ihm vorbei. «Auch sie merken, wenn sie sich Laufschuhe im Internet bestellen oder beim Discounter kaufen, sind die zwar günstiger, aber vermutlich ungeeignet für ihre Füsse. Denn jeder Fuss ist anders, da lohnt sich eine gute Beratung.»

Gerade den Triathleten reichen aber neue Laufschuhe im Frühling nicht. «Sie wollen wieder ins offene Wasser, darum kaufen sie sich um diese Jahreszeit Neopren-Anzüge, um endlich wieder im See trainieren zu können», erklärt Bättig. «Sobald die Sonne kommt, merkt man, wie sie fast durchdrehen», lacht er. Andrea Weibel