Jetzt sind sie wieder da. Die Störche im Murimoos klappern um die Wette und erfreuen mit ihrem eleganten Flug die Besucherinnen und Besucher. «Sie sind früher als sonst», stellt Storchenvater Agustin Gavilan fest, «aber das scheint inzwischen der Normalfall zu sein.»

Fast 30 Horste auf dem Gelände vom Murimoos sowie in unmittelbarer Nähe sind besetzt. Beim Dorfplatz musste aus Sicherheitsgründen das Horsten der Störche sogar eingeschränkt werden.

Störche im Murimoos

Störche im Murimoos

Bleibt das Wetter warm und einigermassen trocken, ist die relativ frühe Ankunft für die Störche kein Problem. Wird es aber nass und kalt und die Jungtiere sind noch im Flaum und nicht in einem schützenden Federkleid, ist ihr Leben bedroht.

2013 bleibt Gavilan diesbezüglich in schlechter Erinnerung: Es konnten damals lediglich 20 Jungtiere beringt werden, ein Drittel der sonst üblichen Anzahl Jungstörche im Murimoos.

Die Jungstörche, die zur Zeit des lang anhaltenden Regens mit tiefen Temperaturen geboren wurden, erfroren in ihren in luftiger Höhe exponierten Nestern. Viel besser war es im letzten Jahr: Die Zählung ergab eine Rekordpopulation von 35 Paaren mit 92 Jungen.

Lange Reisen

Im Herbst sind die meisten Murimoos-Störche weggezogen in den Süden, über Frankreich, Spanien, Gibraltar, Marokko und Mauretanien nach Mali oder bis nach Ghana und im Frühling wieder zurück. Dabei legten sie bis zum 10 000 Kilometer zurück. Nicht alle überleben diese Reisen jeweils. Einige fallen elektrischen Verdrahtungen, Umweltchemikalien oder auch Abschüssen zum Opfer.

Murimoos als idealer Ort

Ab 1950 galt der Storch bei uns als praktisch ausgestorben. Max Blösch hatte die Idee, den erlöschenden Storchenbestand durch Gehegezucht zu stützen, unterstützt von einem Wildhüter. Daraus entstand die legendäre Storchenstation Altreu. Die Leitung der sogenannten Arbeitskolonie Murimoos kam 1986 zur Überzeugung, dass sich das Gebiet für die Wiederansiedlung des Storches eigne. Diese Meinung teilte Blösch. Im Herbst 1987 brachte er eine Gruppe von zwölf Störchen ins Murimoos. Im Frühjahr 1988 wurden acht Störche freigelassen, vier Jungstörche blieben als sogenannte Bodenstörche im Gehege. Von den freigelassenen Störchen haben sich drei Brutpaare gebildet, die sofort die bereitgestellten Horstunterlagen auf den umliegenden Dächern bezogen. Zudem sind schon im ersten Jahr zwei fremde Brutpaare zugeflogen. Waren es 2000 noch acht brütende Paare, konnten im Sommer 2012 34 Horste mit 76 Jungen gezählt werden.

Heute werden in der Schweiz keine Störche mehr in Gehegen gehalten, auf eine Zufütterung wird verzichtet. Die Gegend selbst soll angesiedelten, frei fliegenden Störchen genügend Nahrung für die Aufzucht ihrer Jungen bieten. Im Murimoos herrschen mit dem Biolandbau, den ökologischen Ausgleichsflächen, dem Weidebetrieb und den Feuchtgebieten sehr gute Voraussetzungen.