Bezirksgericht Bremgarten
Freiämter hat den Einbruch in die eigene Wohnung nur vorgetäuscht – mit Folgen

Ein 42-Jähriger musste sich vor dem Bezirksgericht Bremgarten wegen versuchten Betrugs verantworten. Der Beschuldigte wurde zu einer bedingten Geldstrafe mit zweijähriger Probezeit sowie einer Busse verurteilt.

Marc Ribolla
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Bei der Spurensicherung fielen einige Ungereimtheiten auf. (Symbolbild)

Bei der Spurensicherung fielen einige Ungereimtheiten auf. (Symbolbild)

Keystone

Ein eingeschlagenes Küchenfenster, eine durchsuchte Wohnung und gestohlenes Bargeld in der Höhe von 35'000 Franken sowie fehlender Schmuck. So traf der 42-jährige Artem (Name geändert) seine Wohnung in einer Freiämter Gemeinde im Juli 2019 an, als er am späteren Abend von einem Verwandtenbesuch in Deutschland zurückkehrte.

Die alarmierte Polizei rückte an und untersuchte den Tatort. Die Beamten und die zusätzlich aufgebotenen Kriminaltechniker stiessen bei der Spurensicherung aber auf einige Ungereimtheiten. Diese deuteten daraufhin, dass der Einbruch nur vorgetäuscht sein könnte. Bei einer Hausdurchsuchung dreieinhalb Monate später entdeckte die Polizei eine goldene Halskette und zwei Ringe, die Artem beim Einbruch ebenfalls als gestohlen gemeldet hatte.

Zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt

Dies alles steht im Strafbefehl, den die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten im vergangenen Mai ausstellte. Sie verurteilte Artem wegen versuchten Betrugs und Irreführung der Rechtspflege zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse. Dies focht er an, weshalb sich nun das Bezirksgericht Bremgarten mit der Sache befasste.

Kurz vorher liess er den Hausrat versichern

Wieso er zu jenem Zeitpunkt so viel Bargeld daheim gehabt habe, wollte Richterin Corinne Moser von Artem wissen. «Ich hatte einen Autokauf geplant», antwortete er mittels Dolmetscher. Deswegen hatte er sechs Wochen vorher einen Kredit über 35'000 Franken aufgenommen. Sonst habe er keine solch grossen Summen daheim.

Die Richterin konfrontierte Artem in der Befragung mit verschiedenen Tatsachen aus dem kriminaltechnischen Bericht. «Die Polizei stellte im Aussenbereich keine Spuren sicher» oder «Laut Bericht wurde das Fenster von innen eingeschlagen». Ob er dafür eine Erklärung habe.

Hausratsversicherung wurde vier Monate zuvor abgeschlossen

Artems Antworten blieben dürftig: «Ich weiss es nicht, woher soll ich das wissen.» Das galt auch für die gefundenen Glassplitter vom zerbrochenen Fenster in seinen Crocs-Schuhen, die er beim Eintreffen der Polizei aber nicht getragen hatte. Belastend wirkte auch, dass der Beschuldigte nur vier Monate vor dem fraglichen Einbruch eine Hausratsversicherung abschloss, die explizit Bargelddiebstahl einschliesst. Auch wenn dies nur bis zu einer gewissen Summe versichert ist.

«Keine Zweifel, dass der Einbruch fingiert ist»

Wieso der Einbruch genau dann passiert sein soll, als er die 35'000 Franken bar in der Wohnung hatte, konnte er nicht erklären. Eine Erklärung hatte Artem lediglich bezüglich der später gefundenen Schmuckstücke auf Lager. «Meine Frau war damals nicht zu Hause und ich hatte nicht gewusst, dass sie die Halskette trug», sagte er vor Gericht. Seine Familie weilte zum Tatzeitpunkt noch in den Ferien in Mazedonien.

«Meldete sich wegen des aufgetauchten Schmucks»

Artems Verteidiger argumentierte in seinem Plädoyer, dass niemand wisse, was an jenem Tag genau passiert sei. Es seien nur Indizien, die für eine Inszenierung sprächen. «Das Spurenbild hat er nicht zu verantworten», so der Verteidiger. Zudem sei es gerade bei Occasionskäufen üblich, den Wagen mit einer Baranzahlung zu reservieren. «Ausserdem meldete er sich von sich aus bei der Versicherung Ende September wegen des aufgetauchten Schmucks, als er noch gar nichts von den Ermittlungen wusste», führte die Verteidigung unter anderem weiter aus und beantragte einen Freispruch.

Muss sämtliche Verfahrens- und Anwaltskosten selbst tragen

Die Richterin folgte der Argumentation aber nicht und sprach Artem des versuchten Betrugs und der Irreführung der Rechtspflege schuldig.

«Die Menge an Indizien ergibt ein Gesamtbild, das keinen Zweifel zulässt, dass der Einbruch fingiert ist. Ich gehe davon aus, dass es sich so zugetragen hat», begründete Moser ihr Urteil. Artem wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 40 Franken (6400 Franken) mit zweijähriger Probezeit sowie einer Busse von 1600 Franken verurteilt. Ausserdem muss er sämtliche Verfahrens- und Anwaltskosten selbst tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.