Muri
Freiämter Genossen: «Die Frau ist die Verliererin des Wirtschaftssystems»

An der 1. Mai-Feier der SP der Bezirke Bremgarten und Muri die Solidarität zwischen Männern und Frauen, zwischen den Generationen und für den sozialen Ausgleich beschworen, mit Nationalrätin Yvonne Feri und Nationalratskandidat Arsène Perroud.

Eddy Schambron
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Arsène Perroud, Wohlen, verlangte in Muri mehr soziale Gerechtigkeit. ES

Arsène Perroud, Wohlen, verlangte in Muri mehr soziale Gerechtigkeit. ES

Eddy Schambron

Sowohl Nationalrat Max Chopard, Nussbaumen, als auch Nationalrätin Yvonne Feri, Wettingen, und Nationalratskandidat Arsène Perroud aus Wohlen betonten, dass der soziale Friede nur mit Gerechtigkeit gesichert werden kann. Dafür brauche es unter anderem das Engagement für Lohngleichheit, gegen den Abbau von Renten, für eine gute Bildung und eine weltoffene, ökologisch orientierte Schweiz.

Frauen verdienen weniger als Männer, haben deshalb kleinere Renten und Mühe, nach der Kindererziehung wieder ins Berufsleben einzusteigen. «Frauen sind die Verliererinnen des Wirtschaftssystems», erklärte Feri. Um das zu ändern, brauche es nicht nur mehr Solidarität unter den Frauen, sondern auch engagierte Männer.

«Wir brauchen Männer, die nicht wegschauen.» Sie müssten ihren Teil der Verantwortung, etwa in der Kinderbetreuung, wahrnehmen und sich für Lohngleichheit einsetzen. «Es kann doch nicht sein, dass Frauen, immerhin 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung, fast 20 Jahre nach dem Gleichstellungsgesetz immer noch nicht gleich viel verdienen.»

Lohn muss zum Leben reichen

Es laufe etwas falsch, wenn Reiche immer reicher werden und Arme immer ärmer, führte Chopard aus. Alle würden mit ihrer Arbeit an ihrem Platz zum Wohlstand des Landes beitragen, und deshalb müsse dieser Wohlstand gleichmässig allen zugutekommen. «Das hat auch mit Menschenwürde zu tun: ein Einkommen zu erzielen, das zum Leben reicht.»

Dank der Ausdauer und der Unerschrockenheit der Sozialdemokraten und Gewerkschaften werde heute vieles als selbstverständlich angesehen, das gar nicht selbstverständlich sei – etwa faire Löhne oder eine gute Altersvorsorge. Diese seien zunehmend in Gefahr: «Es sind Deregulierer und Sozialabbauer aus dem bürgerlichen Lager am Werk, welche die sozialen Errungenschaften abzubauen versuchen und eine zukunftsorientierte, soziale und ökologische Schweiz blockieren.» Ihre rückwärtsgewandte Stimmungsmache schade dem Land und gefährde den sozialen Frieden.

Abstriche bei der Bildung

Wer Abstriche bei der Bildung und bei den sozialen Einrichtungen mache, helfe mit, schleichend eine Zweiklassengesellschaft einzuführen, sagte Perroud. Soziale Gerechtigkeit sei ein Grundanliegen in der Schweizer Bundesverfassung.

«Die Volkspartei beruft sich immer auf die Bundesverfassung, hält sich aber nicht an sie.» Sie verschliesse sich auch vor den Problemen der ganzen Welt, «als ob wir nicht ein Teil davon wären». Anstatt Ausgrenzung sei vom Staat aber eine aktive und konstruktive Rolle gefragt.