Inferno Rennen Mürren
Freiämter Podestplätze am Inferno-Rennen

Mürren Skifahrer aus der Region setzten sich auf der 9,5 Kilometer langen Strecke hervorragend in Szene

Willi Steffen
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Hermann Strebel (links) und Christoph Zemp. Willi Steffen

Hermann Strebel (links) und Christoph Zemp. Willi Steffen

WS

Das Freiamt ist aufgrund seiner geografischen Lage keine eigentliche Skiregion. Dennoch haben drei Teilnehmer aus unserer Region das traditionelle Inferno-Langstrecken-Skirennen 2016 in Mürren dominiert. Je einmal Gold, Silber und Bronze war die Ausbeute. Mit der hohen Startnummer 1757 hat der 17-jährige Buttwiler Christoph Zemp die Rangliste zu einem Zeitpunkt noch einmal kräftig durcheinandergewirbelt, als die Siegerehrung schon im Gange war.

Die Leistung der «Flachländer» hat die auf dem Papier übermächtigen «Bergler» erstaunt. Insbesondere jene des Grünschnabels aus Buttwil, der mit seiner Leistung den Glanzpunkt des Rennens setzte. Die Feierlichkeiten im Ziel waren schon im Gange, als der 17-jährige Christoph Zemp in der Hauptklasse mit der Startnummer 1757 zum Sturm auf das Podest ansetzte.

Wie auf Schienen kurvte er über die 9,5 Kilometer lange Strecke zwischen dem Schilthorn und der Winteregg. Und tatsächlich: Was kaum einer für möglich hielt, traf ein. Nach der Zieldurchfahrt leuchtete die Drei auf der Anzeigetafel. «Als ich auf die Anzeigetafel schaute, traute ich meinen Augen nicht. Dabei bin ohne grosse Ambitionen an den Start gegangen», so Zemp.

Hundertstel-Entscheidung

Ungläubiges Kopfschütteln rundum und bitter für den bis zu diesem Zeitpunkt drittplatzierten Dani Brawald. Man kann nur erahnen, was im Kopf des Grindelwaldners vorging, als er wegen unglaublicher sechs Hundertstelsekunden auf den undankbaren vierten Rang verwiesen wurde. Ganz anders die Stimmung im Lager des Freiämters. Dort wich das Staunen schon bald ausgelassener Freude.

Für Zemp und sein Umfeld war dieser Erfolg eine kleine Entschädigung für die grossen Entbehrungen, die er in seiner Kinder- und Jugendzeit auf sich genommen hatte. Bis vor einem Jahr setzte er nämlich auf eine Skirennfahrerkarriere. In das Zentralschweizer Kader hatte er es bereits geschafft. Bei den Fis-Rennen stiess er aber an seine Grenzen. Was für viele einer Sensation glich, kam für seinen Skiklubkollegen (SC Sins) Hermann Strebel nicht überraschend.

«Für mich war Christoph ein Geheimfavorit. Erst recht nachdem sich die Wetterverhältnisse im Lauf des Tages zu seinen Gunsten entwickelten.» Zu den veränderten Wetterverhältnissen ist zu sagen, dass Zemp wegen seiner hohen Startnummer erst einige Stunden nach den Spitzenfahrern auf die Piste ging. Der Leistung des Jungspunds tut dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. «Die besseren Sichtverhältnisse sind ihm zwar entgegengekommen», so Strebel. Man müsse es aber dann immer noch ins Ziel bringen. Ebenfalls dürfe man nicht vergessen, dass Zemp, im Gegensatz zu seinen Konkurrenten aus der Spitzengruppe, erstmals am Inferno teilnahm.

Siegerehrung statt Heimreise

Eine weitere erstaunliche Geschichte schrieb Hermann Strebel selber. Eigentlich wollte er kurz nach der Zieldurchfahrt in der Klasse «Senioren II» in die Skiferien abreisen. Als er, schon umgekleidet, seine Unterkunft verliess, erfuhr er, dass er immer noch auf Podest-Kurs war. Und siehe da, als der letzte Athlet im Ziel war, wurde der Name des Aristauers in der Rangliste auf Rang zwei aufgeführt – der bisher einzige Podest-Rang seit seiner ersten Teilnahme vor rund 25 Jahren. «Ich habe schon vor dem Start gespürt, dass etwas Spezielles geschehen wird», erinnert sich der 53-Jährige. Als er dann locker und fokussiert aus dem Starthaus schoss, habe er sich wie in einem Tunnel gefühlt. Es sei einfach sein Tag gewesen.

Dem Freiämter-Sturm im Berner Oberland setzte Kurt Platty von der Mühlauer Skifahrer-Dynastie «Platty» die Krone auf. Nach vielen Erfolgen an Langstrecken Rennen gewann der 59-Jährige in der Kategorie Gentlemen eine weitere Goldmedaille.

Ruedi Wey verbreitete Virus

Drahtzieher der grossen Freiämter Erfolge im Berner Oberland ist der Sinser Sportgeschäftsbesitzer Ruedi Wey. Er war es, der vor vierzig Jahren erstmals am Inferno-Rennen teilnahm und seine Klubkollegen aufmunterte, ebenfalls am prestigeträchtigen Anlass mitzumachen. Da Wey bei jeder Austragung dabei war, feierte er dieses Jahr als 63-Jähriger seine 40. Teilnahme. Bei einigen Durchführungen stand er auch schon zuoberst auf dem Podest.

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