Wohlen
Frisch gemahlen, nicht gekapselt: Er weiss, wie Kaffee sein muss

«Kafi-Mech» Richard Heidt überführt seinen Betrieb in Wohlen mit all seinem Know-how in die Bernhard Hegi AG.

Christian Breitschmid
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Richard Heidt kennt jede seiner Kaffeemaschinen in- und auswendig. Was er repariert, das läuft wieder.

Richard Heidt kennt jede seiner Kaffeemaschinen in- und auswendig. Was er repariert, das läuft wieder.

Christian Breitschmid

«Klein oder gross?», fragt der Inhaber des Kafi & Grill Shops, öffnet den Tassenbehälter seines Vollautomaten, stellt die vorgewärmte Tasse unter die chromglänzenden Röhrchen und schon ergiesst sich ein herrlich duftender, goldbrauner Strom dickflüssigen, samtig schäumenden Kaffees ins Glas.

Richard Heidt strahlt während dieses Vorgangs übers ganze Gesicht. So stellt man sich einen stolzen Vater vor, dem die Hebamme sein Erstgeborenes in die Arme legt.

«So muss ein Kaffee sein», schwärmt der «Kafi-Mech», der sich mit seinem Dienstleistungsunternehmen in den vergangenen 20 Jahren im ganzen Freiamt und weit darüber hinaus einen Namen gemacht hat.

«Er muss ein volles Aroma haben, heiss muss er sein, einen runden Geschmack muss er haben und keinen bitteren Abgang. Genau so wie ein guter Wein. Der muss einem behagen von den Lippen über den Gaumen bis hinunter in den Magen.»

Konkurrenzlos im Freiamt

Der gelernte Koch mit Handelsdiplom und einer Ausbildung in Betriebsführung weiss, wovon er spricht. Er hat lange im Gastgewerbe gearbeitet und kann gute von schlechter Qualität unterscheiden. Als sich in seiner Branche die Krise abzuzeichnen begann, suchte er nach einem neuen Betätigungsfeld.

Fündig wurde er bei einem Bekannten, der in Thun defekte Kaffeemaschinen reparierte. «Da ich hier im Freiamt keine Konkurrenz für ihn war, hat er mir alles gezeigt, was ich wissen musste», erzählt Heidt.

In einer kleinen Werkstatt im Ortsbürgerhaus Waltenschwil hat er 1997 angefangen. «Damals war das ganze Geschäft mit den Kaffeevollautomaten fest in der Hand von Saeco und Solis. Saeco hatte damals einen Marktanteil von 60–70 Prozent.»

Die Tür geht auf und ein Paar, mit einer Kaffeemaschine beladen, betritt den Laden. Als sie erfahren, dass ihr «Kafi-Mech» gerade von der Zeitung befragt wird, ruft der Mann: «Schreiben Sie: Er ist der Beste!» Ehepaar Schmid ist seit 1997 Kunde von Heidt.

Trotz prekärer Strassenverhältnisse an diesem Donnerstagmorgen sind die beiden von Sins nach Wohlen gefahren, weil ihre Maschine eine Errormeldung angezeigt und komische Geräusche gemacht hat.

Heidt füllt Wasser in den Tank, startet die Maschine und untersucht sämtliche Funktionen. Alles läuft einwandfrei. Hanspeter Schmid ist froh und verblüfft zugleich. «Vielleicht hat ihr einfach das Ausfährtchen gutgetan», scherzt Heidt. «Es kann schon sein, dass das Schütteln während der Fahrt etwas bewirkt hat. Aber wenn der Fehler wieder auftritt, dann kommen Sie noch einmal vorbei.» Schmids bedanken sich herzlich und fahren mit ihrer Maschine heim. Der nächste Kunde ist schon im Anmarsch.

Allein schon die Kundenkontakte an diesem Vormittag zeigen, wie begehrt das Angebot von Richard Heidt ist. «Ich wusste schon damals, als ich in Waltenschwil anfing, dass dieses Geschäft laufen würde», sagt der mittlerweile 64-Jährige. 2004 zog er mit seinem Betrieb nach Wohlen.

Zuerst an die Zentralstrasse 34, 2010 dann an den heutigen Standort an der Villmergerstrasse, beim Freiämterhof. «Mit jedem Umzug habe ich etwas mehr Platz erhalten. So konnte ich mir 2013 einen Traum erfüllen, als ich die Vertretung für Weber Grills übernehmen durfte», schwärmt Heidt. Damals stagnierte der Kaffeemaschinenmarkt, da kam dem umtriebigen Geschäftsmann die Erweiterung seines Angebots gerade recht.

Nachhaltigkeit vor allem

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Richard Heidt nie bereut. «Ich war nie gern Mitarbeiter», sagt der Ein-Mann-Betriebler, der sich in all den Jahren doch immer auch auf die Unterstützung seiner Frau, Marianne, und seiner Tochter, Corinne, verlassen konnte.

Seine Devise sei immer gewesen: «Wir verkaufen keine Rabatte, wir verkaufen Dienstleistungen.» Darum hat er sich auf qualitativ hochstehende Kaffeevollautomaten spezialisiert und überlässt das Geschäft mit Kapselmaschinen gerne günstigeren Anbietern.

«Ich habe einen Kunden, dessen Jura-Maschine läuft seit 14 Jahren und er hat schon 55 558 Kaffees rausgelassen. Das hätte ihn mit einer Kapselmaschine etwa 25 000 Franken gekostet.»

Nachhaltigkeit ist ihm wichtig, bei sich selber und für seine Kundschaft: «Darum sage ich immer, man muss nicht rechnen können, man muss kalkulieren können.» Und weil er richtig kalkuliert hat, darf er in gut einem Jahr seinen Kaffee dort geniessen, wo ihn seine Reiselust gerade hinzieht. Es läuft ja weiter (siehe Artikel unten).

Richard Heidt schult und unterstützt Mitarbeiter der Bernhard Hegi AG nach Bedarf

Offiziell übernimmt die Bernhard Hegi AG (EP: Hegi) die Vertretungen der Marken Jura und Weber von Richard Heidt per 1. April. Der Umzug seines Geschäfts und die Schulung der Hegi-Mitarbeiter am Schützenmattweg 33 haben aber bereits begonnen.

Für Heidt eine Win-win-Situation: «Letztes Jahr habe ich mit meiner Frau vereinbart, dass ich kürzertrete. Da kam Beni Hegi auf mich zu und erzählte mir, dass er gerne Weber Grills in sein Sortiment aufnehmen würde, ob er mit mir mal darüber sprechen könne.» Gesagt, getan.

Die beiden Geschäftsleute kamen überein, dass Hegi die Markenvertretungen und das Inventar des Kafi & Grill Shops übernehmen würde.

Gleichzeitig konnte Bernhard Hegi den «Kafi-Mech» dafür gewinnen, als Freelancer sein Know-how im Verkauf und im Service an seine Mitarbeiter weiterzugeben. «Das gefällt mir», sagt Heidt, «denn so bleibe ich weiter unabhängig und arbeite einfach nach Bedarf.

Meine Kunden wissen, dass ich noch da bin und dass sie am neuen Ort den für sie gewohnten Service und die Fachberatung erhalten.» Heidt meint, dass er noch rund ein Jahr auf diese Weise weiterarbeiten wird, dann will er sich seinen Hobbys widmen: reisen, reiten, Ski fahren, campen.

Mehr von seinen Plänen will der «Kafi-Mech», der täglich vier bis fünf Espressi trinkt, «pur, nur mit etwas Zucker», nicht verraten. «Meine Zukunft erfährt man über Facebook», spöttelt er mit Zwinkerauge. Er, der sich mit seiner Geschäftsidee bewusst von der schnelllebigen Wegwerfgesellschaft abgegrenzt hat, will sicher geniessen, nicht posten. (ian)