Die Freiämter haben das Treppchen erobert. Gleich mehrere Medaillen bringen die frischgebackenen Olympioniken aus Abu Dhabi mit nach Hause. Insgesamt holte sich die Schweiz 12 Goldmedaillen, 15 Mal Silber und 14 Mal Bronze. Die Freiämter haben fleissig mitgesammelt. Judoka Markus Schaarschmidt aus Waltenschwil erkämpfte sich Gold. Die Schwimmerin Elhome Elshani aus Dottikon holte sich gar Gold (Freistil) und Silber (Brust) sowie Bronze in der Staffel, ihre Kollegin Elke Lindig aus Sarmenstorf erreichte Gold im Freistil. Und die Radfahrerin Claudia Schmidt aus Bremgarten belegte zweimal den vierten und einmal den achten Rang.

Pilot begrüsst sie persönlich

Dabei waren die Medaillen für sie im Grunde nur die Kirsche auf dem grossen Coupe, denn allein schon das Abenteuer der Reise und das Treffen der Delegationen aus aller Welt hat sich für die Freiämterinnen und Freiämter mehr als gelohnt. Für einige von ihnen war es das erste Mal, dass sie so lange ohne ihre Eltern unterwegs waren.

In seinem Tagebuch hat Schwimmtrainer Guido Hufschmid das Geschehen mit überschwänglichen Worten festgehalten. Hier einige Ausschnitte: 

«Donnerstag, 7. März. Das Abenteuer Special Olympics World Games in Abu Dhabi 2019 geht los.» In Opfikon wird die Schweizer Delegation von Botschafterin Christa Rigozzi beglückwünscht. «Tranquillo Barnetta und Simon Ammann müssen sich leider entschuldigen, da sie sportlich im Einsatz sind.»

In der Trainerjacke in Schweizer Farben passiert die 90-köpfige Delegation den Zoll. «Im Flieger treffen wir mit viel Freude auf das Team Lichtenstein. Der Pilot und seine Crew begrüssen uns persönlich», schreibt Hufschmid. Weiter gehts nach Sharjah ins Hotel. Dort wird erst einmal geschlafen. Zum Frühstück treffen sie die Teams aus Monaco, Honduras, Brasilien, Italien und der Dominikanischen Republik.

Am 11. März gehts ans Schwimmen. «Leider muss sich unsere Delegation teilen. Die Wettkämpfe finden in Abu Dhabi und Dubai statt. Unser neues Hotel in Dubai ist gigantisch. Wir fühlen uns wie im Paradies», staunt Hufschmid. «Das Hamdan Schwimmzentrum ist riesig. Die Halle beinhaltet eine Einschwimmhalle, die etwa so gross ist wie das Hallenbad Mellingen (8 Bahnen à 50 Meter und 8 Bahnen à 25 Meter). Die eigentliche Schwimmhalle, die über 40'000 Sitzplätze verfügt, ist gewaltig.» Am 12. und 13. März bringen die drei Schwimmerinnen des Behindertensportclubs Wohlen-Bremgarten, von denen zwei aus dem Freiamt stammen, die Qualifikationen hinter sich.

Erste Medaillen

14. März: Tag der Eröffnungsfeier im Fussballstadion von Abu Dhabi. «Am Nachmittag fahren wir schick gekleidet im Älplerdress und Strohhut gemeinsam mit den Leichtathleten in die zwei Stunden entfernte Grossstadt Abu Dhabi.» Dort treffen sich 7000 Athleten, 3000 Betreuer, 5000 Helfer und 70'000 jubelnde Zuschauer.

Am 15. März geht die Jagd nach den Medaillen endlich richtig los. «Unsere Staffel, bestehend aus dem Team Sierre, vertreten durch Fabienne Salamin und Carole Berclaz, und meinen Mädels Elhome Elshani und Sophia Hütter. Alle sind bereit zum Angreifen. Die 4×25-Meter-Staffel wird von Kolumbien, Tunesien, Kanada, Irak, den Arabischen Emiraten und uns bestritten.» Schon holen sich die Schweizerinnen ihre erste Medaille: «Mit neuer Bestzeit belegen wir den hervorragenden 3. Rang. An der anschliessenden Siegerehrung gibt es das erste Mal feuchte Augen.»

Die Einzelwettbewerbe folgen am 16. März. «Fabienne Salamin holt im Feld von acht Nationen Gold.» Elhome Elshani hat hart trainiert und letztes Jahr an vier Wettbewerben jeweils den vierten Platz ergattert. Das sollte sich nun ändern: «Super Startsprung und los gehts. Mit Armzügen und gutem Crawlbeinschlag distanzierte sie die zweite aus Belgien ganz knapp. Am Schluss weiss ich nicht, wer gewonnen hat. Vor lauter Daumendrücken habe ich mir fast die Daumen gebrochen», macht es der Trainer spannend. «Jetzt erscheint auf der grossen Anzeigetafel: 1. Elhome Elshani, ich habe Freudentränen.»

Auch bei Elke Lindig und Sophia Hütter glückt der Start. «Schon bald setzen sich meine Mädels von den Frauen aus Litauen ab. Elke wendet besser und liegt einen Meter vor Sophia. Mir fällt fast das Herz in die Hosen. Sie belegen tatsächlich die Plätze eins und zwei. Die Freude ist überwältigend.» Eine Siegerehrung kann nicht schöner sein: dreimal Gold und einmal Silber. «Ein wahnsinniger Tag liegt hinter uns, den wir mit einer kleinen Zeremonie im Hotel mit Klängen aus meinem mitgeführten Alphorn feiern.

Die Schweizer Delegation wird morgen, am 22. März, um 6.40 Uhr am Flughafen Zürich stolz und glücklich von ihren Familien in Empfang genommen. Dabei werden auch Vertreter des Behindertensportclubs Wohlen-Lenzburg sowie Vertreter des Judo & Aikido Clubs (JAC) Wohlen sein. Daheim werden dann weitere Feiern für die einzelnen Athleten stattfinden. Sicher ist bereits, dass der JAC zusammen mit den Gemeindeammännern von Wohlen und Waltenschwil am 27. März feiert.