Zahlungsmoral
Freiämter zahlen ihre Rechnungen schlechter als kantonaler Durchschnitt

Viele Gemeinden im Freiamt klagen über die jährlich steigende Anzahl Betreibungen. In den letzten drei Jahren stiegen die Betreibungen um einen Viertel. Auch bei den Verlustscheinen gab es einen neuen Rekordwert.

Lukas Scherrer
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25- bis 29-Jährige sind oftmals stark verschuldet (Symbolbild).

25- bis 29-Jährige sind oftmals stark verschuldet (Symbolbild).

Peter Siegrist

Es gibt viel zu tun im Betreibungsamt Dottikon: In den letzten drei Jahren haben sich dort die eingegangenen Betreibungen um rund 23 Prozent auf 1310 erhöht. Damit kletterte auch der Betrag der Verlustscheine auf den Rekordwert von über 1,3 Millionen Franken.

Diese Entwicklung sei bedenklich und liege weit über dem kantonalen Durchschnitt, wie die Gemeindeverwaltung in ihrer Mitteilung schreibt. Für den Dottiker Betreibungsbeamten Marius Gunzinger sind die Gründe für die schlechte Zahlungsmoral klar: «In Dottikon leben viele Ausländer, die nur wenig verdienen, aber teure Wünsche haben.»

Diese Wünsche würden dann oft ohne Rücksicht auf die tatsächliche Kaufkraft oder «auf Pump» befriedigt, so Gunzinger. Auch die Bezahlung teurer Krankenkassen- und Handyverträge oder die rechtzeitige Überweisung von Steuerbeträgen seien ein Dauerthema im Dottiker Betreibungsamt.

Probleme auch bei den Nachbarn

Auch in der angrenzenden Gemeinde Villmergen klagt man über die Zahlungsmoral der Bürger. Dort hat die Anzahl der Betreibungen gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zugenommen, sagt Betreibungsbeamter Gerold Brunner. Diese Zunahme resultiere aus dem hohen Bevölkerungswachstum in Villmergen. Seit 2010 ist die Einwohnerzahl der Gemeinde von 5948 Personen auf 6728 gestiegen. Auch der Anteil ausländischer Einwohner stieg dabei stetig auf den heutigen Rekordwert von 27,6 Prozent an.

In der Nachbargemeinde Wohlen findet man auch keine schöneren Worte. «Nachdem wir 2012 ein absolutes Rekordhoch an Betreibungen verzeichneten, hat sich die Situation 2013 nicht verbessert», sagt Werner Lüpold, Betreibungsbeamter für die Gemeinden Wohlen, Hägglingen und Niederwil. Es habe zwar weniger Zahlungsbefehle gegeben, dafür aber mehr Pfändungen, so Lüpold weiter.

Für den Wohler Betreibungsbeamten liegen die Gründe für die negative Entwicklung in den Missständen der heutigen Zeit. «Wer ein Elektrogeschäft betritt, sieht nicht mehr den Preis der Geräte, sondern was er monatlich abstottern muss», erklärt Werner Lüpold. «Das Angebot ist gross und verlockend, doch irgendwann geht die Rechnung nicht mehr auf.»

Um das anhaltende Problem der Verschuldung zu entschärfen, sieht Werner Lüpold nur eine Lösung: «Steuer- und Krankenkassenbeträge müssten direkt vom Lohn abgezogen werden, damit die Verschuldung nicht Überhand gewinnt.»