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Freiämter Kinos trotzen Multiplexen und Netflix

Seit es Online-Filmverleihe gibt, haben Videotheken ein schweres Spiel, die Kinos weniger – so trotzen sie Netflix und Co.

Natasha Hähni
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Auch diese Plätze werden heute Abend besetzt sein.

Auch diese Plätze werden heute Abend besetzt sein.

Raphael Hünerfauth

Wenn die Temperaturen langsam in Richtung Gefrierpunkt sinken und die Tage immer kürzer werden, dann steht Filmeschauen wieder regelmässig auf dem Programm. Bis vor ein paar Jahren gab es dafür grundsätzlich drei Optionen: Entweder man ging ins Kino, man hat sich einen Film in der Videotheke ausgeliehen oder sich dem Fernsehprogramm angepasst. Seit es Online-Filmverleihe gibt, sind die Videoverleihe fast komplett ausgestorben.

Das bestätigt Hansjörg Beck vom Kino Rex in Wohlen: «Seit dem 3. September herrscht bei uns in der Videotheke Ausverkauf. Sie ist nicht mehr zeitgemäss, es war an der Zeit, sie aufzulösen.» Er ergänzt: «In einer Videothek bekommt man zwar professionelle Beratung, muss den Film aber wieder zurückbringen und es kann vorkommen, dass der Film, den man schauen will, nicht verfügbar ist. Das ist online natürlich nie der Fall.»

Der allgemeine Kinobetrieb hat durch die Einführung von Online-Plattformen, wie Netflix oder Amazon bis jetzt jedoch kaum Einbussen erlebt. «In den letzten drei Jahren sind die Zuschauerzahlen mehr oder weniger gleich geblieben», erzählt Bruno Arnold vom Cinepol Sins.

Die Mischung machts aus

Ausschlaggebend für eine gute oder eine schlechte Kinosaison seien in erster Linie das Wetter und das aktuelle Filmangebot, da sind sich Beck und Arnold einig. «Wir versuchen immer, ein Programm zusammenzustellen, das auch Nischen abdeckt», hält Arnold fest. Die richtige Mischung von aktuellen Filmtrends und weniger bekannten Filmen sei das A und O. Eine Strategie, die Netflix und Co. mit einer fast unendlichen Auswahl an Filmen und Serien aller Genres perfektioniert haben.

Davon lassen sich die Kinos nicht wirklich beeinflussen: «Mit den Kinos ist es wie mit dem Essen. Ich esse immer gut zu Hause, trotzdem gehe ich ab und zu gerne in ein Restaurant», findet Beck. Das würde hauptsächlich am sozialen Aspekt liegen, den man in den eigenen vier Wänden nicht im selben Masse erleben kann. Aufgrund dieser Erkenntnis wurde das Angebot im Kino Rex Wohlen angepasst. Regelmässige Anlässe für verschiedene Zielgruppen haben sich in den letzten Jahren bewährt. So gibt es beispielsweise die «Ladies Night» mit Apéro und einem «Frauenfilm», oder Liveübertragungen von Oper- und Ballettstücken aus London mit Erklärungen und Interviews in der Pause.

Viel Unterhaltung, wenig neue

Ein Anlass, der eine ganz neue Zielgruppe an Land gezogen hat, ist «Golden Age». Er findet einmal im Monat, immer dienstags, statt. «Zum Teil kommt vom Reusspark sogar ein ganzes Büssli mit Gästen», erwähnt Beck stolz. Für nur 14 Franken können die Filmliebhaber einen Film geniessen und sich anschliessend bei Kaffee und Kuchen darüber austauschen. Da der Platz im Kino begrenzt ist, wird Letzteres normalerweise ins Casa Güpf auf der anderen Strassenseite verlegt.

«Wir sind zwar kein Multiplex, sondern ein kleines Kino, trotzdem können wir den Leuten mit gutem Service und Abwechslung eine gute Zeit garantieren», erklärt Beck. Auch in Sins hat man das Potenzial von Spezialanlässen erkannt. Regisseure werden hier zu Premieren ihrer Filme eingeladen. Das Konzept kommt ebenfalls an.

Onlinefilmverleihe sind also eine Option, um Filme zu schauen. Grundsätzlich haben sie aber – bis jetzt – nicht das Kino verändert, sondern das, was mit den Filmen nach dem Kino passiert.