Wohlen
Freiämter will den Schweizer Rekord auf der Slackline überbieten

Marc Kraft (25) schafft es bisher wohl als einziger Freiämter, 125 Meter auf einer Slackline zurückzulegen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den Schweizer Rekord von derzeit 235 Metern zu knacken.

Andrea Weibel
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Slackliner Marc Kraft ist wohl der Einzige im Freiamt, der schon 125 Meter über das wackelige Band gelaufen ist. aw

Slackliner Marc Kraft ist wohl der Einzige im Freiamt, der schon 125 Meter über das wackelige Band gelaufen ist. aw

«Wow, schaut mal!», ruft ein Junge seinen Freunden zu, die auf dem Platz bei der Junkholz-Turnhalle Fussball spielen. Er zeigt auf einen Mann, der etwa einen Meter über der 100-Meter-Tartanbahn auf einem dünnen Band balanciert. Das Band wackelt ein bisschen, liegt aber ziemlich stabil unter seinen Füssen. Erst wenn man näher herangeht, sieht man seinem Gesicht an, dass der junge Mann mit seinem ganzen Körper gegen die Schwerkraft kämpft. Er ist schon weit über die Mitte des Bandes hinausbalanciert, da verliert er auf einmal das Gleichgewicht und landet auf der Tartanbahn. Unzufrieden schüttelt er den Kopf. «Fast», sagt er.

Was ist Slackline?

Das Balancieren auf einem 2,5 bis 5 cm breiten Kunstfaserband zwischen zwei Fixpunkten (meist Bäumen) nennt sich Slacklinen. Es wird als eigenständige Sportart, aber auch zum Gleichgewichtstraining und in der Physiotherapie verwendet und entwickelte sich Anfang der 1980er-Jahre unter Kletterern in den USA. Eine Jump- oder Trickline wird sehr straff gespannt, damit man darauf wie auf einem Trampolin springen kann. Die Rodeo- oder Akro-Line hängt fast bis zum Boden durch und ist schwierig zu begehen, dafür gut zum Schaukeln. Ab einer Länge von 30 Metern spricht man von einer Longline. Highlines dagegen sind in grosser Höhe, beispielsweise über einer Schlucht, angebracht. Der Slackliner trägt dabei einen Klettergurt und ist mittels Sicherheitsleine gesichert. Eine Slackline über Wasser bezeichnet man als Water- oder Splashline. (aw)

Kraft und Konzentration

Aber warum spannt man ein Band zwischen zwei Bäume und geht darüber, bis einem die Muskeln schmerzen? «Es ist ein Kampf mit sich selbst, eine Herausforderung für Körper und Kopf», erklärt Kraft. «Einerseits sind sämtliche Muskeln im Körper aktiv, um die Balance zu halten, andererseits verbessert das Slacklinen die Konzentrationsfähigkeit.» Beim Balancieren denkt er an nichts anderes als an die Line und sein Gleichgewicht. «Andere versuchen, ein Lied im Kopf mitzusingen oder sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Da gibt es die verschiedensten Tricks. Aber konzentrieren muss man sich immer.»

Und wieso ausgerechnet über der Tartanbahn beim Junkholz? «Weil es hier zwei genügend starke Bäume im richtigen Abstand voneinander gibt», sagt er grinsend. Auch bei der Kanti gebe es eine geeignete Stelle, dort hat Marc Kraft erstmals seine kürzeren Lines aufgehängt.

Enorm schnelle Fortschritte

Baumschäden: Mit Respekt gegen Slacklineverbote

Slackliner sind Outdoor-Sportler. Sie brauchen kein Stadion, sondern nur zwei Bäume, zwischen die sie ihre Lines hängen können. In einigen Städten ist das Slacklinen in Parks jedoch verboten. «Das hat meist damit zu tun, dass die Sportler die Verwaltung zu wenig informiert haben», so Thomas Buckingham, Präsident des Schweizer Slackline-Verbands. Ein Argument sind Baumschäden. «Es ist erwiesen, dass den Bäumen nichts passiert wenn man Baumschützer verwendet und nur Bäume umspannt, die über 30 Zentimeter dick und gesund sind», so Buckingham. «Respektiere deine Umwelt - Wiesen und Plätze sind für alle da» oder «sprich mit interessierten und kritischen Personen» sind weitere der zehn Grundsätze des Verbands. «Damit können wir viel dazu beitragen, dass Passanten Verständnis und sogar Interesse für den Sport entwickeln.» (aw)

Unterdessen bildeten sich in der Schweiz immer mehr Slackline-Vereine, die grössten unter ihnen in Bern und Zürich, aber auch in der Romandie, in Luzern und im Aargau gibt es immer grössere Gruppen, die sich mehrmals pro Woche treffen, um gemeinsam zu trainieren. Vor allem via Facebook finden und vernetzen sich die Slackliner.

Ziel: Schweizer Rekord

Marc Kraft hat sich zum Ziel gesetzt, den Schweizer Rekord von derzeit 235 Metern zu knacken. «In den USA laufen sie zum Teil fast 500 Meter – einen halben Kilometer auf einem wackeligen Band. Aber das ist für mich vollkommen unrealistisch», ist er ehrlich. Er freut sich auf den Sommer: «Ich konnte die Line zwar auch im Winter oft spannen, weil es selten zu kalt war. Aber im Sommer können wir auch Lines über dem Wasser oder Highlines in den Bergen montieren. Unterdessen kenne ich viele Leute in der Szene. Das wird grossartig.»

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