Ein Ständchen der Musikgesellschaft Oberwil-Lieli vor rund 60 Dorfbewohnern auf dem Vorplatz des neuen Gebäudes lancierte das Eröffnungsfest. Gemeindeammann Andreas Glarner sprach von einem «Freudentag» in der Gemeinde mit den 2200 Einwohnern.

Der Neubau am Hang unterhalb der Kirche im Ortsteil Oberwil, der die Handschrift der jungen Architektin Cécile Treier aus Widen trägt, sieht gefällig, ja ein wenig mondän aus. Drei grössere Giebeldächer sowie zwei kleinere prägen die Hauptfront des zweigeschossigen Gebäudes. Diese fünfteilige Dachstruktur, deren Fortsetzung als grossflächiges Walmdach ausgebildet ist, verleiht dem Neubau eine gewisse Leichtigkeit.
Dass das Bauvolumen beachtliche 6000 Kubikmeter beträgt, was sechs Einfamilienhäusern entspricht, sieht man dem Kindergarten- und Mehrzweckgebäude nicht an.

«Büro auf Zeit» im Kindergarten

Die inneren Werte des Gebäudes überzeugen, die geschickt angeordneten Räumlichkeiten sind hell ausgefallen und mit viel Holz ausgestattet. Im oberen Stockwerk befinden sich ein grösserer Mehrzweckraum sowie zwei Kindergartenabteilungen. Den einen Kindergartenraum nutzen seit Beginn des neuen Schuljahrs die Kindergärtler. Im zweiten Kindergartenraum, den die Schule vorderhand nicht benötigt, hat sich Architektin Cécile Treier mit einem «Büro auf Zeit» eingemietet.

Dem unteren Stockwerk des teils unterkellerten Neubaus sind ein Jugendraum, ein Spielgruppenraum sowie ein Musikzimmer mit Akustikdecke angegliedert, das der vom neuen Dirigenten Gilbert Théraulaz geleiteten Musikgesellschaft als Probelokal dient.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpanlage bildet das Energiesystem. Die Räume jedes Stockwerks sind rollstuhlgängig. Eine ursprünglich nicht vorgesehene Liftanlage, die von der Organisation Procap gefordert worden war, ermöglicht Rollstuhlfahrern die Erreichbarkeit aller Geschosse.

Laut Cécile Treier und Baukommissionsmitglied Georges Rey kann der Kostenrahmen von 4,15 Millionen Franken, inklusive Liftanlage, eingehalten werden. Noch fehlt ein schöner Teil der Umgebungsarbeiten, was nicht erstaunt. Denn das stattliche neue Gebäude entstand innert einer Bauzeit von lediglich einem Jahr, dies trotz eines Dachbrands während der Bauerei.

Tauziehen ums «Schuelhüsli»

Die zügige Erstellung hat eine längere Vorgeschichte, wie Glarner ausführte. Im Jahr 2007 bewilligte die Gemeindeversammlung das Neubauprojekt samt Abbruch des alten «Schuelhüslis» an der Prügelgasse. Einige Dorfbewohner sowie der kantonale Denkmalschutz und der Heimatschutz hatten sich für den Erhalt und die Sanierung des «Schuelhüslis» eingesetzt; mehrere Jahre dauerte das Tauziehen ums kleine Schulhaus, das dann im Frühling 2013 abgebrochen wurde. 

Dass das junge Architektenteam Cécile Treier/Tobias Werner den Neubau souverän, rasch und kostengünstig geschultert habe, verdiene Respekt, sagte Glarner.