Kino
Freiämter Kinobetreiber werden nicht nervös

Die 2013 stark gesunkenen Eintrittszahlen gehören zu den normalen Schwankungen im Kinogeschäft. «Kino ist mehr als Film. Wir bieten Ausgang, ein Erlebnis, auch auf dem Land», unterstreicht Hansjörg Beck, Inhaber des Kinos Rex in Wohlen.

Eddy Schambron
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Bruno Arnold vom Cinepol in Sins freut sich, dass das neue Landkino gut ankommt und mit den Kinoeintritten über den Erwartungen liegt.

Bruno Arnold vom Cinepol in Sins freut sich, dass das neue Landkino gut ankommt und mit den Kinoeintritten über den Erwartungen liegt.

ES

Das Freiämter Kino lebt, negativen Schlagzeilen wegen sinkender Eintrittszahlen zum Trotz: «Kino ist mehr als Film. Wir bieten Ausgang, ein Erlebnis, auch auf dem Land», unterstreicht Hansjörg Beck, Inhaber des Kinos Rex in Wohlen, der auch in Liestal und Gstaad ein Kino betreibt und in Reinach programmiert. «Für Premieren muss man nicht mehr in die Stadt fahren, wir haben sie ebenso.» Bruno und Jsabelle Arnold, die zusammen mit dem Verein Kultur an der Front in Sins vor knapp zwei Jahren sogar ein Kino aus dem Nichts aufgebaut haben, bringen noch einen weiteren Vorteil ins Spiel: «Bei uns auf dem Land fällt die Parkplatznot weg.»

Filmangebot entscheidend

Im letzten Jahr wurden in der Schweiz rund 13,7 Millionen Kinoeintritte gelöst, fast zwei Millionen weniger als im 2012. Beck bestätigt, dass 2013 kein gutes Kinojahr war. «Das Filmangebot wirkte sich aus. Superhelden-Filme, die im Amerika und in Asien sehr gut laufen, haben es bei uns schwerer», stellt er fest. Aber jammern will der Kinobetreiber nicht: «Wir bieten, neben dem aktuellen Programm, mit speziellen Vorführungen, zum Beispiel Seniorenkino mit Kaffee und Kuchen oder mit Filmmatinées am Sonntagmorgen, Kinoerlebnisse, die gut ankommen.» Kino, unterstreicht Beck, ist nach wie vor beliebt. «Es ist beim Film wie mit dem Essen: Man kann auch zu Hause gut kochen, aber zwischendurch geht man gerne auswärts essen.»

Über den Erwartungen

«Bei uns ist es 2013 nur aufwärtsgegangen», erklärt Bruno Arnold vom Cinepol in Sins, schränkt aber gleich ein: «Unsere Zahlen sind insofern nicht repräsentativ, weil wir durch den Aufbau so oder so im Plus sind.» Neben dem Filmangebot spielen nach seinen Erfahrungen weitere wichtige Faktoren eine Rolle, ob ein Kino Erfolg hat oder nicht: «Wir in Sins mussten uns beispielsweise zuerst einmal an unser Publikum herantasten, seine Wünsche verstehen.

Am Anfang haben wir auch programmtechnische Fehler gemacht.» Und daraus gelernt: «Wir sind gut unterwegs und auch dieses Jahr über den Erwartungen.» Bewusst nimmt er auch Nischenfilme ins Programm auf und ist manchmal überrascht, wie gut sie ankommen. Es ist aber nicht allein das Programm, das die Anzahl besetzter Sessel beeinflusst. «Wenn die Fussball-Nationalmannschaft spielt, kann man ein grosses Publikum gleich vergessen. Und im Dezember, vor Weihnachten, wenn der Geschenkstress und die Weihnachtsessen vorherrschen, darf man auch keine Wunder erwarten», stellt Arnold fest.

Gesellschaftliche Aspekte

Das Kino Mansarde in Muri hat den Einbruch im letzten Jahr auch gespürt. «Das lag vor allem am Filmangebot», ist Reto Holzgang, Präsident des Filmklubs Muri, überzeugt. Schwankungen seien aber normal, ebenso, dass gewisse Tage nicht laufen. «Mittwoch ist Fussballtag, den lassen wir jetzt aus», erklärt er. Eine gewisse Konkurrenz für das Kino macht er in den Heimanlagen mit grossen Bildschirmen und Surround-Systemen aus. «Das Erlebnis Kino, den gesellschaftlichen Aspekt, können sie aber nicht ersetzen.»

Zuversichtlich sind sie alle: «Auch für das Landkino sehe ich eine gute Zukunft», macht Beck deutlich. Vorteile wie Nähe und Parkierungsmöglichkeiten würden für den Besuch sprechen. Arnold, der im letzten Sommer den zweiten Kinosaal in Sins in Betrieb nehmen konnte und glücklich ist, damit über mehr Flexibilität in der Programmierung zu verfügen, unterstreicht die persönliche Komponente des Landkinos. «Hier kennt man einander, das Landkino hat eine andere Anziehungskraft als das anonymere Multiplex-Kino in der Stadt.»